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an sichern Kennzeichen den Kopf gefunden hatte-Sehr frühzeitig legte er sich auf das zum Ver-ständnisse der Archäologie so unentbehrliche Stu-dium der alten Sprachen. Schon in Spanien hatte er mit A. R. Mengs eine Freundschaftgeschlossen, die dann zu Rom noch enger geknüpftward, und seinen Geschmack an den schönen Kün-sten nicht wenig verstärkte, vielleicht aber auch zudem Strengen und Ausschließenden seiner Kunstur-theile beytrug. Seinem Kunstsinne gab der TodCarls III. Gelegenheit, in einem Denkmale diesesMonarchen sich näher zu entwickeln. Dasselbebe-stand in einem viereckten sogenannten Monopterum(freystehnden Tempel ohne Mauern) bloß vondorischen Säulen unterstützt. Im Innern ent-deckte man das Cenotaphium des Verstorbenen;die Urne war eine Nachbildung jener porphyrnenan dem sogenannten Grabmale des Agrippa zuRom . Dasselbe entging dem gewohnten Schick-sale solcher Kunfferscheinungen nicht, vielfältigbekrittelt zu werden. Dieß geschah vorzüg-lich von Seite des großherzvgl. toskanischenBauinspektors, Ritters Boni, der in einer, übri-gens mit Anstand abgefaßten, Schrift das Un-bedeutende, und am Ende vollends unrichtigBefundene behauptete, daß das Alterthum keinanderes als ein — zirkelrundes Monopterumgekannt hätte. Mit dem Prinzen von Santa-Croce veranstaltete er Nachgrabungen zu Tivoli,wobey, neben Anderm, das einzige ganz achte Brust-bild Alexanders des Großen entdeckt wurde, vonwelchem Azara in der Folge dem Kaiser Napoleon ein Geschenk machte. Der Eifer, womit derUnsrige gelehrten Kunstuntersuchungen sich hingab,war bey ihm zu einer so starken Leidenschaftgeworden, daß dieselbe nur mit seinem Lebenaufhörte. Wenige Tage vor seinem Tode be-schäftigte er sich noch lebhaft mit dem Entwürfeneuer Nachgrabungen. Ein gleich flammenderEifer beseelte ihn fürdaucrnd für die-Wissenschaf-ten. Er besaß sehr schätzbare naturgeschichklicheund chemische Kenntnisse, und hatte sich sogarmit dem Kupferstecher Volpato in Verfertigungdes Porzellans und Vervollkommnung der Glasurdesselben versucht. Die neuere Geschichte, zu-mal die diplomatische, war ihm ganz geläufig,und in derjenigen seines Vaterlands konnte mankaum bewanderter seyn, als er. Als Schrift-steller kannte man von ihm kein eigentlich ei-genthümliches Werk. Middleton's Leben Cicero'shakte er durch eine treffliche, und mit gelehrtenNoten bereicherte Uebersetzung auf spanischen Boden verpflanzt, und mit mcbrern in Kupfergestochenen Denkmälern, besonders mit Bild-nissen großer Männer geziert (I. Dann ist vonihm die Lebensbeschreibung seines FreundesMengs an der Spitze der ebenfalls durch ihnbesorgten Ausgabe von dessen Werken, mit fei-nen und des geistreichen Milizia gemeinschaftlichgefertigten Anmerkungen versehen, welche bis-weilen an kaustischer Laune und gewagten Be-hauptungen diejenigen des Authors noch über-trafen, aber deswegen nicht minder ein köstlicherSchatz für Künstler und Kunstliebhaber sind,und solches auf immer bleiben werden, wennso manches berühmtes kahles Gedable über ähn-liche Gegenstände schon längst im Rauch aufge-gangen ist. Noch kennt man von ihm, dochbloß in Handschrift, Bemerkungen über desEngländer Bowle's Werk, die NaturgeschichteSpaniens betreffend; dann eine spanische Ue-bersetzung des VI. Buchs des PliniuS , und eineähnliche Seneka's deS Philosophen; endlich aucheinige spanische Fabeln. Eben so lobenswerth,als durch seinen Geschmack und seine schriftstcl-
