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dessen muß doch eben dieser Schriftsteller bekennen:Wenn der Künstler des gedachten Bildes in deneinzelnen Theilen so viel als überhaupt im Ganzengeleistet hatte, so wäre es ein Werk ohne Gleiches.Selbst wo Robust, gleichsam nur improvisirenwollte, erwies er sich öfters als ein wahrhaftgroßer Meister, bald im Licht- und Schattenspiel,bald in schweren Verkürzungen; dann in launigenErfindungen; hier im Relief, dort in der Har-monie; und wo man etwa von ihm noch gut er<Haltens Gemälde findet, zeigt sich auch Anmuthin seinem Kolorit«. Ein vollendeter Meister end-lich war Tinrorerr in Belebung seiner Figuren;und fast ist es zum Sprichwort geworden, daßman diese bey keinem Andern, wie bey ihm, studi-ren muß. Bekanntlich arbeitete er bis ins hoheAlter, und seine Bilder sind kaum zu zählen; ge-schweige die Figuren derselben, wie z. B. in seinem,auch von den Caracci bewunderten Paradiese imSaale des Scrutiniums, das eben eines der Werkeseiner Greisenjahre ist. In den italienischen Gal-lerten muß man, außer Venedig , seine Meister-stücke nicht suchen; dort aber das Wichtigste, bis-weilen auch, wie Ridolfi bemerkt, das Vollen-detste, und fast mit dem Fleiß eines Miniaturma-lers Ausgeführte. So z. B. in dem Hause Bar-barigo zu St. Pol eine Susanna, wo in kleinemRaume ein Park mit Vögeln, Kaninchen und soviel Andern, angefüllt ist, was einen solchen Ortzum Schauplatz des höchsten Vergnügens schaffenkann; Alles, die Hauptfiguren, wie die Staffi-rnng, mit unglaublichem Fleiß ausgeführt, /.ans-iII. —,12. — ^fiorillo dann rügt vor allenDingen, „als zur bösen Stunde niedergeschrieben",das Urtheil von Mengs, nach welchem Tintorerrseinziges Verdienst im — schnellen Malen bestandenhätte. Alsdann spricht er von seinen frühernStudien ungefähr wie Lanzr, und bemerkt z. B.daß, als ihm eines Tags aufgetragen war, denPallast Gußoni am großen Kanal (jetzt Lazari alRio di Noali genannt) mit seiner Arbeit zu zieren,er dort, neben Andern,, zwey Figuren (der Mor-genröthe und der Abenddämmerung) angebrachthabe, welche von zwey Statüen Michel Angclo'sam Grabmale der Medicls entlehnt, und worin(was freylich noch mehr werth ist) auch der Geistvon Buonaroti nicht zu verkennen sey. Weiterhinheißt es dann vollends: Er habe mit der gelehr-ten Zeichnung dieses letztem „einige Grazie" zuverbinden gewußt; „allein die strenge Richtigkeitdesselben beyzubehalten, wußte er nicht, wiewohler hinwieder niemals in jenen Fehler der Ueberla-dung verfiel, der so unzählige Nachahmer desMichael Angclo unerträglich macht". Ferner:„Das Feuer seines Geistes riß ihn allerdings zuder größten Schnelligkeit hin, so daß er davon dieBcynamen des Wüthenden, und des Blitz-strahls erhielt. Es leuchtet ein, daß dieser Cha-rakter sich nicht wohl mit der letzten Correktheitvertrug, die nur durch anhaltende Aufmerksamkeitzu erlangen steht, besonders was die Verkürzungenbetrifft, welche beständige Studien und die ge-naueste Erwägung fodern. Durch sein unermüd-liches Zeichnen nach erhobnen (?) Figuren, was eraber freylich immer mit seiner ungestümen Schnel-ligkeit vornahm, gelang es ihm nicht allein, seinenKompositionen ungemeine Anmuth zu geben,sondern er war auch der erste unter den Venetia-nern, der nicht bloß auf die Schönheit des Kolo-rits achtete, sondern ihr durch die Kraft des Hell-dunkels das Gleichgewicht zu halten wußte. Ersann immer auf neue Effekte der Lichter und Schat-ten, und wußte mit vieler Einsicht diejenigen aus-zuwählen, die wegen ihrer Neuheit am meisten
