Palladio.
erfinderischen Genie des Künstlers nicht die Waagehalten mochte, und daher Diele derselben sich ban-kerot gebaut hätten. Zu seinen ersten Bauten wer-den das dortige Gerichtshaus und der PallastNenne, das Stadthaus zu Udine , der PallastFoscati bey der Maleontcuta, und das Stadthauszu Feltre gezahlt- Jetzt erscholl der Ruf von ibmauch zu Venedig , und erhielt er dort einen Auf-trag nach dem andern. Zuerst von geistlichenStiftungen. Dahin gehört das Kloster der Chor-herren von Latran della Charita, was aber un-vollendet blieb, da ein Brand das bereits Ge-hauene bald im Anfang verzehrte, und nur einTheil des Dvrhofs, nebst einer Schneckenstiegenoch auf uns gekommen ist; dann das Refekto-rium von St. Giorgio Maggiore , und (i 565 .)die durch das schöne Ebenmaaß aller ihrer Theilezum Ganzen und die Einfachheit ihrer Verzierun-gen mit Recht so berühmte Kirche dieses Namens,so wie (i 568 .) diejenige von St. Franzisc dellaVigua. Diesen folgte wieder der prächtige Pal-las! Barbars zu Maser in der Mark Treviso, woEleganz mit so viel Bequemlichkeit gepaart ist;derjenige der Grafen Valmarena zu Vicenza mitseiner herrlichen Fa^adc; ebendaselbst die PallasteDacbarano, Caldogno, Pioveni (die beyden letz-ten, ungewiß) und Scio. Dann zu Padua einallerliebster kleiner, Tempel ähnlicher Pallast inder Vorstadt Santa Croce; in der umliegendenGegend mehrere; einer besonders, eine Meile vonder Stadt entlegen, Villa Capra oder Rokondagenannt, von welchem Dallaway I. 159-60.eine anziehende Beschreibung giebt, und den LordBurlington bey seinem Landhause zu Chiswic undmehr andre brittische Dilettanten bey den ihrigenzum Muster nahmen. In jener Villa Capra istes auch, wo die bekannten Originalbildnisse dervier großen Baumeister: Scamozzi's , della Valle's,Sansovino's , und eben Palladio's, letzkres vonLitian, aufbehalten sind. Zu Bologna sah manvon ihm (i5?2.) die Fa^ade der Kirche St. Pe-tronius. Dann wieder zu Venedig (1674) dieLeitung der Reparaturen an dem damals halbabgebrannten herzoglichen Pallaste, und währenddieser Zeit die Anordnung des Triumphbogens fürHeinrich lll. als derselbe aus Polen , nach Nie-derlegung der dortigen Krone, über Venedig nachFrankreich gieng. Ferner (ih?6.) zwey neue Kir-chen daselbst: Jl Redemptore auf der Insel Giu-decca , an welche er (als auf ein Gelübd des Staatsbey eingebrochener Pest) eine besondre Sorgfaltverwandte; und die Waisenkirchc delle Zitelle. Hie-rauf sein Meisterstück des olympischen Theaterszu Vicenza , die Frauenkirche St. Luzia, und dieHauskapelle Barbaro, in Gestalt eines kleinenPantheons. Als er eben diese letzrre kostbare Ju-wele seiner Kunst vollendet hatte, riß bey einerepidemischen Krankheit auch den edeln Mann derTod dahin. Eine nähere Beschreibung aller ob-genannten Bauten und einiger anderer hier unge-nannten, s. bey Temanza , d'Argensville nachjenem, und noch besser bey Milizia (L.i. ter?.II. 35 — 54 - mit sorgfältiger Bemerkung ihrer gros-sen Vorzüge und ihrer kleinen Gebrechen. Dieallgemeine Charakteristik derselben entlehnen wirhauptsächlich von diesem letztem. Seine Neigunglenkte sich ganz auf s Antike. Gleich den Altenschrieb er den Bauten aus Backsteinen mehr sichereDauer, als denen aus Quadern zu. In Absichtauf Bequemlichkeit vcrnachläßigte er diese, nachden Bedürfnissen seines Landes und seiner Zeitgewiß nicht, so daß jenes Bekannte : „Es gebekein schöneres Haus als ein französisches, daseins von Palladio im Gesicht habe", ein minderwahres als witziges Wort ist. Was endlich dieSchönheit betrift, hatte er immer die edle undmajestätische Eknfalt des Alterthums vor Augen,daher ihn auch Algawttl den Raphael unter denBaumeistern nennt Den verschiedenen Ordnun-gen ließ er immer ihren eigenthümlichen Charak-ter; seinen Fagaden wußte er Leben und Bewe-gung zu geben, und verstand sich ganz besonders
