Band 
Zweyter Theil [2].
Seite
1233
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Reinhart.

die Kunst vorzüglich zu Salzdalum, unter demLandschaftsmaler und Gallerieinspektor Busch, lebtealsdann geraume Zelt in Hamburg und Berlin , seitmehrern Jahren (schon um 1796. und noch um i8»o.)zu Hirschberg in Schlesien.Seine Landschaften"(heißt es in Meusel's zJ. B E)sind mehrNachbildungen als sorgfältige Abbildungen " Vonihm werden dort, neben Ander»,, genannt: Zwölfder schönsten Gegenden in Potsdam , welche Zingggestochen hat; dann Ansichten des Riesengebürges,die Schneekuppe in der Gegend von Arnsdorf , dasSchloß Fürstenstein (Sitz der Grafen von Hoch-berg) u. s. f. welche alle, nach seinen Gemälden,in Aaberlifcher Manier kolorirt erschienen sind.Von ihm ist es also, daß wir im Meusel-scher» Arch. II. q. in einem dortigen Aufsätze:Schlesien u. s f. in Betreff der zeichnendenRünsie lesen:Die Berliner-Akademie der Wis-senschaften und Künste sandte vor mehrern Jahreneinen Landschaftsmaler Reinhardt (außerordent-liches Mitglied gedachter Akademie) mit einem klei-nen fixirtcn Gehalte in unser romantisches Riesen-gebürge (wo er Hirschberg zu seinem Wohnortewählte), um die schönsten dortigen Gegenden zuzeichnen,und alljährlich" (heißt es irgendwo)zwey derselben in Oel an sie zu liefern." Essind bereits » 4»8. Bl. in Folio erschienen, dievon D. Bergcr in Berlin gestochen und von Rin Aaberlifcher Manier illuminirt, das Stück füreinen halben Friedrichsd'or verkauft werden, dieaber denen einiger Dresdner -Künstler bey Weitemnicht gleich kommen." Anderwerts liest man, daßdas Heft dieser malerschen Reise durch Schlesien(Royalfol. Leipzig den Saalfeld ), »o. Tb- undsubscriptionsweise 12. fl., und ganz neuerlich wie-der, daß es (bey Salfeld in Berlin , der, wie esscheint, das ganze Unternehmen von H. ReckorBcrger an sich gekauft) 12. Th. (das Heft zu 4 - Bl.)koste, und fortgesetzt werden soll. Ein Dr. Sal-feld war jetzt der Herausgeber, lieferte deutsch undfranzösisch einen kurzen erklärenden Text, und derVerleger hatte die Erlaubniß erhalten, das Werkder Hochsel. Königin von Preußen zuzueignen, waser freylich für ein günstiges Auspicium hielt. Zweygemalte Landschaften von ihm auf dem Berliner-Salon 1800. werden in der Zeitschrift: ksrlin ll.( 5 .) 124. dahin beurtheilt:Der Künstler kopirtdie Natur treu; aber sein Kolorit ist grau und dieAusführung mehr mühsam und ängstlich, alsgeistvoll."

Reinharr (Christian oder Joh. Christian),nicht ssarl, wie es bey Rost ll. 36 o. heißt, Ma-ler, Zeichner und Kupfcretzer, geb. zu Hof imBayreuthischen »76». studirte dort, um Gelehrterzu werden. Als aber seine Lehrer merkten, daßer, aller seiner Fähigkeit ungeachtet, keine wahreTheologie (?), derer sich widmen wollte, hegte, son-dern vielmehr zur bildenden Kunst, so riech ihmeiner derselben (der jezige Generalsuperindent Kappzu Bayreuth ), sich der Zeichuungskunst besonderszu befleißigen. Er gieng deshalb in 1778. nachLeipzig , wo er zwar nebenher, um ein Brodtstu-dium zu haben, noch immer Theologie siudirte;trieb aber dort unter Oesern mit außerordentlichemFleiße Zeichnen und Malen, begab sich dann füreinige Zeit nach Dresden und studirte auch daselbstauf der Kunstakademie und Gallerte. Hierauf nahmsich der Herzog von Sachscu-Meiningen des jungenKünstlers an, suchte durch Unterstützung sein Ta-lent immer mehr zu entwickeln, ließ ihn in seineResidenz kommen und übertrug ihm verschiedeneArbeiten, die er zu seiner Ehre ausführte. Ueber-häuft mit Wohlthaten von diesem Beschützer derKünste, gieng er jetzt (1789.) auf Kosten des Mark-grafen von Ansbach-Bayreuth , seines Landes-herr« , nach Rom , und vervollkommnete sich dortvollends. Meusel's A A. L. Von ihm heißtes dann in Fernovo's Sirren- und Rulrur-gemalde von Rom (S. 260-61.)Reinharrbehauptet, in mehrern Theilen seines Faches, einenhohen Rang unter den Bcßten. In gründlichem

