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chen von der H. Jungfrau matte , in welchen sichso wunderschöne Köpfe befinden , daß ein Gerüchtetliche davon Titian selbst zueignen will. Biswei-len dann ahmte er auch Giorgione nach. So inseiner Madonna mit mchrern Heiligen bey St.Francesco zu Brescia , welches für eines der schön-sten Bilder dieser Stadt gehalten wird. Auch Cre-ws, der Dom zu Alessandrien n. s. f. besitzen vonseinen Arbeiten. In Lodi sind diejenigen in Oclminder als seine al Fresco's betrachtenswerch.Ridolfi thut diesem alten Künstler zu wenig Ehrean, wenn er bloß sein gutes Colorit in diesen letz-tem rühmt, da seine grandiose Zeichnung undschönen Formen, namentlich auch in der schon er-wähnten Himmelfahrt zu Codogno eben so lobens-werlh sind; und nennt ihn überdies irrig «talix-tus da Lodi, von Brescia , als wenn da Lodi sein Geschlechtsname wäre. Er selbst hingegenunterschrieb sich ausdrücklich (all' Jncorvnata) Lal-Iixtu8 cke /Vatea, und anderwerts Esllixtus Lan-ÜEiL. Datirt sind: Ein Bild von ihm zu Brescia mit 1624. einige zu Lodi mit 1627. u. 3 ». und eineHochzeit zu Cana im Refektorium der Cistcrzien-ser zu Mailand mit i 543 Auch diese letztre setztsowohl durch Meisterhaftigkeit des Pinsels alsdurch die Menge von Figuren in Erstaunen, wennauch nicht alle gleich studirt, viele derselben redend,andre dann freylich vmiachläßigt sind. La»-:r II.
106— 107.
* Oiazza (Cosmus), im weltlichen StandePaul Ungärerro genannt. Sein Todesjahr setzenEinige in 1622. Baglioni nennt ihn einen gutenPraktiker, und macht ihn, gleich dem kex. zumSchüler von Palma . Inzwischen (sagt Lanzi 11 .
107— 38.) gliech er diesem letztem wenig, und bil-dete sich einen eigenen, zwar nicht kräftigen, aberfrohen und angenehmen Styl. In mehrern Zim-mern des Pallastes Borghese sieht man von ihmFriese in bizarrem Geschmacke, und im großenSaal desselben die Geschichte der Cleopatra (inFresco?). Gestochen nach ihm haben L. Ciamberslano St. Hieronymus mit dem läutenden Engel,M.Haubendaler eine Anbetung der Weisen, R. Sa-delpr eine H. Familie mit St. Francisc und Clara,Christus am Oelberge, St-Rosa die das Kind Jesus auf ihrem Schooße hat (pnriszimom es8titsti8 8pe-culum), und den sterbenden St. Franziscus, (dieseviere, das letztre besonders, sehr schöne, zart ge-stochene Blätter); und endlich Ph. Thomaffin,etwas uns Unbekanntes.
— — (Johann Baptist« oder Anton). BeyLanzi II. i 38 unter ersterm Namen im Register,unter dem zweyten im Texte. Ein Enkel von Eos-mus, und, während dessen Aufenthalte zu Rom ,sein Schüler, stand eine Weile in Diensten beydem Herzog von Lotharingen , der ihn zum Ritterschuf, und kehrte dann wieder nach seiner Hei-math (Castelfranco) zurück, wo er für die KircheSt. Maria eine große Hochzeit zu Cana, seine beßtedortige Arbeit, malte.
*pia?;etta (Joh. Baptist). Dieses Künst-lers Manier war eben so traurig, als hingegendiejenige zweyer seiner Landleute und Zeitgenossen(Amiconi und Pittoni) fröhlich war. Er hattesich — man weiß nicht genau, ob unter einemverständigen Vater, welcher Bildschnitzler in Holzwar, oder sonst unter einem genauen Naturalisten,in der Zeichnung festgegründet; immerhin malte erin den ersten Jahren seiner Kunst noch heiter ge-nug ; dann aber betrat er eine ganz entgegenge-setzte Bahn, als er zu Bologna die Spagnoletto'sund Gnercino's zu seinen Vorbildern nahm, und(mit Uebertreibung ihrer Weise) sich hauptsächlichdarauf legte, durch starke Contraposten von Lichtund Schatten in Erstaunen zu setzen; was ihmauch gut genug gelang. Besonders fleissig soll eran Modellen von Hol; und Wachs die Lichteffektestudirt, und daher mit viel Verstand und Genau-heit alle diejenigen Theile seiner Figuren bezeichnethaben, die sich noch unter der Farbe bemerken
Piazzetta.