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auf die pyramidalen Formen. Seine Profilewaren untadelich. In seinen Lichtern vermißt manbisweilen mehrere Größe, und mehr Strenge imVerhältniß ihrer Größe zur Breite; so wie sichüberhaupt noch manch Inkorrektes an seinen Bau,ten findet, was aber mehr denjenigen, die solcheausführten, als ihm selbst benzumessen ist. Wohlaus einer allzugewissenhaften Nachahmung der An-tiken kam es her, daß er stets Fußgesinsse unterseine Säulen setzte; daß er Säulen von verschie-dener Höhe auf den gleichen Plan stellte; seinenFenstern und Thüren so viel Fronte-pigen gab, u. s. f.So zahlreich auch seine Werke sind, so ward ihm(etwa bey dem olympischen Theater ausgenommn)das Glück nie zu Theil, etwas so Prachtvollesund Grandioses in wirkliche Vollziehung zu brin-gen, wie z B. Michael Angela oder Bernini ;sonst würde er beyde durch den ihm eigenen Cha-rakter seiner großen Einfalt noch übertreffen ha-ben. Wie tief seine Theorie gieng, davon zeugenseine Schriften. Die genaueste Litteratur von die-sen findet sich in seiner Biographie von Tb. Te-manza (4°. Vens2. 1762.), welche nachwerlsauch desselben Vire clei piu oelehrr /grcüirettle ^oultori Venorisni (4°. Vene2. 778.) beyge-rückt wurde. Schon frühe war es nämlich un-ser Palladio, der dem Monsiqnor Barbaro , zumBehuf seiner Ausgabe des Vuruvs (r 556 .) die.wahre Gestalt der lateinischen Bühne erklärte,und zu dem ganzen Werk die Figuren zeichnete.Dann die vier Bücher über seine Kunst, welchezuerst 1570. und seither so oft, sowohl in derUrschrift als in Uebersetzungen erschienen waren,wovon wir hier nur der Französischen von R.Freark, Herr von Tbambrai, mit den beyge-fügten Anmerkungen von Ini^o Iones (2. Vol.kol. s >a lla^e »726.) Erwähnung thun, unddann der neuesten prächtigen Originalausgabe in4. Foliobändcn, zu welcher Dcr Berr Gca-mozzl alle Zeichnungen seiner Bauten gesammelthatte, sowie hingegen T^manza in seiner erwähn-ten Biographie unsers Künstlers ausdrücklich voreiner andern ähnlichen warnt, welche, wie esscheint, bald nach der Mitte des XVlll. , 5 ahrh.zu Venedig erschienen war, da sich nämlich inderselben Vieles, dem pallad 0 zugeeignew befin-den soll. In 1570. gab er Tasars Commenrane»,nach der italienischen Uebersctzung von Fr. Bal-delli, mit gelehrren Anmerkungen und 4 >- Tafelnversehen, welche, wenn ww anders Temanza (l. c. v. 60.. recht verstehen, von zweyen seinerSöhnen gestochen wurden; Leonidas und Horaz nämlich, zwey krefllch gesitteten, und mit den schön-sten Kenntnissen ausgerüsteten Jünglingen, die aberim Tod ihm vorangiengen, so daß sie diese Ar-beit nicht einmal vollenden konnten. Auf ähn-liche Weise hatte er über polybius geschrieben,und dem Großherzog Franz von Toscana dieseArbeit zugeeignet, welche noch angedruckt ist, sowie mehrere andre seiner handschriftlichen Auf-sätze: Ueber Theater, Amphitheater, Triumphbo-gen, Bäder, Wasserleitungen, Bevestiguugswcrkeu- s. f. welche alle in die Hand des venekianischenSenators Jac Conrarini, und, wenigstens vielemdesselben (wie z. B. ein Virruv mit seinen An-merkungen aus dieser in den Besitz des obgenann-ten Lord Richards von Burlington nach Englandkamen, der einen Theil derselben, über die Bader ,unter dem Titel: b'rrbbrioko sntiohe, (tiüo^nateda /Älluckro (hol. Sandra 1730.) erscheinenließ , worin der einzige Plan der Bader des Agrippa mangelt, der sich aber glücklicher Weise in Te-manza's Sammlung soll erhalten haben, so wiedieser letzter auch ein Paar Fragmente von An-dreas über den Bau des Domes zu Brescia undüber die Brücke zu Belluno seiner Biographie des-selben beygefügt hat. Andre Zeichnungen undHandschriften von ihm besaß i» England der Dr.Clarke, der solche dem Collegium von Worcestcrschenkte. Gestochen nach ihm haben, »eben An-dern , Marot die Blätter zu einer ältern Uebcr-setzung seiner Werke von LUunr in Quarto; dannO 0 0 0 0 0