Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1105
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Pipi.

selten wahr; immer zu schwer, und zu sehr andas Nackte geklebt. Seine Erfindungen sindstets groß und bisweilen erhaben; ebenn so ist auchder Ausdruck und die Charakteristik seiner Bilder.Seine Färbung hingegen hatte weder Wahrheitnoch Anmuth, und von Schatten und Licht wußteer selten einen Vortheilhaften Gebrauch zu machen''.LVareler dann bemerkt »orderst, nach der Ge-schichte: »Des Julius Eltern kennt man nicht;er war also wahrscheinlich von dunkeler Herkunft."Dann heißt es auch hier: »So lang als Raphaellebte, vermischte er seine Talente mit denen diesesgroßen Meisters, und machte nichts für sich selbst;erst nach dem Tode des letztern war es, wo manseinen wahren Knnstkarakter erkennen konnte. Jetztsah man, daß er einen erhabenen Geist, einendichterischen Kopf, also große Gedanken, und da-bey eine richtige Zeichnung besaß, die aber in ge-wissen Theilen, besonders in den Extremitäten, Ma-nierirung hatte. Er zeigte mehr Feuer als seinLehrer, oder vielmehr stand er nicht in Furcht, sicheiner »»behutsamen Hitze zu überlassen, die ihmdann freylich nicht erlaubte, die Wahrheiten derNatur zu studiern und in Ehren zu halten, sondernihn dafür antrieb, stets zu produziren, ohne ihmdazu jene Ruhe der Seele, und die glückliche Stillezu lassen, welche allein zur Vollendung führt. Seinehatte und strenge Zeichnung war jenen Grazienfeind, welche ihre Gunst an Raphael verschwen-det hatten; seine Mitteltinten sind schwarz, seineFleischmassen zogen auf Ziegelfarbe. Den Köpfenund der Drapperie gebrach es an Mannigfaltig-keit (vsrietö, also nicht Wahrheit, wie Heyden-rekch jämmerlich spricht). Aber alle diese Fehlerwurden ersetzt, oder wenigstens in Gleichgewichtgebracht durch eine große Fruchtbarkeit der Einbil-dungskraft, durch alle jene Gelehrsamkeit die demKünstler nützlich seyn kann, die Kenntniß der Ge-schichte, der Mythologie, der Perspektive u. s. f.Vornehmlich schien ihn die Natur bestimmt zu ha,den, schreckliche oder gigantische Gegenstände zubehandeln". Nun folgt sein Ruf nach Mantua .Dort baute er sich ein Haus, das man für einenPallast halten konnte, und legte darin ein reichesAntikenkabinet an.Mengs bemerkt" (heißt esdann weiter),Julius habe mit einer ausseror-dentlich harten und kalten Manier einen sehr furcht-samen, glatten und geleckten Pinsel verbunden;bey dem Bestreben, den ernsten und ausdrucks,vollen Geschmack Raphaels nachzuahmen, sey erin das Dunkle gefallen, und seine Figuren hat,ten einen theatralischen affektirten Charakter".Hierauf wird eine Stelle aus Lochins Reise, überdie Werke in Mantua angeführt. Von dem Sturzder Riesen heißt es (sie haben über ih^ im Dec-Verhältniß; in der Höhe sind alle Götter, und derThron Jupiters):Die Zusammensetzung bestehtaus einer schönen Wahl, und die Gruppen sindziemlich gut verbunden; die Zeichnung ist von sehrgroßem Charakter, obgleich voll Unrichtigkeit.Die Köpfe sind meist von hoher Schönheit undzierlicher Form; aber immerhin Ueberrriebenes undManier darin, und wenig Feinheit in der Zeich-nung" (Wie sich das Alles reimen mag!). DerAusdruck ist stark. Dafür bemerkt man keine oderwenig Lichtivirkung, und die Farbe an den Man,ner-Figuren ist roth. In einem andern Flügel desPallasies del sieht man ein Zimmer, vermischtmit den größten und den kleinsten Bildern bemalt,woran sich indeß nichts, als ein guter Charakterder Zeichnung bewundern läßt, der aber wiedermit viel Unrichtigkeit verbunden ist. Die Plafondsenthalten äusserst dreiste aber wenig angenehmeVerkürzungen, und eine widerliche Färbung. Essind allegorische Gegenstände von Amor, Bacchusu. s. f. In der Galerie des herzoglichen Pallasiesdann (nicht Duvalschen Pallasie, wie Heydensreich ?slai8 llucal giebt), sind die schönsten unddieses Künstlers würdigsten Arbeiten: Die Der,sammlung der Götter, in der Mitte; dann, derWagenlenker Apoll , die Aurora, und eine männ-liche lorbeergekrönre Figur, die einen Palmzweig

