P j o r t.
so muß ich doch gestehen, daß ich nirgends einig«Ueberladung der Muskeln habe entdecken können.Vielmehr ist alles darin vvrrreflich gedacht; undwenn es dunkel geworden, so rührt solches nichtsowohl vom Stein, als vielmehr von der Deckevon Mastix u. a. dgl. harzigen Substanzen her,womit Sebastian seine Gründe zu überstreichenpflegteDas Museum zu Paris besitzt von ihm:Die Marter von St. Agatha (ehemals im PallastePitti), und eine Madonna mit dem Kinde, wel-chem Engel ein Ruhebett zurüsten wollen, beydevon lebensgroßen Figuren. Beschreibung und Ab-bildung davon im Umrisse findet man in Lan-ds ns Annas. VI- lou. und VHI. 97. Die For-men im erstem sollen etwas hart, der Ausdruckhingegen vortreflich seyn; das zweyte schien eineNachahmung der Manier von da Vinci zu seyn.In Absicht auf Harmonie und Colorit sollen beydenicht zu seinem Bcßten gehören, und besonders dieCarnation (bey ihm ungewohnt) hart seyn Indeutschen Galerien befinden sich, unsers Wissens,zwey einzige Bilder von ihm: Zu Wien das Brust-bild eines bärtigen Mannes, und <u Pommers-felden eine Maria mit dem schlafenden Kinde undJohannes. Wo seine schon erwähnte Auferwe-ckung von Lazarus , durch die er mit Raphaelwetteifern wollte, und welche 1722. po.<?r varios0ÄSU8 in den Besitz des Herzogs von Orleans ge-langte, hingekommen sey, ist uns unbekannt*).Zu Madrid dann, in der Sakristei) des Hospitalsvon Monserrata, sieht man drey unvergleichlicheBilder von ihm: Eine Abnehmung vom Kreuze;Christus, wie er die Väter aus dem Limbus holt,und eine Gefangennehmung im Garten. Er selbstsoll, neben Anderm, eine Heimsuchung Mariägcetzt haben. Nach ihm gestochen dann kennt man,neben eben dieser Heimsuchung, von I. Thomas-sin, unsers Wissens, bloß einige Bildnisse, wie:Der Viktoria Colonna von W. Hollar, des Card.Poius (das jedoch Einige Raphael zuschreiben)von N. de Larmessin, Baccio Baudinellis von E.Vicus, (und in neuern Tagen in Filbol's dallerie6u iVluseuin blapoleon); hauptsächlich aber seineignes herrliches aus dein Cabinet Reynst, vonC. van Dalen. Von Andern nennt einzig ei-ne cke (zIachr. II. ^ 7 -) nach seiner Zeichnungeine Figur, welche sich in dem Traum des mensch-lichen Lebens befinde, von Episcopius in dessenParadigmaten.
*piort (V. de.). Derselbe arbeitete um i6Z6.zu Avignon , und gab damals: ?lsn äss Isles cieL>t. Honorar st 6s 8ts. ülarLusritüs.
pior (L-), Vater. So unterschreibt sich indem Zürcher -Journal f. Lirrer. u. R»nst S.sog. ein uns sonst unbekannter Maler zu Lausanne ,der rüoh. in erwähntes Journal einige Notizzenüber die Gebrüdere Säblet einrücken ließ. OhneZweifel derselbe, aus der Waat gebürtige, pior,von welchem es in Kunstnachrichten aus der Schweiz von 179/,—gd. (Mensel rI. Misc. III. 087.)heißt: Er sey ein geschickter Pastelmaler, dessenBildnisse viel Anmuth und Wahrheit besitzen.
Viper (Franz), ein englischer wahrer Aben-theurer von Künstler, dessen Werke indessen, selbstin England, nur wenig bekannt sind. Derselbestammte aus einer Flammischen Familie, die sichaber in der Grafschaft Kent niedergelasien hatte,und bewies in seiner Jugend viel Talent für Ma-lerei. Allein sein Hang zum Sonderbaren triebihn durch ganz Europa , und zuletzt nach Cairo.Er führte den Pinsel mit großer Leichtigkeit, malteaber nur wenn ihn die Flasche begeistert hatte, da-her man seine beßten Produkte in den großen Lond-ner-Weinschenkin antrist. In der dortigen Mittre-Tavern befindet sich ein Zimmer, Amsterdam ge-nannt , worin er die Represemanten verschiedenerSekten, neben Andern einen Jesuiten und Qua-cker, meisterhaft vorgestellt hat. Dabey war er
«) So eben finden wir bev Dallaway ll. 272. daß jin Fvnt-Hill befinden soll.
