aigo Puger.
und Winkelmaaß fand er an der Schneide seinesMeißels. Augenzeugen wollten versichern/ daßein Theil seines Milons fast vollendet dastand/als ein andrer noch nicht ganz ins Grobe ge-hauen war. Seinen Marmor / auch den härte-sten, wußte er zu beleben, und in wahres Fleischzu erweichen, das sich sogar unter seiner Drap-perie wie fühlen ließ Seine Werke waren ebennicht zahlreich; dafür aber kamen sie dem Beß»ten gleich, was die Sculptur auszuweisen hat.Seine Ideen waren immer kühn, die Charaktereedel, die Ausführung männlich. An seiner Zeich-nung wurde, wie wir schon bemerkt, bisweilenmehr Cvrrektheit vermißt; aber das schone Feuer,das ihn belebte, verbunden mit dem lebhaftestenund natürlichsten Ausdrucke, unterschied ihn denndoch zu seinem großen Vortheil vor so vielenAndern, die zwar sehr korrekt, aber dafür auchkalt, wie ihr Marmor und Erz sind. Von sei-nem ungeduldigen und heftigen Charakter wer-den allerley seltsame Züge erzählt. Als einesTags etliche Herren zu Versailles ihn an einerStatüe arbeiten sahen, und darüber allerley dum-mes Zeug schwatzten, nahm er seinen Meißel,und hieb dem Bilde — die Nase ab. Kunstge-nossen von ihm ließ er nur unter entlehntem Na-men in seine Werkstätte kommen. Als einesTages Coyzevox ihn mit einem Freund besuchte,und letztrer unvorsichtig den erstem beym Namennannte, faßte puger diesen beym Arm und stellteihn vor die Thüre mit den Worten: „Was? einso geschickter Mann, wie Herr Coyzevox, kömmteinen Ignoranten zu besuchen, wie ich bin?"Nun folgen bey d'Argensville noch einige Nö-tigen und Urtheile über mehrere seiner Werke inallen drey Gattungen seiner Kunst. Nach seinerZeichnung wurde das General-Hospital, l'Alber«go genannt, zu Genua erbaut; und auf demHauptaltar der dortigen Kirche sieht man eben-falls von ihm ein Grupp, welches die Himmel-fahrt der H. Jungfrau darstellt. Die Figur istschlank und leicht; die Stellung nicht ganznatürlich, was er, eben so wie einen sonderbarenAusdruck gleich Michel-Angelo , bisweilen wiegeflissen suchte. Sein ganzes Talent für Archi-tektur und Sculptur ersah man ferner an demmajestätischen Altar der Kirche von St. Giro;und, wie wir zum Theil schon vernommen, vormehrern italienischen Künstlern wurde er auser-sehen, die beyden herrlichen Statüen in Notre- Dame von Carignan zu meißeln. In dem Pal-laste Balbi zu Genua sieht man von ihm eineMadonna; eine andre mit St. Johann soll sichin der Kapelle eines H. Carega, und ein Grupp,das die Flucht der Helena vorstellt, bey einem. Spinola befinden. Das Oratorium gemeldterladt besitzt seine Statüe der unbefleckten Em-pfängniß, mit einem Engelchor von unvergleich-licher Schönheit. Seine Vaterstadt Marseille hat von ihm an Bauten, nebst den schon genann-ten, die alte Poissoniere von St. Martin, unddie schöne Häuserreihe am Corso und sur le ca-nömer (?). Von Skulpturen, neben dem er-wähnten Basrelief der Pest, die schönen Verzie-rungen über der Rakhhausthüre, die man jedemFremden zeigt. Paris und seine Umgebungenzählten bloß vier Werke seines Meißels: DenGallischen Herkules in dem Garten des Sceaux ;das Basrelief von Alexander und Diogenes , dasdurch die Kühnheit der Arbeit, und das Feuer,welches den Künstler bey derselben belebenmußte, alle Zuschauer dahin reißt, und sie einigeNachlässigkeiten, die daran zu bemerken sind,ganz vergessen macht; die beyden Skulpturen zuVersailles (die schönsten in den dortigen Gärten),nämlich die schon genannten Milon, und Andrv-meoa und Perseus , jener von ibLs., diese von8.j. datirt. Von dem in der Eiche eingezwängtenMilon erzählt man, daß, als solcher vor demKonig und der Königin aufgedeckt wurde, diese
--) Der sonst so strenge Milizia (Kä. ter?.. II. 26in der Architektur «nveschränkres Lob.
