Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1128
JPEG-Download
 

H28 Pollajuvl.

nung des Nackten, welche wirklich gelehrte Kennt-niß der Anatomie verräth, die er vielleicht unter denItalienern zuerst methodisch studirt haben mochte.An dem gemeinschaftlichen Grabmal der beydenBruder zu Rom in St. Pietro in Vincoli findet sich(ob von ihnen selbst gemalt?) die sinnbildliche Dar-stellung einer (wie man's deutet) durch die KraftderJndulgenzen aus dem Fegfeuer befreyten Seele."Auch steht Amons Bildniß in Marmor bey derHauptthüre dieses Tempels. Dabey war letztrer auchein treflicher Niellator. Indessen sind es vornehmlichseine selbst gestochenen Blätter, die ihn zuerst in denvorzüglichen Ruf gebracht, baß er um i 483 . nachRom berufen wurde, das Grabmal Sfttus IV. zuverfertigen (l. c. 78. 94.). Von seinem Werth alsStecher urtheilt Rost lll. 41.: «Als Finiguerra'sZeitgenoß bestand eins seiner Hauptverdienste darin,daß er, wenn er auch nicht, wie einige dafür halten,Miterfinder der Stecherkunst war, doch dieselbe ver-vollkommnete; und seiner Manier, welche in kräf-tigen Umrissen und vielen Diagonalschraffirungenbestand, folgten nachwerts Mantegna , I. M. undI A- Brixiensis, u. a. Sein berühmtestes Blatt,das sich dem kühnen Geiste des Michael Angel» nä-hert, führt schon das Ley. an. Die Figuren darinsind 11" hoch. Hinter einer, welche mit dem Bo,gen schießt, liest man: Opus ^ntonii/'ollchrioü',klorentinl. Noch drey andre werden als seine Ar-beit erkannt: Eine H. Familie mit Elisabeth undJohannes, der dem Kinde eine Blume darreicht.(Joseph stützt sich auf den Stock); dann zwey kleineOctavblätter: Herkules, der den Antheus erdrückt,und Ebenderselbe, der eine corinthische Säule trägt.(Der Wmklersche Katalog nennt letztres ein Folio-blatt). rJach ihm hinwieder gestochen dann findetsich ein Grabmal Jnnvcenz VIII. von P. S. Bar-toli in der blist. I'empl. Vatis. p. 96. Eine For-tuna auf dem Meer endlich dürfte wieder seineeigene Arbeit seyn. Von seinen Schaumünzen danngedenkt vasari besonders einer sehr vorzüglichenauf die Verschwörung der Pazzi. Und in Beytra-gen zur Geschrchre der Schaumünzen, an derSpitze der Jen. A-L-Z. 1810. werden zwey andreauf die Päbste Sftt IV. und Jnnocenz VIll. zwarnicht für zuverlässig, doch für wahrscheinlich, alsseine Arbeit angeführt, und aus denselben derSchluß gezogen:In dieser Kunstgattung findesich freylich in den Werken der Pisano, Sperandoniund Velano, seiner Zeitgenossen, mehr Anziehendesund Gemüthliches, vielleicht auch ein edlerer Sinn,bey pollajuoko aber mehr Wissenschaft, und in denFiguren ein zierlicherer gebildeterer Styl, aller-dings oft von einer Strenge, die ans Harte gränz-te, fehlte ihm doch auch als Maler das gefälligeSanfte; wogegen aber wenige Künstler ihren Wer-ken so viel Kräftiges, Geist und Nachdruck zu er-theilen gewußt, wie Er."

p 0 lkaju 0 l 0 (Peter del), geb. 1433. und gest.gleich seinem Bruder, 1498. S. von ihm den obi-gen Art. desselben. Nach Lanzi I. 67. war auch ErBildhauer, und arbeitete mit Anton aridem Grab-male Sixt IV. In Deutschland besitzt von ihmdie einzige Galerie Lichrenstein ein kleines Bild:St. Hieronymus .

* (Simons Cbronaca genannt,

weil er unaufhörlich von Römischen Alterthümern,wie eine Chronick schwatzte. Mit alle dem war erauch ein treflicher praktischer Künstler. Die corin-thische Cornische an der Fa<;ade des Pallastes Skroz-zi zu Florenz ist die prächtigste, die man kennt; erhatte solche aus einer andern, die er zu Rom inSpoglia-Christo fand, entlehnt, aber mit vielemVerstand (was nicht alle Nachahmer thun', nochverschönert. Auch seine achteckigte Sakristei vonSt. Spirito zu Florenz ist sehr elegant, und von tref-lichem Ebenmaaße; und seine Kirche St. Franciscaußer der Stadt nannte Michael Angeio seine hüb-sche Bäuerin. Dann hatte er ebenfalls vielenAntheilan der Wiedererbauung des dortigen Großen Raths-saals, des größten in Italien , der aber mit alledcmin seinen Winkeln so fehlerhaft, und so dunkel ist.

