Rembrandr.
wölken, und eines allegorischen Bildes, in wel-chem Sieger gekrönt werden. Von Gattungsstüsckene Den lesenden Philosoph. Von Bildnissen7., darunter diejenigen von Hugo Grotius unddessen Gemahlin; dann des Künstlers eigenes;und, was uns vollends von ihm — als etwas ächtMenschliches — am meisten anspricht, ein Fami,lienbild: Er, seine Frau und drey Kinder. EinMädchen bringt der Mutter einen Blumenkorb,und — man denke! Rembrand selbst halt eineBlume in der Hand. — jDommerefelden: DiePythoniße zeigt Saul den Schatten Samuels;Petrus am Feuer; der in einem Buch studirendeSt. Paul, und St. Cäcilia auf einem Instrumentespielend. Von Bildnissen 4., unter denen sein ei-genes. Ebenfalls ein solches sah' man noch 1782.in der Sammlung von Malcrbildnissen des GrafenF. Lact. von Firmian, auf dem Schlosse Leopolds-kron bey Salzburg. Don der großen Seltenheit einesidealisch schönen Frauenbildes, im Besitze deseines solchen Schatzes würdigen Dr. Deneke inBremen , giebt er selbst im Tüb. Lssiorgenbl. 1810.S. 833 — 3 /,. eine sehr darstellende Beschreibung.Noch ertheilen dann Descamps (l. c. 96 — 99.)u. a. das Derzeichniß von einer Menge Rembrand -tischer Bilder, die sich einst in französischen, hol-ländischen u. a. Privatkabinetten befanden, als:Acosta, d'Argenson, Blondel de Gagny, de laBouepiere, Braamkamp, van Bremen , de Choiseul ,Gaignat, Jsenghian, de Julienne, van der Lin-den van Slingelandt, de Laßay, de la Live deJuly, le Lormier, Prinz Carl von Lothringen,Prinz Monaco , d'Orleans, Pasquier, van Slinrgelandt, le Veaup, de Vence, Verscheuring, deVoyer, Graf Wassenaer, da es freylich interessantgenug wäre, zu wissen, wo alle diese Schätze hin-gcrathen sind. Hier bemerken wir nur: Daß diebeyden Philosophen im französischen Museum (cet.24. gemalt- einst im Kabinet de Vence standen;daß der Marquis de Voyer eines seiner großen Bil-der, die Verlangnung Petri, und der H. de Gaig-nat das köstlich vollendete einer ihr Kind stillendenFrau besaß. Aus dem Kabinette Gagny wurdenoch vor Zo. Jahren ein Vertumnus und Pomona(Descamps stellt ein dergleichen Bild ins Kabi-net de Baßay) von Paul um 10,700. Livres ver-kauft. — In der Gallerie d'Hermitage zu Sr- Pe-tersburg befinden sich, neben Anderm, von ihm:Das Opfer Abrahams , einst im Besitze von Ro bert Walpole ; dann eine H. Familie (der Schau-platz: Die Werkstätte eines Niederländischen —Schreiners!)
Und nun Rembrandr der Kupferetzer: „DenBegriff seines unnachahmlichen Colorits" (heißtes bey Descamps l. c. 94—96.) „wußte er sogarin seine Blätter zu bringen. Seine Bildnisse zumaletzte er mit demselben Verstände, womit er solchegemalt halte. Jeder Nadelzug war geistreich undstellte wieder seinen Pinselzug dar. Besser dieWirkung des Helldunkels zu geben, ist auch hierunmöglich. Welcher Geschmack und welche Leich-tigkeit in seinen Kreuzschatten, so gut wie in denUmrissen; man sollte denken, daß das Alles sehrgeschwind zugieng, und ihn wenig Mühe kostete.Nie wollte er in Jemandes Gegenwart etzen; seinGeheimniß hierüber war ein Schatz; und wir wis-sen ja, wie er seine Schätze liebte. So erfuhr manniemals, wie er seine Platten anfieug, noch wieer solche endigte. Einzig weiß man, daß er gleichnach den Umrissen und geringer Schatkirung Prob-drncke ziehen ließ. Dann deckte er die Platte wie-der mit Firniß, arbeitete das Mehrere darein, undwiederholte dieß noch drey bis viermal. War einePlatte abgenutzt, so schliff er die Schatten weg,und brachte dann auf diese Stellen die Lichter an,was ihm aber nicht immer gelang; daher dann vieleAbdrücke seiner Blatter graulicht aussetzn, undder Schwarzkunst ähneln. Außer bey Bildnissenzeichnete er nie durch, sondern sofort auf die Plane.Alsdann legte er die Fülle seiner Schatten an, undgrub sich mit seinen Schrafirungen in die Krcuz-
