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liefern, um die beßte darunter auszuwählen, unddem Urheber die Ausführung aufzutragen, sobrachte Robusti das bereits ausgeführte Bild andemselben Tag, wo die Andern erst ihre Entwürfevorlegen konnten, an Ort und Stelle, wo es auchwirklich seinen Platz behauptete. Ein so verführe-risches Beyspiel, von einem solchen Künstler gege-ben , wurde der Venetianischen Schule gefährlich,da man nämlich anfing, Fertigkeit als Haupttu-gend des Malers zu betrachten. Sebastian delpiöinbo hatte daher Grund zu sagen, die dama-ligen Maler brachten so viel in zwey Tagen zuStande, als er in zwey Jahren. FiorlUo II.119—26. — Wareler in seinem Art. über Tinro-rerr hebt vörderst den edeln Charakterzug aus,daß er die Schwachheit seines großen Lehrers,Titians, der ihn, bekanntlich aus Neid, von sei-ner Schule entfernte, noch selbst entschuldigte, undseine Bewunderung für denselben stets beybehielt,im Kolorit ihn nachzuahmen suchte, und sich dannfreylich, um in der Zeichnung ihn zu übertreffen,dem Studium der Werke des Michel Angelo über-ließ. „Er hatte" (heißt es dort dann weiter) „einesolche Leidenschaft für weitschichtige Werke, baßer sich mit den Baumeistern verstand, um vonihnen große Unternehmungen zu bekommen, ohneirgend eine Vergeltung dafür zu verlangen". Fer-ner: «Dieser große Koloriste setzte mir alle demdas Kolorit auf einen so niedrigen Rang, daß ersagte.- Schöne Farben fänden sich in den Kram-laden, die Zeichnung hingegen allein in dem Geniedes Künstlers". Dann that er das Paradoxonhinzu: Schwarz und Weiß waren die köstlichstenFarben in der Malerey, weil sie hinreichten, denFiguren Relief zu geben, und Licht und Schattenzu bezeichnen. Somit führte er das Wesen derKunst auf das Helldunkel zurück". Dann: „Erwar sich sehr ungleich; seine Inkorrektheit biswei-len unerträglich, die Köpfe ohne Schönheit, dieZeichnung ohne Feinheit, und charakterlos. AndreMale war er übertrieben vollendet, seine Manierschwerfällig und ermüdend; sein Kolorit ebenfallsoft schlecht, die Komposition symmetrisch, dieOrdonnanz ohne Wirkung; andre Mal wieder dieKöpfe schön, die Effekte kräftig, die Zeichnungvoll Charakter; seine Phantasie das einemal toll,ein andermal dichterisch und überfließend. Aber inseinen bessern Werken immer erstaunenswurdig DieBegeisterung seines Genie (sagt Eochin), und dieFurie seines Pinsels, gehn über alle Vergleichung.So oft überschreitet er alle Schranken der Ver-nunft; aber das Gefühl der Bewunderung kannman ihm deswegen nicht versagen. Aecht kenntman ihn nur zu Venedig . Was man anderswärlsvon ihm fleht, giebt nur einen Begriff von seinenFehlern; denn wahrhaft groß ist er nur bey großenGegenständen, die er mit all' seinem Feuer ausge-führt hat. Hier vereinigt er die treflichste Behand-lung mit der vollkommensten Kenntniß des Hell-dunkels und den schönsten und kühnsten Farbentö-nen. Wie fast alle große Maler seiner Nationexzellirte er auch im Bildnisse; indessen war erauch in diesen ungleich; bisweilen waren solcheaufs herrlichste vollendet; andre Male bloße Cro-quis". Und nun hören wir unsern deutschen Füßli (III. 89—91.) an. Ohne nachzuschreiben,faßt er bald alles Wesentliche, was wir bishervon Robusti vernommen, ins Kurze zusammen,wie folgt: „Tinrorerr hatte eine so äußerst leb-hafte (ich möchte fast sagen unbändige) Einbil-dungskraft, daß er von solcher oft verhindert ward,feine vorzustellenden Gegenstände gehörig zu über-legen, und die erforderliche Sorgfalt auf ihre Aus-führung zu wenden. Er erfand mit »»gemeinerLeichtigkeit; aber seine Ideen waren oft mehr son-derbar als wahrscheinlich; die Flüchtigkeit seinesGeistes zeigt sich zuerst in seinen Anordnungen,wo meistens immer Alles in Bewegung ist. SeineFiguren an sich selbst, und gegen einander betrach-tet , sind zwar mit vieler Mannigfaltigkeit contra-stiert, aber bey großen Kompositionen selten in ge-fällige Gruppen gebracht, und eben so selten ge-
Robusti.