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Geräusch machten, und Ueberraschung hervorbrach-ten; allein der ungestümme Enthusiasmus, dessener niemals Meister werden konnte oder wollte, rißseinen Geist häufig über die Gränzen des Wahrenund Wahrscheinlichen hinaus, und war Schuld,daß er zuweilen verworren und unverständlich wurde.Wie viel er im Kolorits dem Schiavoni abgelernthaben muß, erhellet, neben Andern,, auch daraus,daß vasari seine Beschneidung des Heilands, alCarmine, für die Arbeit von jenem angesehen hat".Nun folgt die Betrachtung einiger seiner vorzüg,lichsten Werke. Gerade im Anfange seiner blü-hendsten Periode malte er in der Kirche St. Mariadell'Orto zwey Bilder von ungeheurer Größe, dieer für einen sehr geringen Preis übernahm. Aufdem einen stellte er das jüngste Gericht vor, undman sieht wohl, daß sein Geist von der ArbeitMichael Angelo's über diesen Gegenstand ganzerfüllt war. Wenn man den Fehler einer etwasvernachläßigten Zeichnung abrechnet, so bleibtdieses Bild wegen der großen Behandlung derSchatten und Lichter, der lebendigen Bewegun-gen und einer gewissen kunstreichen Verwirrung,welche dem furchtbaren Momente entspricht, im-mer eine der erstaunenswürdigsten Hervorbringun-gcn. Ein Anstoß aber, den man in diesem so wiein den meisten Werken von Tintorett findet, sindeinige ganz aus dem Schwerpunkt gerückte Figu-ren, die er sogar bey ruhigen Gegenständen nichtvermieden hat. „Ich glanbe'' (sagt Fiorillo)„daß dieß daher kömmt, daß er bey den Studiennach den. Gipse seine Modelle oft in der Luft schwe-bend befestigte, um sie in der Verkürzung zu zeich-nen, indem er dergleichen Stellungen so gewohntward, daß er sie auch bey auf den, Boden stehen-den Figuren nicht los werden konnte; öderer hates auch absichtlich gethan, in der Meinung seinenPersonen dadurch mehr Leben und Bewegung zugeben. Ein Gegenstück von jenem Bilde war dieAnbetung des göld >en Kalbes, auf welchem frey-lich , so wie in Raphaels Verklärung, eine zwie-fache Handlung (nämlich, unken die schon genannte,und oben Moses der von Gott die Gesetzestafelnempfängt) vorgestellt ist, was folglich, gleich denbeyden Handlungen bey Raphacl, in wesentlicherBeziehung auf einander steht. Beyde diese Ge-mälde haben eine Höhe von und sind dabeynach Verhältniß ein wenig schmal, die Gruppe»aber so gut vertheilt, daß die Komposition denganzen Raum vollkommen ausfüllt. In derselbenKirche sieht man noch verschiedenes Anderes vonunserm Künstler; neben Andern, in der KapelleSt. Agnes ein Wunder dieser Heiligen, welchesPeter von Cortona werth hielt, für sein eigenesStudium zu kopiren. Wieder ein anderes (eben-falls St. Agnes, die den Sohn des Statthaltersum Gnade bittet) ist, nebst dem oben erwähnten,von St. Markus befreyten Sklaven, und nochzweyen seiner Werke aus Verona, »ach Paris ge-kommen. Nach Zanerri's Urtheil dürfe» zweyandere Gemälde in der Kirche St. Rochus demeben genannten nicht nachstehn. Das eine stelltdiesen Heiligen vor, wie er die Kranken heilt, dasandre Ebendenselben im Gefängnisse mit einem trö-stenden Engel. In beyden soll es Tinrorerr ge-lungen seyn, die furchtbare Großhcit des MichelAngclo (wozu diese hier?) mit der lieblichen Fär-bung des Titian zu vereinigen, wozu er vom Sei-nigcn noch die großen Effekte von Lichtern undSchatten hinzuthat. Von seiner Schnelligkeit imArbeiten erzählt dann Fiorillo: Als einst zuVenedig die beßten in - und ausländischen Maler(Caliari, Echiavone, Salviati u. a.) eingeladenwurden, zu einem Deckenstücke Zeichnungen cinzu-
faltigkeit von Figuren von allen Altern und Geschlechter» in Gruppe» vereinigte , welche durch Aussichten aufdie seligen und verdammten Seelen in der Ferne unterbrochen werden. Man siehr auch daselbst den Nachendes Cliaron, aber aus eine von den gewöhnlichen so abweichende Weise, daß es etwas Seltsames und Schönesist. Wäre diese phantastische Erfindung mit richtiger und regelmäßiger Zeichnung ausgeführt, und hätte derMaler auf die Theile und das Besondere geachtet, wie er es auf das Ganze gethan, wodurch er die Verwir-rung und das Getümmel jenes Tages ausgedrückt hat, so würd- es das bewundernswürdigste Gemälde seyn.Wer es daher nur auf Einen Blick betrachtet, gerätk, in Erstaune»; wenn man es aber nachher im Einzelnenprüft, so scheint es nur zum Scherze gemalt." ,
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