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Locht», die ihren alten Vater im Gefängnisse säugt,verdient gleich dem der Maria von Medicis desRubens als schönes Beyspiel eines aus zwey ver-schiedenen Affekten zusammengesetzten Ausdrucksangeführt zu werden. Dasselbe ist aus der Zeit, woGuido noch die Farbe des Caravaggio, aber alsMeister nachahmte; die Farben sind weniger hartals Merigi's, und geben sehr künstliche Wider-scheine. — Auch sein betender St. Franciscus laßtin Absicht auf die Anlage der Scene, die Schönheitder Färbung und die Richtigkeit der Zeichnungnichts zu wünschen übrig. — Eben so haben diegrößere und kleinere Magdalena (jene, eine Halb-figur; diese, unter dem Kreuze, ein kleines Cabinet-siück) alles Verdienst, was man von einem Gegen-stand erwarten kann, der sich so gut für Guidoschickte. — Der Kopf des dornengekrönten Christusist von seiner beßten Zeit und größten Stärke, inZeichnung, Ausdruck und Farbe. — Die Flucht(g. K. Ruhe) in Egypten (ein kleines Bild) ist eben-falls gut gezeichnet und drappirt; aber die Färbungfällt an mehrern Stellen ins Schwarze, und störtso die Harmonie des Ganzen. — Die beyden Mariendie Rächerinnen genannt endlich (nicht die beydenMagdalenen, wie es bey Hepdenreich heißt) sindaufs Feinste gezeichnet, und von» angenehmstenAusdruck; indem man sie bewundert, empfindetman ordentlich eine innerliche Ruhe. *) — Nochnennt dann Lands» in seinen Annalen **), nebendiesen folgende: David, Ueberwinder des Goliaths,noch aus der Zeit, wo Guido der Manier desCaravaggio folgte; das Nackte richtig genug ge,zeichnet, aber der Kopf ohneÄusdruck, die Stellungaffektirt, und höchst seltsam costumirt; kurz „einBild" (heißt es hier), »das zu der Zeit, als dieFranzösische Schule in ihrem Verfalle war, dievorzüglichsten Theile der Kunst verachtete, und dieSchönheit nur in der schönen Führung des Pinselssuchte, mit übertriebenem Beyfall beehrt wurde." —Eine Verkündigung Mariä (einst bey den Carme-litern zu Paris , jetzt im Museum!; einfach com-ponirt, voll Anmuth und Adel, richtig und reingezeichnet, vortreflich colorirt, ein unnachahmlichesBild von Sanfcmuth, Demuth und Bescheidenheit.Nur die Bildung des Engels ist nicht ganz glücklich,und die Färbung seiner Figur zu schwach. — Derunschuldigen Kinder Mord, ein ganz vorkreflichesBild (aus St. Dominic zu Bologna ), und das frey-lich, wie mehrere von G. Werken, beweist, daß dieserMaler der Grazie immer besorgte, durch allzustarken Ausdruck der Schönheit zu schaden. — EineH. Familie, wo Johannes dem ihm segnendenKinde die Füße küßt, mit der edelsten Einfalt be-handelt. — Eine zweyte (aus einer Kirche zu Mo-den») der Schlummer des Kindes Jesu genannt, einbloß » 4 " hohes, und »o" breites, aber allerliebstesBild von 8 Figuren, an dem inan einzig noch et-was edlere Formen, und leichtere Schatten findenmöchte. — Eine dritte (einst Altarblatt in derHauptkirche zu Pesaro ): Madonna mit dem Kindin den Wolken, unten St. Hieronymus und St.Thomas. — Christus und die Samariterin; dieKöpfe überaus edel, schöne Hände, aber etwasschwacher Ausdruck. Bey Erwähnung dieses Bil-des sagt Lands», vielleicht richtig, nur hier nichtan seiner Stelle: »So vortreflich Guido's einzelneFiguren fast immer sind, so selten ist er in seinengrößern historischen Compositionen ohne Tadel Oftvermißt man die Uebereinstimmung aller Theile zuEiner Handlung, Gruppirung u. s. f. kurz manchesErfoderniß, wodurch ein großes Gemälde zu einemschönen Garnen wird." — Christus im Garten, einkleines, aber vorkrefliches Bild, besonders für denAusdruck der Hauptfigur. — Marter von St. Peter,aus der Gallerie des Vaticans reinst bey St. Paulalle tre Fontäne, und bey St Peter in Mosaik ge-bracht), ein gräßliches Bild, das man deswegen
2 ) Alle eben angeführten sind watetet'« Urtheile. D
