Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1169
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Primaticcio .

Canouicat von rovo. besaß. Wie er dann mitseinen jungen Gehülfen eine Menge Säle undZimmer zu Fontainebleau verziert, den Hof theilsmit antiken Statuen, theile mit Abgüssen vonsolchen versehen, späterhin Copien derselben in Erznehmen ließ — kurz, wie er für Frankreich , mitAusnahme der Architektur, ein zweyter Inlio Ro-man» geworben, iß bekannt, und auch von fran-zösischen Schriftstellern, wie/elibiei, u. a. dank-bargepriesen worden. Seine von vasari mit Rechtso hoch gelobte Frist von Stucco im Pallaste delTe zu Mantua ist noch vorhanden; minder gewißhingegen, ob auch die dort gewiesenen gemaltenArbeite» wirklich die seinigen seyen. Letztere sindüberhaupt in Italien, und zu Bologna selbst, vonäußerster Seltenheit. In der dortigen großen Ga-lerie Zambeccari verwahrt man von ihm ein Bild,das ein Musikchor von drey weiblichen Figurenvorstellt, woran Alles bezauberk: Formen, Hand-lung, Farbe, der leichte sparsame Faltenwurf undeine gewisse Originalität des Ganzen, die dasAug auf ersten Anblick gewinnt, /.«»sr ll. 2.45 — 4 i> Mehrere gut gesammelte Nachrichten vonprimariccio finden sich dann bey Fiorillo ll.469—86. und III. ic»o. Derselbe stammte auseiner adelichen Familie zu Bologna , und nur seinentschiedener Hang für die bildende Kunst leiteteihn auf seine rühmliche Bahn. Nach Frankreich kam er (genauer gesprochen, als es oben vonLanzi geschah) auf Empfehlung des Herzogs Frie-derich von Mantua , als der König Franz vondiesem einen in der Malerey und Stukkaturar-bcit erfahrenen Künstler verlangte. Umwurde derselbe von dem Monarchen für eine Wei-le wieder nach Rom geschickt, um daselbst Anti-ken aufzukaufen; und es glückte ihm in kurzerZeit, -25 dergleichen zusammenzubringen. (Un-ter dieselben zählt man die berühmte Diana, diesich noch jetzt im Museum Napoleon befindet.Milli» bey Dallarvay I. 221.). Andre ließer durch den Jacob Barozzi de Vignola in GypSabformen. So z. B. den Laocoon und das bron-zene Pferd im Kapitol. (Letzlre Form stand lan-ge im großen Hofe zu Fontainebleau , der daher1a Oour du vüeval blano genannt wurde).Dann die ganze Colonna Trajana. Von Copien inErz zählt VNlUur (v>. scrlpt. des Xcstues desluileriss) den Apoll von Belvederc, den Lao-coon und den Herkules Commodus , für prima-riccio's eigene Arbeit auf. Als Rosso, mit demer sich eben nie gut vertragen konnte*), in i 5 gr.verstorben war, wurde Franz sofort wieder mitseinen gesammelten Schätzen nach Frankreich zurückberufeu. In r 544 - ward er zum konigl.Kammerdiener erhoben, und erhielt dann endlich,neben Andcrm, durch die Gunst von des KönigsMailresse, der Herzogin d'Estampes, die bekannteAbtey Ueberhaupt wurde er (heißt es bey Vs!i-lizia, L)d. ter2. l. Z 5 c>.) für einen der größtenHerren des damaligen französischen Hofes geach-tet, was aber seiner brennenden Liebe zur Kunstund der praktischen Ausübung derselben keinerlei)Einhalt that. »Auch misgönnte man ihm" (sagtwareler) „sein Glück nicht, wegen seiner Frey-gebigkeit gegen die Künstler, welche ihn bey sei-nen Arbeiten unterstützten". Bey dem täglichwachsenden Umfange derselben sah er sich näm-lich genöthigt, verschiedene Gehülfen anzunehmen,unter welchen N. de Abbate der vorzüglichstewar, der nach seinen Zeichnungen eine MengeGemälde ausführte, die bey Lelibien beschriebensind. Unter der Regierung Franz II. erhielt erdie ehrenvolle Stelle eines Oberaufsehers der kö-nigl. Gebäude**), und er selbst entwarf denGrundriß des Schlosses von Meudon , so wie er