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krischen Talente, erschien er auch als Unter-stutzer von Künstlern und Gelehrten. IhreGesellschaft gewährte ihm die köstlichsten Genüsse.Er nahm sie, sowohl in Spanien als zu Rom in seinen Schutz, der dort und hier allvermözendwar, verschaffte ihnen den Zutritt zu allen öffent-lichen und Pnvatschätzen der Kunst und derWissenschaft, stellte sie, wo nicht gegen Neid,doch gegen Verfolgungen sicher, war ihnen zuErhaltung von Arbeit und Anstellungen behülf-lich, zog sie regulär alle Mittwoche an seineTafel, und überhäufte eben so alle Ausländer,welche die Liebe zu den Künsten nach Rom führte,mit Merkmalen von Auszeichnung und Wohlwol-len. Es ist bekannt, daß er kein Freund derJesuiten war; dennoch ließ er allen denen Exje-suiten in Italien , die sich in Künsten und Wis-senschaften berühmt gemacht hatten, seine Gunstund Unterstützung angedeihen; ein einziges Werk,wofern es den Beyfall der Sachverständigenerhielt, war ihm genug, um dem Verfasser seinePension zu verdoppeln, ja zu verdreyfachen;die Ablms Andres, Bisso, Clavigeros, Eximeno,Requeno, sein Bibliothekar Arteaga und so vieleandre empfingen große Wohlthaten von ihm.Unter seine Freunde zählte er auch den berühm-ten Beschützer der Gelehrten und selbst Gelehrte»,den Prälaten, nachherigen Kardinal Borgia, undes gelang ihm, denselben, bey gewisser Gele-genheit, mit dem Pabste (Pins VI,) auszusöhnen.Dasselbe geschah zu Gunsten des berühmtenAlterthumskunbigen Visconti, gegen den derH. Vater aufgebracht ward, als derselbe dengeistlichen Stand verließ, und sich verheirathete.Oben an in seiner Freundschaft indessen standMengs ; und mir seinem Kredite verdankte dieseres, daß ihm der König von Spanien erlaubte,zu Rom bleiben zu dürfen, und daß er dennochseinen Gehalt von booo Piastern, den er alserster Hofmaler genoß, beybehielt. NachdemTode dieses Künstlers, der, trotz seiner Gläcks-umstände, seine Kinder ohne Vermögen hinter-ließ, sorgte Azara als Vater für dieselben, wirktefür jedes bey Hof eine Pension aus, und brachteseine nachgelassenen wenigen Handzeichnungenund unvollendete Gemälde um hohe Preise anden Mann. Auch auf die Zöglinge des Ver-storbnen dehnte er seine Wohlthätigkeit aus, undgewann einen derselben, den Svanier Lastanosa,besonders lieb. Dieser wußte ihm, auf einenPlafond im spanischen Pallaste, einen Philo-sophen malen, der bey einem Staatsmanne Be-such abstattet. In der Person des erstern wardMilizia, in derjenigen des zweyten der Unsrigenachgebildet.
Die politische Laufbahn des Unsrigen betref-fend, welche eigentlich nicht hiehcr gehört, nurdieses Wenige. Anfangs wurde er nur als Agentfür die Angelegenheiten an der päbstlichen Da-tarie angestellt; dann aber allmählig auch zuAnderm, selbst zu dem Wichtigsten gebraucht.Joseph n. bey seiner zweyten italienischen Reise(1780) wollte in Rom niemand sehen und zuRathe ziehn, als den Ritter Azara. Die Hän-del mit dem Hofe zu Parma , die Abschaffungder Jesuiten , der Tod Ganganclli's, die WahlPius VI. u. s. f. gaben ihm eine Gelegenheitnach der andern, seine Geschicklichkeit an denTag zu legen. Er war einer von denen, diesich fest überzeugt hielten, daß Clemens XIV. keines natürlichen Todes gestorben sey. DieWahldes neuen Pabstes wurde gutentheils als dasWerk seines Einflusses ang'eseh»; indessen hatteer sich darüber nicht besonders Glück zu wünschen.Dieser Zeitpunkt, worein die französische Revo-
(>) Darunter das erste authentische Bildniß des Redners Q- Hortenstus, nach einer kleinen Thermein der Villa Albani.