Polo.

Dieser Künstler endete sonderbar, da er sich nämlichganz thörigt in die Parthey des Fra Savanarolaverliebte. Doch starb er noch ruhig in seiner Vater-stadt, und wurde bey St. Ambrosius begraben.MHür I. 198 200.

pollard (Robert), Maler und Stecher mitder Nadel und in Aquatinta, geb. um 1748. undblühend zu London seit 1780. Als Landschafts -und vorzüglich als Marinemaler arbeitete er in demheroischen Styl von Wilson mit freyem und kräfti-gem Pinsel. Für seine Meisterstücke hält man: Ro­ binson Crusoe in der Einsamkeit, womit er in 1801.erschienen war; dann, noch späther: Den Lan-dungsdamm der Uarmouther - Werfte. Beyde be-schreibtFl'orillo V. 8Z7 38 . Seine Blätter dann,sowohl nach seiner Erfindung, als nach Andern-werden ebenfalls sehr geschätzt. Gegen 20. dersel-ben führen Rost IX. 33840., der Katalog vonBrandes, und ein Verzeichniß meines sei. Vatersan. Nach eigener Zeichnung: Die Weissagung derHungersnoth (1780.) schön; Edwin und Angelina,aus dem Eremit von Goldsmith (178h.) sehr schön;das Gegenstück des letzter«: Die Einsiedelei) vonWarkworth (die Landschaft von Peltro gestochen)1787. Dann Lieutenant Moody, der einen Gefan-genen aus den Händen der Amerikaner befreyk; unddas Gegenstück: Lady Harriet Ackland, die ihrenbey den Amerikanern gefangenen Gemahl besucht;beyde in punktirter Manier (vorzüglich schöne Blät-ter). Endlich: Den Blinden von Bendwall-Green,durch seine Tochter geführt, und Ebendenselben voneinem Reuter begleitet; beyde(i787-) vonpollardgeätzt, und in Aquatinta schwarz von Mills.Hienächst nach Andern. Nach E. Daycs: WarremHastings Verhör; das Dankfest wegen Genesungdes Königs; eine Ansicht von Hannover -Square,und eine andre von Blomsbury-Cquare(letztrezweyin Aquatinta schwarz, gemeinschaftlich von ihm undF. Jukes . Nach R- Bodd: Die Noth des SchissesCentaur, und die Rettung des Kapilain Jngle-fields ab demselben, in Aquatinta. Nach G. Gil-pin: Englische Hunde, gemeinschaftlich mit Jukes.Nach W. Mason: Statüe des Königs Georg zuBlack-Heath (1787 ). Nach D. Serres: Ansichtvon Gibraltar , mit der Aufhebung von dessen Be-lagerung durch Rodncy (1780.), und das Kriegs-schiff Mediator, das auf fünf französische Schiffestößt (1782.). Nach R. Smirke: Menschliche Be-handlung des Fähndrichs Premier bey den Wilden(1781.); Schiffbruch des Ostindienfahrers Groß-venor (1782.); den gegen Georg lll. intentirtenMord. Endlich nach F. Wheatly: Das Nymphen-bad; letztredrey wieder gemeinschaftlich mitJuckes.

O 0 llenfühl ( ). So nennt sich 1796. ein

bürgerlicher Baumeister zu Wien in einem Pränu-merantenverzeichniß zu Spallai t's Abhandl. über'sCostüm.

poller ( . . von), Hofdame der verwittibkenKönigin von Schweden , gebürtig von Stralsund ,ein äußerst gebildetes Frauenzimmer. Acerbi (S.i2i.) führt sie unter den schwedischen Künstlern an,und sah von ihr 1798. eine in Tusch gearbeiteteLandschaft, welche in einer freyen und glücklichenManier scizzirt war. Möge nur sein Preiß hier bes-ser begründet, als anderwärts (in Kunstsachen) seinTadel seyn.

polly ( ). So heißt ein Künstler, der im

-zimLnacti äs ?aris i 8 o 3 . unter der Rubrik derdamals zu Paris lebenden Modellirern und Stuk-katoren erscheint.

*polo (di), der Blumenmaler, hieß Bernärd.Derselbe war aus der Nachbarschaft von Saragossa gebürtig. Seine Bilder sind sehr selten, und wer-den nur in den Sammlungen reicher Liebhaber zuMadrid aufbewahrt; sie stellen Blumen und Früch.te, treu nach der Natur, mir glühenden Farben, saf-tig und frisch dar. FloriUo IV. 337.

* (Diego di>, der ältere, geb. zu Bur-