Band 
Zweyter Theil [2].
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1094
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1094 Pigalle.

i« der Königl. Akademie der Baukunst zu Paris und prakticirte hernach bey seinem Vater, Hof-baumeister des Königs Stanislaus zu Lüneville.Nachdem er große Reisen durch Frankreich, Ita-lien und England gemacht, trat er 17,8. in Kur-pfalzische Dienste. Vorzüglich sind von ihm: Derganze linke Flügel des Schlosses Mannheim ,worin die Bibliothek, die Galerie, die Archiv-zimmer, Kunst- und Naturaliencabinette sich be-finden ; dann auch die Reitschule, Stallungenund Remisen. Der hohe Altar in der Schloß-kapelle ist von seiner Erfindung, und der Kurfürst!.Lustgarten zu Schwezingen nach seinen Zeichnun-gen und unter seiner Leitung angelegt. Die schö-nen Bvsquete, Cascaden, Tempel und Pavillons,besonders das prächtige Badhaus, Brunnenwesen,und alle andern darin angebrachten Verzierungensind alle sein Werk. In 1762. hat er auch dasdort befindliche Theater im Orangeriehaus erbaut.Dann späterhin um 1780. die neuen Hofstallungenzu Düsseldorf , die eine Zierde dieser Stadt sind,so wie er auch den Grundriß zu dem angenehmenöffentlichen Spatziergange vor derselben gegeben.Und endlich ist, nebe» so viel Andern», das dreyStunden von Düsseldorf entlegene Kurfürst! Lust-schloß Benrath ebenfalls seine Arbeit. Dieser ge-schickte Mann starb zu Mannheim 1796. Schonum 1789. trug er den Titel eines Kurpsalzbayer-schen Hofkammerraths, Oberbau- und Garten-direktors zu Mannheim , Mitglieds der AkademieSt. Lucas zu Rom und der Konigl Akademie derBaukunst zu Paris . Mensel II. Baue. S- auchden Art. Di^nar in den gegenwärtigen Zusätzen.

* Okgalle (Joh.Baptist), geb zuParisi^-Sein Vater, ein Tischler und Bauunternehmer,hatte ihn schon in seinem Achten dem BildhauerLorrain in die Lehre gegeben. Allein, zum Zeich-nen hatte er keine Anlage; nur das Modellirengefiel ihm: Auch dieses kostete ihn viele Müheund Arbeit; aber, er wollte nun einmal durchausBildhauer werden. In seinem Zwanzigsten kamer zu le Moyne; hier wagte er sich, doch ohneglücklichen Erfolg, um den Preiß der Akademiezu ringen. Beschämt ging er jetzt nach Italien ,wo er von dem jünger» Coustou großmüthig un-terstützt ward. Hier führte er drey Jahre langdas arbeitsamste Leben, fing seine Studien frühMorgens um 5 . Uhr an und endigte sie nicht vorii. Uhr Jetzt kehrte er nach Frankreich zurückund verfertigte zu Lyon einen Merkur, von wel-chem le Moyne sagte, er wünschte ihn selbst ge-macht zu haben Dann wurde er in die Akademieaufgenommen. Lange mußt' er indessen noch, wieum's Brod arbeiten Durch eine Madonna fürdie Invaliden lernte ihn der Minister d'Argensonkennen, der ihm jetzt auftrug, eine Statue Lud-wig XV. zu meißeln Auch die Frau von Pom-padour bestellte bey ihm: Vörderst ihre eigeneBildsäule; bann die des — Gottes der Verschwie-genheit! und ein Grupp: Liebe und Freundschaft.Nun war für seine Bedürfnisse gesorgt. Dannbefahl ihm der König, seinen Merkur im Großenauszuführen, und, als Pendant dazu, eine Ve-nus, welche bende, als Geschenke an Friedrich II. nach Berlin gingen Dielen Arbeiten folgten vieleandere minder beträchtliche, unter welchen einKind, dem sein Vogel aus dem Käfigt entwischt,sich auszeichnen soll Seine eigentlich wichtigenArbeiten nennt schon das Lex. Von den zwo Sei-tenfiguren an seiner Statüe Ludwig XV. zu Rheimsstellte (auf Verlangen der Stadt) die männliche,die — von offnen Geldsachen umgeben, ruhig da

Pigalle.