lassen (ehe nella maookia 80 NO comprem); da-her auch seine Zeichnungen sehr gesucht waren,und von geschickten Meistern gerne nach denselbengestochen wurde. Aber seineManier zu coloriren nahmdann seinen Bildern wieder bald allen ihren Werth;so daß, als im Verfolg der Zeit seine Schattenund Lichter noch nachdunkelten, und letztre ins Gelb-lichte fielen, aus alle diesem ein unförmlicher, un-harmonischer Ton entstand, den freylich die Ver-ehrer bloßer Namen gerade deswegen noch immerbewunderten, weil sie nicht wußten, was sie darausmachen sollten. In seinen beßten erhaltenen Wer-ken dann mochte ein solcher Styl wirklich seinOriginelles haben, und auf ersten Anblick großeWirkung thun, bey schauerlichen Gegenständen zu-mal, wie in seiner Enthauptung Johannes beyverschlossenem Kerker zu Padua , das man damalsfür eines der vorzüglichsten Bilder hielt. Aber bey ge-nauer Betrachtung fand man denn doch an den-selben nichts als Roth und Gelb, und eine gewisseFertigkeit des Pinsels, welche Einige Bravour —andre hingegen Sorglosigkeit nennen, die ihre Ar-beit vor der Zeit verläßt. Für Werke mit zahl-reichen Figuren hatte sein Geist nicht Lebhaftigkeitgenug. Als ihm einst ein venetianischer Adelicheceinen Sabinerinnenraub zu malen auftrug, schleppteer sich damit mehrere Jahre durch. Seine Altar-blatter da n mochte man andächtig genug, aberdesto minder edel finden Da er übrigens seineKräfte kannte, malte er nichts lieber als bloßeKöpfe und Bruststücke. Carrikature» gelangen ihmsehr gut; einige dergleichen bey den Grafen Leo-pardi von Qsimo konnten einen Agelast weinenmachen. Es gab eine Zeit, wo piazzerra vieleNachahmer fand; aber es war eine Mode, dieschnell vorüberging. Er st. 170s 71—72. I. alt.Lanzi ll. 208—10. Ungefähr auf dieselbe Weise,eher etwas milder, urtheilt Fiorillo II. 184—86.über ihn. Dort heißt es, neben Andern»: „Erhatte eine glückliche und kühne Führung des Pin-sels, die man vorzüglich an seinen alten Köpfenbewundern muß; auch gute Verkürzungen derHände, Füße u. s. f. Seine Drapperien sind ge-wöhnlich schwerfällig, und geben gar keine Vor-stellung von der Substanz, sondern scheinen allein gefärbtem Leder zu bestehen. Sein Colorit warbleich und talkartig". U)arelet dann rügt an ihm— »vas er nicht einmal besaß — jene Anmuth(g^rement), die man nur zu oft mit der Grazieverwechsle, und rühmt hingegen seinen breiten,festen und markigten Pinsel. Endlich lesen wir,bey Gelegenheit der neapolitanischen Macchian-ten des XV11I. Jahrhunderts, in der SchriftU)inkelnian», s Jahrhundert S. 2jo. vonunserm Künstler sowohl, als von seinem Lands-mann Tiepolo , was folgt: «Wiewohl beyde Ve-nezianer, und von anderm Stamm als jene erstge-nannten sind, so dürfen sie doch, als Geschmacks-verwandte, und auf gleichem Irrwege, denselbenzur Seite stehn. Schwache Gedanken, fehlerhafteZeichnung, Mangel an Ausdruck, Charakter undedeln Gestalten, der Zweck, durch heftige Gegen-sätze Wirkung hervorzubringen, unzulänglichesWissen unter kecke Pinselstriche zu verbergen, sindihnen allen gemeine Eigenschaften, piazzerraunterscheidet sich nur durch mächtigere Schatten,welche ins Rothbraune fallen; Tiepolo wendethingegen hellere Farben an, und bedarf deswegenkeiner gewaltsam dunkeln Stellen. In beyder Werkenfinden sich jedoch zuweilen noch Spuren von dem gu-ten Colorit des ältern venetianischen Schule. Ve nedig ist angefüllt mit des Unsrigen Arbeiten, so-wohl an öffentlichen Orten als in Privathausern;wie z. B- in der Galerie Sagredo . Dort steht, ne-ben Anderm, sein Schutzengel, seine erste Arbeit,die ihm mit 120. Zecchinen bezahlt wurde. SeinMeisterstück soll jedoch die schon erwähnte Ent-hauptung Johannis in St. Anton zu Padua seyn.Auch in Deutschland befinden sich viele von sei-nen Bildern. Die Galerie zu Dresden besitztvon ihm die mittelmäßigen: Jsaaks Aufopferung,und David mit Goliaths Haupte; diejenige zu