Primaticcio. n6g

auch die Zeichnung zu den Grabmälern Franz I. (eben nicht von vorzüglichem Geschmacke) undHeinrich II. gab. Durch ihn wurden in Frankreich (neben der Fresco- und Stukatur-Arbeit) auchdie Glas - und Emailmalerey in Limoge, die Ma-jolica und die Arazzi ungemein vervollkommnet",»primaticcio " (heißt es dann weiter) »hatteviele Erfindung, und colorirte mit Geschmack;seine großen Arbeiten verhinderten ihn aber, dieNatur zu studiren; daher er zuweilen allein derEinbildungskraft folgte, und öfters manierirtward. Die von ihm gezeichneten, und von Ab-hake gemalten Ebentbeucr des Ulysses können nurnoch für die Composition, in van Lhuldenü Sti-chen erkannt werden, da die Galerie selbst, vonwelcher sie die schönste Zierde ausmachten, in17Z—44. mit wahrhaft Hunnischer Karbarey einsgerissen worden. Die rührenden Klagen darübers. in einem Brief von Algarorti an den DoktorIoh. Barrhol. Beccari (l-ettsr. ri^/^arottr VI.x. 12.), der sich mit einem

Intnndum, keccare, jubes renovare dolorsm

anhebt, da er nämlich (l?ij.) noch eben dazukam, wie große abgerißene Stücke einer Wand zuBoden stürzten, und es ihm nur mit größterMühe gelang, den Mäurern etwas Frist abzuge-winnen : »Wahrend welcher es mir vergönntward " (fährt der Edle fort) »noch den Hund zusehn, der, nachdem er den Ulysses berochen hatte,in demselben seinen alten Herrn wieder erkennt;diesen Helden zu bewundern, wie er gegen die irrWeichlichkeit versunkenen Freyer mit Kraft seinenBogen spannt" u. s. f. Hinwieder findet sicheine ausführliche Beschreibung der Deckenge-mälde dieser Galerie, welche Marierre, der dasGanze noch so gut als in seiner Vollkommenheitsah ***), dem I. P Zanorri mittheilte, der solcheseinem (seltenen) treflichen Werke: pirrure drpolle^riiia I'ibaldi ?. r 6 . ot 50g. einverleibthat, so wie sich dieselben bey Liorillo I. 0. p.479 — 84 . wieder abgedruckt finden. Diese Be-schreibung hat noch beyläufig das Verdienstliche,daß Marierre auch die alten Stiche bemerkt,welche uns von diesen verwüsteten Kunstschatzcnnoch übrig geblieben sind. Ebenfalls umständ-liche Nachrichten über diese Galerie befinden sichin: A. IV I? /üe,re Da» >« I'resor des lVIer-veilles de I» IVIsison lisple de Lontaine-blesu. pol. Paris . 6I2. p. iu8 u. ff. Andreähnliche zerstörte Werke unsers Künstlers endlichließ der genannte verdienstvolle Beccari, noch zurrechten Stunde, auf eigene Unkosten durch D.M- Fratta zeichnen, und schenkte diesen Schatzdem Institute zu Bologna Dort sollen sich auchnoch einige Gemälde von Primaticcio finden, undin eben dieser Stadt die Bogen am Gewölbe desPallastes Leoni. Wie innig ihn die Carracciverehrten, s. man das Sonett von Agostmo:

OKI karsi nn buon pittors, cerc» s des!»,

u. s. f. Basan (Ld. seo.) läßt ihn, irrig, 90.I. alt werden. Deutsche Galerien besitzen vonihm unsers Wissens einzig: Die^ Kaisers zuWien: Moses , der den Felsen schlägt, aus derehemaligen Brüßlcrgalerie, Figuren zwey DrittelLebensgröße (p. äscherte,, sc.) Lichtenstein:Magdalcna zu Christi Füßen, Zeichnung; undein Paar Ecizzen aus der Geschichte des Ulysses.Auch das Museum zu Paris hat von seinenStaffeleygemalden einzig: Die Enthaltsamkeitdes Scipio, in Figuren mittlerer Größe, von wel-cher es aber bey Landon XII. 55 . der davoneine Abbildung im Umrisse giebt, heißt.- „DiesesBild ist mehr wegen seiner dürftigen, kraft - und

§

«) Seine Eifersucht gegen Kosso (nach Einigen, wo nicht die Hanptursache, doch die Veranlassung, daß der tzL.nig >b» nach Italien sandte) horte, selbst nach dessen Tode, nicht auf. So ließ e-- - B niedrere d?»Zeichnungen de,leiben au,geführte Bauten unter allerley Verwand niederreißen ^ "

»Eine Stelle'' (heißt es bevwntelet, der bisweilen- nicht bloß den Künstlern- große Wahrheiten taat)»welche me anders als mit Künstlern hatte besetz- werden sollen!" »>--«- yrpcnen ,agt),

"> ) I.orsgu vn s ), («In dentrucrion äs reue vou-k) -lekermini-, eile; ekoient »ussi krsicliss el auzzi liriil-nkos » g» sllss l »voisut «W !! ->ru,»n-

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