Pipi. iwI
einer der ersten (frühesten) englischen Carricatur»maler, und verzierte die silbernen Tobacksdosenseiner Freunde mit witzigen Vorstellungen. Da eraber sein ganzes Vermögen verschwendet hatte, sosah er sich späterhin genöthigt, von seinen Talen-ten ernstlich Gebrauch zu machen, und Zeichnun-gen für den Kupferstecher Decket zu verfertigen.Eben so zeichnete er die Köpfe berühmter Männer,die zu dem Werke von Paul Rycault von Eldergebraucht wurden. Allein das Vermögen, dasihm nach dem Tode seiner Mutter heimfiel, ver-leitete ihn zu neuen Ausschweifungen, in derenTaumel er im I. 1698. starb. FiyriUs V. 612.nach Walpole S. 376—77.
piper (Fr. Magnus), Hofbaumeister zu Stock-holm , vielleicht ein Nachkömmling des Obigen -kam um 1780. von seiner achtjährigen Reise inItalien und England , wo er sich auf die Garten-baukunst geleget, nach Hause. Il/rc. Neueres ha-ben wir nichts von ihm vernommen.
* Pips (Julius), genannt Romans. Ver-narb Castiglione brachte ihn nach Mantua , wodamals der Herzog Friedrich herrschte, dessen großeSeele und glühende Liebe für alles Schöne keinmittelmäßiger Künstler befriedigen konnte. Fürdiesen arbeitete er anfangs als Baumeister undIngenieur zum Nutzen und zur Verschönerunggedachter Stadt so geschickt, daß der Fürst öfterszu sagen pflegte: Er sehe ihn gleichsam für einenneuen Stifter, und, mehr als sich selbst, für denEigenthümer und Schutzherr von Mantua an —hatte er solches doch, neben Anderm, gegen dieVerheerungen des Mincio sicher gestellt' Und nun— was wohl die Kunstgeschichte von Ihm alleinerzählen kann — fing er an, die Palläste und Tem-pel, welche er erbaut hatte, mit seinem Pinsel zuverschönern. Schon zu Rom war er bekanntlichder berühmteste Schüler Raphaels, folgte aberseinen, Meister mehr im Starken als in: Zartendes Ausdrucks, und erschien besonders zu seinemVortheil, wenn er kriegri'che Gegenstände mit ebenso viel Geist als Gelehrsamkeit darstellte. Eingroßer Zeichner, wenn je Einer, und hierin einwahrer Nacheiferer von Buonaroti, ging er mitder menschlichen Maschine als Herrscher um, lenkteund bewegte sie nach Willkühr, ohne Besorgniß,sich jemals zu irren, nur daß er bisweilen, ausBegierde recht anschaulich zu werden, ins Ueber-triebene fiel. vasari bewundert indessen nochmehr sein Reißbley als seinen Pinsel, und glaubt,daß sein großes Feuer beym Entwürfe, in derAusführung oft wieder zu erkalten anfieng. An-dere dann tadeln das Finstre seiner Gesichksmienen,und glauben, daß er seine Mitteltinten zn schwarzgehalten; was, wie Pvuffin freylich richtig bemerkte,an der Schlacht Constauttns sich gut genug aus-nahm, wohl aber desto minder in seiner Madonnamit etlichen Heiligen in der Kirche dell' Anima,und bey andern ähnlichen Gegenständen. Seltnersind seine (oft sehr unsittlichen) Staffeleygemälde.Am öftersten arbeitete er al Fresco; von ihm sindwie man weißt, unter den vier von Raphael an-gefangenen großen Darstellungen aus der GeschichteConstantins, die Erscheinung des Kreuzes, unddie schon erwähnte Schlacht gegen Maxentius , vol-lendetworden. Indessen muß man in dieser Gattungihn zu Mantua suchen, das ihn, als den Stifterder dortigen Schule, billig auf immer verehrt.Dorthin kam er „824. mit einer Menge, theilsvon Raphael geerbter, theils von ihm selbst nachden Antiken verfertigter Zeichnungen, und fand dazugleich einen neuen Schatz alter Kunstwerke,welche die Gonzagas gesammelt hatten, und wo,von sich nur noch geringe Ueberrcste bey dasigcrAkademie befinden. Auch hier zeigte er sich wie-der als Zeichner, welcher Fruchtbarkeit der Ideenmit Auswahl, Schnelligkeit mit Correktion, undGelehrsamkeit mit Popularität, wie sonst Keiner,
ch eine sslche in England, im Cabinet des H. Ansersttin's