r ?64 Reynolds.
Schmucke beymessen, den ihnen niemand streitigmacht. Die darin enthaltenen Grundsätze nämlichfind, bey dem unbestimmten Vertrag derselben,und bey den irrigen Beyspielen die er anführt,nicht selten der größten Mißdeutungen fähig, undscheinen wirklich der Saame jenes falschen Ge-schmackes gewesen zu seyn, der schon mehr alseinen jungen Künstler verführt, und sich besondersüber einen Theil der Englischen Schule verbreitethat *). Für das beßte seiner litterarischen Pro-dukte hält dagegen Fiorillo die Reisebemerkungen,welche er bey seiner letzten artistischen Exkursionaufs feste Land, in Flandern und Holland , nieder-geschrieben hatte; denn obgleich diese Reise nurzwey Monathe gedauert hat, so brachte er doch sogroße Vorkenntnisse mit, daß man in seinen Ur-theilen überall den Meister erkennt. Diese Notitzensind um so viel interessanter, da seither durch dieRevolution so manches, was er damals an Ortund Stelle sah, durch alle Welt zerstreut wurde.Und endlich kennt man von ihm Anmerkungen,welche er zu Mason's englischer Uebersetzung vondu Fresnoy's Gedicht über die Malerey reichlichmittheilte. Alle dieses findet sich vereinigt, als(freylich die beßte) Beygäbe zu Edmund walo-ne's ausführlicher, aber ermüdend weitschweifigerBiographie unsers Künstlers. Von desselben Aus-bildung findet man darin nichts. Desto ausführ-licher ist der Verf. in der Angabe, wie viel seinLeichenbegängniß gekostet habe, und die Küchen-zettel zu den Schmausereyen in keicesterfields, wosich R Freunde versammelten. Mit diesem Werkevergleiche man: 7 K. Verses c>n dir
Aosünak psinteä Windows r>t Xevv-
4 - Oxford 782. Ferner die biographi-schen Nachrichten in: Oentlemnn'8 hla^gLiue.'s. KXII. ?. K p. igo. (1792.); und ebendas. p.273 . 58 v. 38 i. »200. — 1 'e 8 limc>nies to tbe Ge-nius and Memory of dir
Ebendas. I'. I.XI V. ?. l. p. 447. 0794 -) -- Kistof plates from UainkinA of 's.
slV. ?. I., p. 18Z. — Das Verzeichniß seiner Ma-lereyen in : Knvirons of (.ondon. 's. I.
x. 482. Außerdem hat man biographische Nach-richten von ihm in der H. B d. sch. wiß. Tb-XKVIII. S. 294. u. ff. — in dem Intel». Bl. derA. L. Z. 1792. Nr. 80. S. 642. u. ff. u. s. f. —slotice sur Aorue im Kncy-
topedique ('s. I. p. 70. et. 809.) enthält nur un-bedeutende Nachrichten von Mercier de S. Le-ger, welche dann freylich MiUin in seinen An-merkungen zu der Uebersetzung von Dallarvaytrcflich nennt. FioriUo V. 649 —58. Dann auchDallarvay ll. 200. 208. 232. 277 — 80. Dortwird seltsam genug behauptet, daß zwischen Rey-nold und Mengs eine große Rivalität statt gefun-den , und alsdann der letztre höchst ungebührlichherunter gesetzt. Richtig mag dafür immerhin die(physiognomische) Bemerkung seyn: „In ihrenBildnissen zu Florenz erscheinen beyde sehr charak-teristisch: Mengs voll Würde und kalt, Reynoldsvoll Geistes und Freysinns". Als seine vorzüglich-sten Werke nennt Dallarvay: Garrick zwischen denMusen des Trauer- und Lustspiels, jetzt bey H. An-gerstein, der von ihm auch eine Venus besitze; Ugolin (sein Meisterstück) beym Herzoge (oben heißt es Dr.)von Dorset ; die Geburth, eine der Zeichnungenfür das große Fenster der Kapelle des New-College zu Oxford , bey dem Herzoge von Rutland; Herkulals Kind für die Russische Kaiserin (die Figur desTiresias soll Dr. Johnson vorstellen); den Tod desKardinals Beaufvrt, für die Gallerie Shakespeare (worin sich Titians Kolorit mit Rembrandts Hell-
Reynolds.
dunkel vereinigt finde); Mad. Gibbons als Mel-pomene, welches einst dem Franzvs. Finanzmini,ster von Calonne gehörte, jetzt (heißt es hier) einemHerrn W. Smith zuständig ist; das Bildniß derMad. Billington, welches 1798. auf der Versteige-rung des H. Bryant an den Herzog von Bedfordfür 5 vo. Guineen verkauft wurde; Robin Goodrfellow, für die Gallerie Shakespeare (in lustigemStyl, und von besonderer Originalität); Cymonund Jphigen, beym Lord Inchiquin (ebenfalls vonsehr seltsamem Charakter); endlich die H. Familiebey Lord Gwyder, in einer neuen und sehr schönenManier (?) bearbeitet.