Reinhart. iszz

Studium hat ihn vielleicht nie einer übertroffcn.Alle Gegenstände der landschaftlichen Natur sindin seinen Gemälden überall charakteristisch und mitder größten Sicherheit ausgedrückt Sein Ver-trag im Zeichnen ist geistvoll und kräftig; selbstseine Studien sind nie bloß flüchtige Skizzen, son-dern vollendete Gemälde oder ausgeführte Zeich-nungen. Mit derselben Gründlichkeit, wie die Land-schaft, hat er die Anatomie und den Charakter derThiere studirt. Seine radirten Blatter sind bekanntgenug. Reben diesen praktischen Künstlerverdien-sien besitzt er das Talent der Erfindung in einemhohen Grade. Seine Kompositionen sind reich,in einem großen Style gedacht und voll poetischerSchönheiten. Er hat die Werke der größten Mei-ster in seinem Fache studirt, ohne sie nachzuah-men. Ungeachtet er bisher mehr radirt als gemalthat, lassen seine Originalgemälde wenig zu wün-schen übrig. Einzig wollen zum Theil Einige da,ria zu viel Bestimmtheit des Details in den ent-fernten Gegenständen finden."Wenn" (wird inMeusel's Archiv ll. ». »36 aus Veranlassungder eben erwähnten Kritik, vielleicht sehr richtig,hinzugefügt)dieser Tadel wirklich begründet ist,so liegt der Grund wohl darin, daß der Künstlerbisher mehr Studien nach der Natur als ausge-führte Gemälde gemacht, und es wird ihm leichtseyn, den ihm vorgeworfenen Fehler, der auseinem noch nicht zur Uebereinstimmung mit sichselbst gelangten Streben nach Vollkommenheit (?)entspringt, abzulegen. Es wäre zu wünschen,daß alle Künstler seines Fachs eine Zeitlang die-ses Fehlers zu beschuldigen wären, daß sie näm-lich immer auf dem Wege der strengsten Bestimmt-heit des Details zur Harmonie des Ganzen fort-schritten." Auch in der Schrift: Winkelmannu. s. Jahrh. S. 344 - lesen wir von ihm:MitNaturgaben reich ausgestattet, bildete er sich durchfleißiges Naturstudium zu einem treflichen Land-schaftsmaler. Wenn unparteyiscbe Kunstrichrecauch dem Urtheil einiger zu günstig gesinntenFreunde, welche ihn Hackert vorziehen wollen,im Ganzen nicht beytreten können, so ist doch we-nigstens nicht zu längnen, daß Reinhart's Ar-beiten ungemein schätzbar sind. Sein Hauptverrdienst besteht im Charakteristischen; Baum-, Blät-ter und Stämme, Steine, Felsen rc. sind mannig-faltig verschieden, mit männlich freyem Pinsel be-handelt, und führe» durchaus das Gepräge derWahrheit; oft staffirt er mit wohl gezeichnetemVieh, und ist auch selbst in menschlichen Figurengeschickter, als Landschaftsmaler gewöhnlich zuseyn pflegen. Eingeschränkte Gegenstände scheinenseinem Talent am beßten zu entsprechen; dahersind einzelne, wie Studien nach der Natur gezeich-net« oder gemalte Partien höchst löblich; weitläu-figern Werken fehlt es hingegen öfter an sanfterAbstuffung der Töne. Auch wissen wir von Rein-harr's Bildern keines anzufichren, welches vonSeiten der Erfindung sehr vorzügliche Eigenschaf-ten hätte." Dieser geschickte Künstler lebte noch1810. in Rom , wo er auch wahrscheinlich (undwo seliger!) seine Tage beschließen wird, und ar-beitete dort unermüdet und mit immer wachsen-dem Ruhme. Von seinen treflich geetzten Blätternnennt Mensel I. c. eine Folge von Hunden undRindvieh, nach der Natur gezeichnet und geetzt.Dann 24. («. 6 . 18.) große radirte LandschaftenItaliens , mit Ruinen u. s. f. zu dein, in Gesell-schaft mit Dies und Mechau in zwölf Heften(jedes von 6. Bl.) in gr. Queerfol. ä 24. Lh.das einzelne Blatt zu »6. Gr. bey Frauenholz er-schienenen Werke. Ferner 6. kleine Ruinen, meistvon antiken Gräbern (1792.). Das Verzeichnißderselben s. bey winkler, wo von ihm auch einBlatt nach Evcrdingen angezeigt ist. tdach ihm ge-stochen hat Prestel in seiner bekannten Manier einegroße Landschaft (Gegend um Sachsen -Meinungen)mit schönen Eichen, Wasser und Dich; ein Blatt,welches braun » 3 . Livr. und kolorirt 48. Livr.kostete. (In prestel's Katalog wird er irrigE- Reinhard genannt). Als sein neuestes GvSssssss 2