Band 
Zweyter Theil [2].
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1240
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1240 Rembrandt .

und nichts als Wahrheit spricht:Die Werkedieses außerordentlichen Mannes" (sagt er IV.22Z 25.) «zeigen was angebornes Genie zu lei-sten vermag, wenn es auch die wahre Richtung aufdie edelsten Theile der bildenden Kunst verfehlt hat.Meistens mit mehr sonderbarer und origineller alswahrscheinlicher Wahl in der Erfindung historischerGegenstände, ganz ohne ein auch nur scheinbaresGefühl für gute und schone Verhältnisse bey mensch-lichen Formen, und mit einer eigensinnigen Be-harrlichkeit, fast immerhin gegen das Costum zusündigen, hat dieser in seiner Art einzige Künst-ler Werke geliefert, die seit bald anderthalbJahrhunderten noch immer von Kennern bewundertwerden. So viel Reiz hat eine getreue Nachah-mung der gemeinen, und selbst der übelgcwählkenNatur, wenn nämlich diese Nachahmung mit star-kem Wahrheitsgefühl, mit Geist, warmer Einbil-dungskraft und Leichtigkeit ausgeführt ist. Diesesinnige Wahrheitsgesühl, nebst einer lebhaften war-men Einbildungskraft, besaß Rembraud im höch-sten Grade. Seine Erziehung unter der gemeinenund größtentheils niedrigen schwerfälligen Volks-klasse seines Landes, und seine ersten Studien nachder Natur, in einer Wohnung, wo nach Landsge-brauch das Licht nur durch kleine Oefnungen ein-fallen konnte, und daher weit auffallendere undsonderbarere Wirkungen, als bey vollem Scheineverursachen mußte, scheinen von den Hauptursachengewesen zu seyn, daß er seine Aufmerksamkeit weitmehr auf die Effekte des Lichts und der Farben,als auf die Zeichnung der Formen richtete, sozwar, daß er letztre (die Köpfe ausgenommen) alseinen bloß konventionel nöthigen Theil der Kunstbetrachtete, daher auch an allen seinen Figurennur die Köpfe gut gezeichnet, alle übrigen Theileaber ohne Richtigkeit und ganz vernachläßigt sind.Seine meisten historischen Gegenstände stellte er,fast so wie ehmals Lukas von Leiden, als in seinemZeitalter geschehen, vor, und zwar immer in einemKostüm das weder alt noch neu war, welches ernach Laune und Convenienz selbst erfand. Darumsind seine Personen immer gemein, oft ohne histo-rische Anständigkeit, ohne feine Charaktere, undder gemüthliche Ausdruck zwar ausnehmend wahr,aber meistens von niedriger Art. Hingegen ist dasMalerische seiner Anordnungen mit außerordentli-chem Verstand für eine, bald starke, bald ange-nehme Wirkung des Lichts und Helldunkels über-dacht, in welchem Theile der Kunst er einzig inseiner Art genannt werden kann. Tizian und Dan-dyk ausgenommen, har meines Trachtens keinMaler die Farbe der Natur in allen möglichen Ab-stufungen so genau ergründet, in einem so hohenGrad von Wahrheit nachgeahmt, und die Verträg-lichkeit der verschiednen Arten derselben neben undunter einander so'gründlich wie Rembrandt ge-kannt; besonders sind seine Köpfe fast ganz Natur,und mit einem ihm völlig eignen ungemein starkwirkenden Vertrag, oft zum Erstaunen dargestellt".Wie hoch seine Bilder noch in neuesten Tagen ge-schätzt wurden, mag zum Beyspiel dienen, daßerst noch in 1801. das sogenannte Bildniß vonRembrandt « vergulder aus dem Kabinet vanHelsleuter zu Amsterdam , in Paris bis auf 5 oo 5 .Fr. gesteigert wurde.

Im Französischen Museum finden sich von ihmunsers Wissens von Kapitalwerken einzigDerschon oben von TaiUasson bemerkte Tobias undseine Familie, und die beyden Philosophen, vonwelchem der eine: en Lcrutemplstlon, der andre:en Ueäitatlon rubrizirt wird; alle drey indessenbloß kleine Bilder, das erstre von 2< Höhe, und

6" Breite, die beyden andern von Höhe, undi 5 " Breite, welche aber in diesem kleinen Raummehr Geist, als sonst ganze Wände von übrigensauch nicht gemeinen Künstlern in sich fassen. Danndie Jünger von Emaus; das lebensgroße Brust-bild des Evangelisten Matthäus mit dem ihm zu-gethanen Engel, ohne welchen man den erster» füreinen groben Bauer (freylich den Kopf mit demvon Rembrandt so oft beliebten Turban bedeckt)

Rembrandt .