hörig mit einander verbunden. Er zeichnete ineinem großen Styl; alle seine Forme» sind miteiner Kühnheit dargestellt, die an jene des MichaelAngelo grenzt, ohne jedoch das Durchstudirte undganz Richtige derselben zu haben. Das Leiden-schaftliche seiner Personen suchte er mehr durchlebhafte Wendungen und Bewegungen der Körperund Glieder, als durch die Züge in den Gesichternauszudrücken, und dieser Ausdruck ist nur zu oftüberspannt und bis zur Unwahrscheinlichkeit heftig,wenn starke Gemüthsbewegungen bey seinen Vor-stellungen ins Spiel kommen mußten. Hingegenwußte er in vollem Maaße alle Vortheile zu be-nutzen, die Licht und Schatten dem Historienmalerdarbieten, um einem Gemälde große und harmo-niose Wirkung zugeben; welches, nebst einem derWahrheit oft sehr nahe kommenden Kolorit, undseinem überaus kühnen, und mit ganz eigner Launespielenden Vertrag des Pinsels, seinen Werkeneinen Rang unter den vornehmsten Produkten derVenetianischen Schule erworben hat."
In dem ehemaligen Königl. Französischen Kabinette fanden sich acht Werke von Tinrorer;unter diesen drey Bildnisse. Dann Christus, derdas Abendmahl mit seinen Jüngern hält; ein Bild(sagt wareler) voll gezwungener, seltsamer undunschicklicher Stellungen, übertriebener Contraste,u. a. Fehler gegen den Anstand, dabey aber vongroßem Charakter in der Zeichnung, schönem Effekte,guter Färbung und vieler Leichtigkeit in der Be-handlung. Wohl zu diesen ältern gehört dann nochein kleines nur i 5 " hohes und 6 " breites Kabinetsstück (ein todter Christ, von zwey Engeln beweint)das bey Landon (Annal. VIII. i 3 ?.) beschrie-ben und im Umrisse abgebildet ist, und dort einebloße Scizze von fester, großer, doch nicht ganzrichtiger Zeichnung, vielem Ausdruck und warmemund kräftigem Kolorit heißt. Von der in neuernLagen nach Paris gebrachten Befreyung des Scla-ven von der Folter haben wir schon oben vernommen.Auch dieses Hauptbild unsers Künstlers findet sichbey Landon (I. c. IX. 33 — 35 .) nachgebildet undbeurtheilt, undlLanzi's Lobsprüche darüber, nurmitnamhafter Beschränkung bekräftigt: Da nämlich,nach Landon's Sinne, die Composttion nicht dieEinfalt, von welcher der Italiener spricht, haben,sondern mehrere Figuren darin ganz müßig seynsollen; die Gesichtszüge des rettenden Heiligen bey-nahe nicht ersichtlich seyen, und derselbe wenigerdurch die Luft zu fliegen, als vom Dach hinunterzu stürzen scheine, u. s. f. — Ebenfalls im Fran-zösischen Museum dürfte von unserm Künstlernoch ein Jupiter und Leda seyn. Dann sah manin Frankreich ehemals noch überdies von ihm imKabinet Boyer d'AiguiUes zu Aix in Provence einen todten Christ auf der Mutter Schooß, undMaria Magdalena , Brustbild. — Manrua hatte,einst wenigstens, von Tinrorer acht Bilder, die erfür den dortigen Herzog Wilhelm gemalt, und'worauf berühmte Thaten des Hauses Gonzaga ab-gebildet waren. — In Deutschland besitzen vonihm: Die Kais. Gallerie zu Wien so. (darunteri 5 . Bildnisse, der Dogen da Ponte und Ciconia,und des Admirals Venieri, die übrigen Unge-nannte); dann von Geschichtlichem: Eine Kreuz-tragung und Kreuzabnahme, von mittlerer Größe;ein St. Hieronymus in der Höhle, lebensgroß; einFaun, der Omphalen bey Nacht überfallen will,und durch Herkui aus ihrem Lager gestoßen wird.Von Gattungsstücken endlich ein lachender Mann,auf dessen Achseln ein Affe sitzt, der ihm den Kopfkratzt.— Die Gallerie Lichtenfteiu 4. St. Rochusunter den Pestbehafteten, uud Ebenderselbe im Ge-fängniß, Scizzen der berühmten Bilder im Hospitaldieses Namens zu Venedig . Der gleiche Heilige,der einen Kranken aus vielen Andern emporhebt,welchem dann ein Engel den Weg zum Paradiesweisst. Dann aber vornehmlich Tarquin und Lu-conzia, ein lebensgroßes Bild von vortreflichemAusdrucke. — München 5 . darunter drey Bild-nisse; dann der Heiland am Tische bey Simon demPharisäer, nicht ganz lebensgroß; und: Allegorie auf