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und Querre hinein, bis es genug war. Die kalteNadel war ihm von großer Hülfe, um das Ganzezu einigen und zu verschmelzen." Doch vielleichtnoch besser sagtwareler, indem er übrigens Des-camps Urtheile beypflichtet: »Man sucht dieProzedur bey seiner Etzkunst auf; sie ist nicht schwerzu finden, und besteht bloß in seiner — wunderba-ren Bimst, welche freylich ein undurchdringlichesGeheimniß ist. Bisweilen brachte sogar eine glück-liche Ungeschicktheit, seine Nadel zu schleifen undzu führen, Töne hervor, die ungemein malerischsind. Von Zeit zu Zeit, doch selten, und nur wieverstohlen, machte er auch von dem GrabstichelGebrauch, nicht um damit zu glänzen, sondernbloß um einige neue Töne zu erzielen, die sich nichtanders finden ließen. So z. B. in seiner Abnahmevom Kreuz. Einige seiner Etzarbeiten sind zwarganz grob, aber deswegen nicht minder voll Geist.So seine Darstellung im Tempel. Sein Hundert-guldenblatt (Christus, der die Kranken heilt), unddie verschiednen Veränderungen die er damit vor-genommen hat, kläre» übrigens seine manigfachenHandgriffe hinreichend auf; dort, und auchander-werts, scheint er sich einige Miktcltinten dadurchverschafft zu haben, daß er an etliche StellenScheidwasser auf das nackte Kupfer brachte. Dannsieht man wieder Köpfe von ihm, welche ganz mitder kalten Nadel gearbeitet sind, wie das berühmteBildniß des Banquiers Virenbogaards, und das,jenige des Bürgermeisters Six. Den Beweis hie-ven giebt ein Probedruck von dem erster» im Pari,serkabinet, mit dem bloßen Umrisse, der selbstbloß mit der kalten Nadel geführt ist. Aber sogroß auch das Verdienst solcher Blätter von letzter-wähnter Art ist, welche bald der Tuschmanier,bald der Schwarzkunst gleichen, so glauben wirdoch, seine eigentlich und ganz geetzten Köpfe fürseine Meisterstücke erklären zu müßen". Auch Rost(V. 4 — 6.) drückt sich hierüber sehr gut aus:„ Rembrandr« freyschweifende Nadel wirft ket,neu Zug ohne volle Wirkung hin; die malerscheUnordnung, mit der dieß geschieht, ist gerade dieHauptursache der Wärme, Harmonie und reißen-den Wirkung, die in seinen Blattern herrschen.Ganz eigen glückte es ihm, die verschiedenen Alter,die Zeuge, das Pelzwerk, die Metalle u. s. f. jedesin seinem wahren Charakter darzustellen. SeineWeise, Licht und Schatten zu veispendcn, ist ge,wöhnlich wunderschön; oder freylich in mehrernseiner Blätter läßt er das Schwarze so vorherr-schend seyn, daß alle Wirkung verdorben wird,und man fast daraus schließen dürfte, daß er garkeine Regel befolgt habe. Die Ausführungseiner Blätter ist ihm vollkommen eigen; bald ganzroh, bald wieder äußerst vollendet; seine Schrafrfüren haben keinerlei) regelmäßige Ordnung, undkreuzen sich auf alle Weise; aber eben aus dieseranscheinenden Verwirrung geht ihre pikanteste Wir,kling hervor." Und Nil » noch etwas, neben dembereits hicvon auch im Lex. Erzählten, über denempörenden Mißbrauch, welchen Rembrandt auchvon dieser seiner schönen Kunst machte. Nichtbloß ließ er halb vollendete Blätter verkaufen, gabihnen nachher mehrere Vollendung, verkaufte sieaufs neue; brachte, wenn die Platte halb ausge,nutzt war, einige unbedeutende Veränderungendarin an, und verwackelte solche zum drittenmal;sondern seine schamlose Habsucht gieng so weit,daß er selbst die Versteigerungen besuchte, und denPreis seiner eigenen Blatter in die Höhe trieb,und ei» andermal solche durch seinen Sohn so ver-kaufen ließ, als ob es in Geheim geschehe, under sie dem Vater gestohlen hätte.
Die beßte Litteratur der von itzm selbst gestoche-nen Blätter, fand sich ehemals in den bekanntenVerzeichnissen der beyden großen Kenner: Ger,sainr's zu Paris und P. Iver's zu Amsterdam .Aber ein so unendlich reicher Stoff war noch nichterschöpft, ass A.Barrsch zu Wien uns auch hier-über ein Werk lieferte, welches nichts weiter znwünschen übrig läßt *). Einen treflichcn Auszug
kormsnt l'aeavre äs Keinbranät et ceux äs 8e, piinci-
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