Die beßte uns bekannte Litteratur der nach ihmgestochenen, oder vielmehr meist geschabten Blät-ter findet sich im Katalog von Brandes, welcherderselben 291. enthält (Oonk. auch den Katalogvon Minkler, der aber nicht über 07. zählt). Zu-erst vier Abbildungen unsers Künstlers von D.Green, I. K. Shervin, C. Townley und I.Watson, von welchen das von Townley schön, dieübrigen sehr schön genannt werden; das von Eher-vin gestochen, die drey andern geschabt. — Dannfolgen 36 . Nummern von Geschichtlichem und Gat-tungsstücken von I. M. Ardell, F. Bartolozzi,I. F. Bause, John Bondell, Ch. Corbutt, I.Dean, I. Dixon, W. Doughty, I. Earlom,G- S. und I. C. Facius, I. Finlayson, E. Fisher,Jos. Grozer, F. Haward, R. Houston, I. Jones,Eiis. Judkins, G. Kcating, I. Marchi, S.Ockey, G- Scorodoomow, W. Sharp, I. K.Sherwin, P. Simon, I. R. Smith, Caroline,I. und Th. Watson. Unter den Geschichtlichenund Gattungsstücken nennen wir: Den Beruf desjungen Samuels von Dean, und etwas verschie-den behandelt von Smith; St. Johann der Täufer:Ich bin die Stimme, von Grozer; Ugolino vonDixon (ein mit allen seinen Schrecken herrlichesBlatt); on Lkloe's 8parrorv von Houston (äus-serst selten); die Wahrsagerin von Sherwin; diefünf herrlichen Engelsköpfe in den Wolken, vonSimon (punktirt). Sein Heinrich VI. nach Sha-kespeare (Aufz. III. Auftr. 3 .) von Watson inpunktirter Manier gestochen, wird (was das Urbildbetrift) im: ^oum. f. bildende Künste p. 95.sehr scharfsinnig beurtheilt. Dann von historirtenBildnissen: Miß Crew und Miß Bouverie voreinem Grabmal: Lt in Hreadis, von Marchi;Miß Siddons im Charakter der tragischen Muse,von Haward , und Garrick zwischen dem Lust- undTrauerspiel von Corbutt und Fischer (letzkres be-sonders schön). Noch bemerken wir die von denGebrüdern Facius in punktirter Manier treflichgestochenen 14 Bl. nach dem großen Westfenster derKapelle des New-College zu Oxford , welches einneuerer englischer vor nicht langen Jahren verstor-bener Glasmaler, Jarvis oder Jervis, nach Rey-nolds Zeichnung verfertigt, in 1787. vollendet,und das 1928. Pf. Sterl. gekostet hatte. DieHauptparthie stellte die Verkündigung an die Hir-ten (unter welchen sich Reynolds und Jarvis Bild-nisse befanden), und dann die sieben Cardinaltu-genden dar, von welchen selbst R die Figur derHoffnung, die sich zum Himmel schwingt, allenübrigen vorzog. Ein einzelnes Blatt von demGanzen hat auch Earlom schön gcetzt. ReynoldsCartons für dieses Werk gelangten nach seinemTode an verschiedene Besitzer. Denjenigen von derVerkündigung der Hirten erhielt der Herzog vonRutland für (hier heißt es denn doch nur) 800. Pf.Sterling; die sieben Tugenden, Lord Inchiquin;einige Nebenwerke wurden dem Herzoge von Port-land legirt. Fiorillo I. c. '296—97. *). Alle übri-
*) Eint italienische Uebersetzung davon erschien 1778. zu Florenz, eine deutsche von Rosmeli 1802. Ham-burg , eine französische von Jausen, einem alten Freunde des Verfassers, r 8 <> 6 . Beurtheilungen davon s.z. B. in der A. II- A. i 8 oz. B. lll. Nr. »-7. S. - 78 . und von der zweyten dieser Rede» insbesonderSIkbrndas. schon 1788. B. IH Nr. m. S. 277. Auch eine italienische, welche in 178z. unrer dem Titel:()u->tro aü>c»r-ii c-r-ebrav«, zu Venedig erschien, verdient, des darin herrschenden pöbelhaften
Tons ungeachtet, gelesen zu werden. Das Werk IVinkelmann u. s Jahrhundert S. 291 — yz. begnügtsich, zu finden: »Daß seine Reden zu den vielen Kunstschriften gehören, die auf den Gang der Kunst selbstkeinen bedeutenden Einfluß gehabt, oder wenigstens keine merklichen Spuren desselben hinterlassen haben."
*») Auch in der Cathedrale zu Salisburp sieht man »in großes Fenster, ebenfalls von einem neuern englischen