sitzt, den Künstler selbst dar. Auch der alte Bou-chardon übertrug ihm, seine Bildsäule des Königeszu Pferde für die Stadt Paris zu vollenden. Hier-nächst ward ihm Voltaire's seine, von dessen Freun-den aufgetragen. Allein, da er diesen außeror-dentlichen Mann und nackenden Freund der Wahr-heit ebenfalls auf eine außerordentliche Art, d. h.(crellire posteri!) ganz nackend darstellte, undvon dieser Grille durchaus nicht abzubringenwar, so lieferte er zwar ein anatomisches Meister-stück, aber ein Gerippe, das die Augen belei-digte, und welches man nicht öffentlich aussetzendurfte. Den nämlichen Fehler beging er an demGrabmale des Grafen von Harcourt in NotreDame zu Paris , wo ein noch so künstlich gear-beiteter, durch Krankheit entkräfteter Körper, ebenkein angenehmer Anblick ist. Seiner Freunde,Diderots, des Abbö Raynal's u. a. Bildnisse hakteer con Amore verfertigt. Seine letzte Arbeit wareine junge weibliche Figur, die sich einen Dornaus dem Fuße zieht. In 1770. wurde er bey derAkademie Rektoratsadjunkt, 1771 Rektor, 1786.(seinem Todesjahre) Kanzler. Schon bey fahrenhatte er eine seiner Nichten geheurather, aber beyihr keine Kinder erzielt Was an seinem Denk- 'mal des MarschaUs von Sachsen Alles gerühmtund gerügt wird, ist bekannt. „ Was uns" (heißtes in einem Aufsätze des Mensel sehen Mu,seums II. 63 — 66 . aus welchem obiqe Nachrich-ten, so wie jener wesentlich aus d'ArgensvtlleII. Z91—§07. gezogen sind) „dabey vornehmlichauffiel, ist die altzukurze Figur und der nicht ge-genug heroische Ausdruck des Helden, so sehrwir auch wissen, was dagegen erwiedert werdenkann. Bey alle dem ist es ein bewundernswür-diges Kunststück, bey dem man nie lange genugverweilen kann." Dort liest man auch ein nichtunbemerkenswerthes Dictum von unserm Künstler;Nämlich: „Die zwey schönsten Köpfe, die er inseinem Leben gesehen, seyen diejenigen Ludwigs XV.und Friedrich II. jener in Ansehung der cdeln Form,und dieser in Rücksicht auf geistvolle Feinheit". Nochholen wir aus d'Ä>gensville l. e. nach: DieStatüe zu RheimS darin sich von i, 65 . SeinGrabmal des Marschalls von Sachsen ward vol-lends schon 176b angefangen, aber (aus uns un-bekannten Gründen» erst 1)76. zu Straßburg auf-gestellt worden. Von dort machte er einen kurzenEpcurs nach Berlin , wo ein seltsamer Mißver-stand es behinderte, daß er dem Könige nicht vorge-stellt wurde *). Daß die Figur an dem Grabmale desGrafen von Harcourt so unangenehm ausfiel, trugseine hinterlassene Wittwe einzig die Schuld. Nachmehrern Entwürfen des Künstlers foderte sie —in ihrer Trauer? — immer einen häßlichern, undfand endlich den gewählten — noch viel zu hübsch.Von pigalle's Kunstcharakter urtheilt d'Argens-vllle, wie folgt: „Derselbe harre von der Naturfür die schönen Künste im Grund wenig Anlageerhallen, und somit seinen Werth hauptsächlichdem angestrengtesten Studium nach den berühm-testen italienischen und französischen Mustern znverdanken. Er besaß weniger Genie (esprir) alsTalent (?), und weniger Umfang als Richtigkeitin seinen Begriffen. Der Geschmack seiner Zeich-nung , ohne frey und groß zu seyn, war rein undnüchtern (ssz-e), einfach und manicrlos. SeinCharakter war die persouificirte Rechlschaffenheitund Edelmuth. Seine Neigung für's Wohlthunging so weit, daß er oft Geld für andere ent-lehnte , und eines Tages einer armen Frau eineBoite von roo. Louisd'or Werth gab, um dafürbey dem Mont-de-Pietö Zoo. Livr. aufzunehmen.

s Er langte zu Berlin an einem Tage an» als der König eben dem neuvermählten Großfürsten von Rußland eingroßes Souper gab. pigalle befand sich am Saaleingange unter den Zuschauern; der König bemerkte ihn,befahl daß man ihn hercinlaste, und ließ sich erkundigen, wer dieser Franzose sey: „Melden Sie dem Kö-nige" (antwortete icmand für ihn) „es sey der Verfasser (.'ursnr) des Merkurs." Gerade damals warFriedrich über einen Art im Pariser -Merkur ungehalten. Die Folge braucht nicht enählt zu werde».Der gekränkte pigalle sah nur noch ru Potsdam seinen Merkur wieder; bemerkte: Es tbäl' ihm leid, wenner's jetzt nicht besser machte, und reis'te schnell wieder von Berlin ab. Späterhin klärte sieb freylich das, inmehren, Rücksichten doch genug merkwürdige Mißverständniß anf, und der Abt Perneti mußte dem Künstler,des Königs Bedauern darüber schriftlich bezeugen.