Puger.
letzt«: „Ach! der arme Mensch!" aufgeschrieenhabe. Don seinen Gemälden besitzt: Toulon einenSt. Felix in der Kapuzinerkirche, eine Verkündi-gung bey den Dominikanern, und ein uns unbe-kanntes Bild in der Cathedrale; die Jesuiten zuAix hatten von ihm in ihrer Congregation: EineVerkündigung und eine Heimsuchung; Marseille (ehemals in der Kirche de la Majour, jetzt indem dortigen Museum): Die Taufe Constankins,die Taufe Clovis, und besonders einen sehr schö-nen Weltheiland, den man in frühern Tagenmehrmals aus bemeldter Kirche rauben wollte,so daß die dortigen Chorherren das Bild vergit-tern mußten. „Um" (heißt es dann bey d'Ar-gensville am Schlüsse) »pugers Talente indreyen Künsten in wenig Worten zu schildern,muß man erstaunen: Daß ein Bildhauer nochso gut gemalt hat; dann aber bemerken, daß dieBaukunst freylich sein schwächster Theil*), under eigentlich nur wahrhaft groß in der Sculpturwar". Etwas gemäßigter ist der Preiß, welchenwareler unserm Künstler ertheilt. Freylich liestman auch dort: „Vielleicht hat seit Michel An-gelo Keiner das Genie für seine Kunst in so hohemGrade besessen als er; und seine Fehler werdenvon Eigenschaften ausgewogen, welche ihn unterdie kleine Zahl der größten Bildner setzen".Dann aber weiter: »Glücklich, wenn er, wiedie Allen, sich mehr um Correktheit bemühet,und mehr Liebe für die Schönheit empfundenhätte, da nämlich Correktheit, Schönheit undAdel dem plastischen Künstler noch unentbehrli-cher als dem Maler sind, der jene Vorzüge durchden verführerischen Reitz des Helldunkels und derFarbe ersetzen kann". Und namentlich von sei-nem Basrelief, Alexander und Diogenes , ur-theilt wareler, es gebreche demselben an richti-ger Zeichnung und edelm Ausdrucke so sehr, daßes einem Bilde von Jordaens gleiche. Nochscheint dieser Kunstrichter wohl nicht ohne Grundzu vermuthen, daß pugers erste Studien, unterP. Berettini, der Reinheit seines Geschmackswenig zuträglich seyn mochten. Aehnlicheö dach-te /alconer von dem eben erwähnten Kunst-werke, und glaubte überhaupt, Puger habe sichhier an eine Gattung gewagt, welche nicht dieseinige war; obgleich Hiebey nicht zu vergessenseyn dürfte, daß (wie schon oben gedacht) einandres seiner Basreliefs doch von Dernini (nursollte man wissen, welcher Eigenschaft wegen) be-wundert wurde. Daß sich meisterhafte Parthieenan dem erstern befanden, ist wohl außer allemZweifel; und diese waren es denn, welche Dan-drö Lardon zu dem Urtheile leiten: »Der da-ran überall verschwendete Enthusiasm und dasFeuer, mit dem es beseelt ist, sind so verführe-risch, daß man kaum Zeit hat, einige dem Künst-ler entronnene Nachlässigkeiten zu bemerken.Kurz! der Reitz, den das Ganze darbietet, istvon solcher Art, daß er auch die entschlossenst«Critik besänftigen muß". Noch heißt es vonpuger bey de Fontenai: «Derselbe hatte Ge-schmack und Liebe für jede schöne Kunst, undwollte keines Dings unkundig seyn; so halte erz. B. für Verfertigung seines Werkzeuges Nie-mandes vonnöthen, sondern verfertigte Allesselbst. Er verstand sich auf die Musik, sang,und spielte mehrere Instrumente, besonders dieLaute sehr zart. Mit einem gründlichen Verstandbegabt, schien er für Alles fähig zu seyn. Erwar ein redlicher, uneigennütziger und rarhschlä-giger Freund, von unerschütterlicher Rcchtschaftfenheit, und ein Feind aller Verstellung; dabeysehr religiös, und kurz ein Mann, der durch Le-be» und Kunst sich, seiner Familie und seinemVaterland Ehre zu machen suchte. Einige sei-ner so viele Tugenden begleitenden Fehler, seinlebhaftes, ungeduldiges, auffahrendes, colerischesWesen — warum sollte man diese verhehlen?In ganz neuen Lagen (1807.) wurde von der
— 6z.) ertheilt hingegen pugeta grossen Talenten au»