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nicht minder für eine der vornehmsten Kunsterobe-rungen aus Italien hält. — St. Roch im Gefäng-nisse (aus dein Herzog!. Pallaste zu Modena ); dieHauptfigur wahrhaft akademisch, der tröstendeEngel etwas steif. — St. Sebastian, einzelne Figur,wahrscheinlich aus der Zeit, da Guido von Cara-vaggio's Manier zu seiner eigene» übergieng, wasdann jenen eben zu seinem bittersten Feind machte.Lands» glaubt, aus diesem Bild erhelle vielleichtam beßten, wie viel oder wenig der Künstler in derZeichnung vermochte. — Raub der Helena (vormalsin der Gallerie Penthievre). Lands» nennt es eineOvernscene, bey welcher die Kammerfrauen derHeldin das Schönste seyen; in der Ausführung frey-lich von trefllcher Harmonie. — Das unstäte Glück,das ein Genius — vergebens bey den Haaren zu-rückhalten will, von sehr reiner Zeichnung und gra-ziösem Pinsel (aus der Gallerie des Capitals). Ineinem andern Verzeichnisse der aus Italien nachFrankreich gewanderten Bilder von Guido (Fio-r,Us l. c. 556.) finden sich noch, neben obigen: DieHH. Beschützer von Bologna ; Hiob , wie er zuseinem Vermögen kömmt, aus St. Dominic daselbst;die Reinigung Mariä aus Modena ; ein Christ amKreuze; Christus, dem St. Peter die Schlüssel über-giebt, auS Fano . — Endlich wird noch anderöwoJesus und Johann der Täufer genannt. — Nochbefand sich ü» Frankreich einst eines von Guido'sschönsten Werken (wahrscheinlich das von Freygestochene): Bacchus und Ariadne , von über so«Figuren, ursprünglich für den König von Englandgemalt, späterhin im Besitz des Ober-Finanz-Jn-rendanten Emery. Nach dem Tode desselben wurdees von seiner Wittwe, der vielen Nuditaten wegen,vernichtet. Lands» A»n. ll. 55.
Und nun von deutschen Gallerten besitzen : Wien 9 . Bilder: Sybille im Nachdenken, Mariä Reini gung (ich hoch, ch 7 ^ breit), Christus im Jordangetauft, die vier Jahrszeiten, St. Magdalena inAndacht, dieselbe mit dcr Dornenkrone, den reuendenPetrus, Maria betet das schlafende Kind an, undSt. Johann den Täufer als Jüngling; lauter lebens-große Bilder. — Lichrenstein 17 . Zwey Johannden Läufer, eine Flucht in Egypten, in Guercino'S Geschmack — ein über dem Kreuz schlafendes Kind,eine Sibylle, einen Bacchus der Trauben preßt.Dann die Anbetung der Hirten, ein ich hohes undich breites Hauptbild von Guido, das Ganze vondreyerley Lichtern, die von dem Kinde, einer Glorieund einer Fackel ausgehn, beleuchtet. Ferner:Susanna mit den Alten, Bacchus und Ariadne ,einen Frauenkopf mit gen Himmel gerichtetem Blick(eine Zeichnung), St. Magdalena mit dem Salb-geschirr in der Hand; eine ähnliche; Ariadne imSchlummer von zwey Amorinen bewacht; St. Hie-ronymus in der Wüste; eine Charitas mit drey Kin-dern, einen Amorin der sich an Blumen ergötzt; einenSt. Johann in der Wüste in Betrachtung vertieft,ein vorkrefliches Bild. — München 7 . Ein EccsHomo, einen St. Hieronymus in der Wüste, dasGlück (gerade die Vorstellung, die sich auch zu Paris befindet), Christus nach der Geisselung, St. Johannden Evangelist, schreibt in ein Buch, Apoll undMarsyas ; St.Bruno im Gebet, »einMeisterstück"(sagt Männlich) »von Größe des Gedankens, er-habenem Ausdruck, richtiger Zeichnung, Kraft undWahrheit der Färbung— Schleishenn 8 . Ju-dith enthauptet den Holofernes, eine büßende Mag-dalena, St. Franz Seraphicus im Gebet, Venusläßt sich von ihren Gefährtinnen schmücken, denjungen Bacchus bey einer Tonne, das Kind Herkuleserwürgt die Schlange; dann Apoll und Marsyas ,und die Gelegenheit mit dem Liebesgott« (wahr-scheinlich die schon genannten, jetzt in München ). -Einst Düsseldorf Z. Eine große Himmelfahrt Mariä indes Künstlers letzten Manier, einen St.Peter, und ein nacktes Kind, dav mit einem Vögel-
nächstfvlgenden Lands»'«.
««)Vl. 56. V. ,07. XIV.-;. VI. y;. XII. izz. XII.-». III. zz. XII. 5 r. VII. iya. XI. iz. XII. 77.xi. 105. v>il. 71. wo man auch die Abbildungen im Umrisse siebet, so wie von denjenigen, welcke obenV. atelet anführt >. c. I i-g- >66 ll. ;z. lt>. 8z- 87 - IX. 4;. tig. X.-;. XV. »H. Einji-die Chg-rnas und die beyden Rächerinnen finden sich nicht bey ihm.