halten würde; ferner: Der Haushalt eines Tisch-lers; und endlich etliche Männer- und ein Weiber-bildniß, von welchen zwey ihn selbst darstellen,alle in natürlicher Größe, unter denen besondersder alte Mannskvpf mit gefallenen Händen, wel-cher ehemals im Ballaste Pitti zu Florenz stand,ganz vortreflich seyn soll. Dann der gute Samari-ter , der wahrscheinlich ebenfalls erst in neuernTagen nach Frankreich gekommen ist, so wie dießzuversichtlich der Fall mit dem Gefangenen ist, derseinem in den Kerker schauenden Vater (einemHerzoge von Geldern) mit der Faust droht, einemBilde das wahrscheinlich aus Holland herrührt,und in 1807. nebst so viel andern französischen Kunsteroberungcn öffentlich ausgestellt wurde, undwovon es in dem Tüb.Morgenbl. 1807. S. 1045.heißt:Die Franzosen sind von der Kühnheit undKraft desselben so ergriffen, daß sie gestehen, siehätten Rembrandt noch gar nicht gekannt". (Derdeutsche G. F. Schmidt soll es seiner Zeit gestochenhaben). Welche große Schätze von unserm Künst-ler sich in England befinden, wird unten am Beßtenaus der Anzeige der vorzüglichsten Blätter von Eng­ lischen Stechern nach ihm erhellen. In Italien kennen wir von ihm lediglich einige Bildnisse, dar-unter sein eignes in der Gallerie zu Florenz ; einststand von ihm zu Venedig , in der Gallerie Smith,eine Abnahme vom Kreuz. In Deutschland hatdie Kaiser!. Gallerie zu Wien : Einen St. Paulvor einem Tische, auf dem ein offenes Buch liegt,mit der Feder in der Hand, ein hohes Schwerölan der Wand, mit ii) 36 . datirt, 4 ' hoch, ^ 5 "breit; dann 8. lebensgroße Bildnisse, darunterzwey sein eigenes, und das seiner Mutter, vierandre männliche, und ein weibliches; überdießnoch ein kleineres männliches, mit einem Blumen-kränze von Seghers. Diejenige von Lichren-siein 5 . große und 4. kleine Männerbildnisse, 1.kleines Frauenbildniß, einen lebensgroßen Kopfvon St. Magdalena, und die Seltenheit einesrunden Glases von R mit einem Ecce Homobemalt. Die Gras Schönbornsche zu Wien :Samson durch Verrath der Delila von den Phili-stern überwältigt. Die Münchner -Gallerie,von Geschichtlichem eine H. Familie in lebensgros-sen Figuren; dann: Abraham verstößt Hagar ,Christus lehrt im Tempel, und die Wächter amGrabe, alle drey kleine Bilder. Ueberdieß 8. le-bensgroße Bildnisse, darunter ein weibliches.Die Schleishei'mer: Et. Hieronymus, auf Ku-pfer, klein, und 3 . lebensgroße Bildnisse, darun-ter i. Knabe. Die Dresdner , neben n. le-bensgroßen Bildnissen, darunter sein eigenes, unddrey weibliche, sein Opfer Manoah's, eines seinerHauptwerke, und zugleich von bey ihm ungewöhn-licher Größe (i«v Breite und 8^ 7" Höhe). ,,Alles"(heißt es bey Hagedorn),was diesem wunder-schönen Bilde an Adel der Composition abgehenmag, wird durch den naiven Ausdruck der Charak-tere, den kühnen Pinselzug, und den herrlichstenFarbenton reichlich ersetzt". Dann das Fest desAhasverus von 3 " Breite und 4^ b" Höhe, undendlich der von Jupiter, unter der Gestalt einesAdlers, entführte Ganymed von 6^ 2 fr" Höhe,und 4^ 6 j'r" Breite. David und Bathseba, einPhilosoph und zwey Bildnisse, einst in der GallerieBrühl . Die Düsseldorfer-Gallerie hatte dieGeburt, die Beschneidung, die Kreuzigung, dieAbnehmung vom Kreuze, die Grablegung, dieAuferstehung und Himmelfahrt, lauter kleine, 2^9" hohe, und 2^4" breite Bilder; dann ein Frauen-und zwey Männerbildnisse, in Lebensgröße, dar-unter des Künstlers eigenes. Salzdahlum be-saß einst einen grotzen Reichthum RembrandtscherBilder; im historischen Fache freylich lauter klei-nes : David spielt die Harfe vor Gaul; der Engelbietet sich dem Tobias zum Reisegefährten seinesSohns dar (die Mutter sitzt am Spinnrad); eineRuhe auf der Flucht nach EgYpten; die Beschnei-dung; eine Grablegung; der Heiland erscheintMagdalenen als Gärtner. Dann (von Rembrandt )die Seltenheiten einer Landschaft mit Gewitter»