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tragt, U. f. f. In diesen Bildern sieht man eintgroße Manier zu zeichnen und zu drappiren; siesind mit Festigkeit und Kühnheit gemalt; die ,pfe, doch nicht alle, von hohem Charakter undschönen Formen; die Figuren, jede einzeln betrach,tet, von guter Wahl, aber wenig gruppirt DerPlafond der Aurora zumal, thut viele Wirkung.Die vier Pferde, von unten gesehen, sind voll Le,ben und Feuer; die Figur der Sonne ist gut ge,zeichnet; andre hingegen weit schlechter und un,richtiger. Ueberhaupt besteht das Schöne hier inder Manier und der Form, was freylich " (denkeman doch!)einen der wichtigsten Theile der Kunstausmacht. Die Farbe ist schlecht, und das Ganzevon geringem Effekt". Die wahre Ursache derGebrechen unsers Künstlers aber (meint Marelet)habe besonders Lepicis gefunden, wo er sagt:»Julius, einzig mit der Größe seiner poetischenGedanken beschäftigt, habe, um in dem nämlichenFeuer, womit er sie gedacht, solche auch auszu-führen, sich mit seiner einmal angewöhnten Zeich-nungspraktik begnügt, und die Mannigfaltigkeitund Wahrheit vernachläßigt, die er aus der Na,tur" (o der ewigen Natur dieser Franzosen!)»hätte schöpfen sollen. Die Fülle seines Genie'sabe ihn oft seine Zusammensetzungen allzusehräufen gemacht, die dann freylich dafür eine voll-kommeneKenntniß des Alterthums verriethen, welcheer mit größter Sorgfalt studirt, und als Maler wieals Gelehrter zu benutzen gewußt habe". Und nun,u gutem Schlüsse, Taillasfon (21622.?:Ju-nis Romanus, der berühmteste und geliebteste vonRaphaels Schülern, zeichnete sich besonders durchdie Fruchtbarkeit und die Glurh seiner Gedankenaus. Sein Genie begnügt sich nicht mit den engenSchranken des Tuchs und der Staffelei; um das-selbe ganz zu fassen, waren lange Tapetenreihen,und der Pomp geräumiger Pallasie erforderlich.Er hatte mehr Einbildungskraft als Gefühl, mehrStarke als Grazie Sein Ausdruck kam aus demKopf, nicht aus dem Herzen; daher setzt er mehrin Erstaunen, als daß er rührt. Immer groß,erreichte er bisweilen das Erhabene; nicht zwarjenes Vollkommene, das aus der Einigung deSEocln mit dem Naiven entspringt, sondern viel-mehr den Schwung eines warmen Kopfs, den derEnthusiasmus weckt, der mit Schnelligkeit undFülle ihm ungewöhnliche Gegenstände darbietet,die man sonst nie gesehen hat, und doch (?) leb-haft genug zu sehen wünscht. Im hohen Zcich-nungsstyl unterrichtet, voll Gelehrsamkeit in derComposition, scheint er, dieser zwey Haupttheileder Kunst wegen, alle übrigen vernachlaßigt zuhaben; schwach im Colorit, beschäftigte er sichselten mit der Harmonie und richtigen Abstuffungder Lichter. Aber, alle dessen ungeachrec was ihmmangelt, müßen seine oft nicht beendigt scheinen-den Werke durch ihre imponirende Kühnheit ebenso sehr als die vollendetsten andrer Künstler gefal,len".Er hatte steißig an den trojanischen, An-toninischen und Theodosischen Säulen studirt, undnach diesen Denkmälern seinen Geschmack an mi-litärischem Costum gebildet, hierin aber den reinenund einfachen Styl des Alterthums gleichsam ita-listrt oder gar barbarisirt. Als Freund der berühm-testen Dichter seines Landes, und selbst Poet, wa-ren seine Werke im Geschmacke der Litteratur sei,ner Zeit, und wenn er Griechen oder Römer vor-stellen wollte, so malte er immer jene Wackernaus der Ritterschaft. Kein Künstler hat, wie Er,die Helden des Ariost und Tasso so treu darge-stellt. Da sieht man jene Lanzen und berüchtigtenSchwerdter, die so ungeheure Streiche schlugen,und jene erlauchten Schnellläufer, so außeror-dentlich als die Herren, die sie trugen. Unterseinen Frauen-Figuren finden sich wohl unerschro-ckene Dradamanten und hochherzige Clorinden,aber weder die schöne Briseis,och die zarte Jphi-genia, noch die rührende treue Gattin des Hec-tor". Auch in der Architektur behauptete er deünämlichen Charakter kühner und neuer, oft leltsa-mer Gedanken. So baute er den Pallast del T^,Bbbbbbb