Bonn (Andreas) Bonn (Universität) 8ö
nach Italien, um sich der Person des Papsies zu bemächtigen und ihn nach Lyon zu fuhren. Nogaret verband sich zu diesem Zweck mit e^ciarra Colonna, der, so-,wie seine ganze Familie, von D. unterdrückt worden und daher ein heftiger Geg-,ner desselben war. B. hatte sich nach Anagni geflüchtet. Hier überfielen ihnNogaret und Colonna. B. zeigte Muth. „Da ich verrathen bin", sagte er,„wie Jesus Christus verrathen ward, so will ich wenigstens als Papst sterben".Er ließ sich mit dem Mantel und der Tiara bekleiden, nahm die Schlüssel unddas Kreuz in die Hand, und setzte sich auf den päpstlichen Etuhl. Aber man ach-tete der heiligen Zeichen so wenig als seiner Thränen, und verhaftete,ihn; ja, Co-lonna vergaß sich bis zu persönlichen Mißhandlungen. Zwei Tage blieb B. indieser grausamen Lage; da griffen die Anagnaner zu den Waffen und befreiten ihn.B. ließ sich »ach Rom bringen, wo er einen Monat nachher (1303) starb. AusFurcht, vergiftet zu werden, hatte er während seiner Gefangenschaft nicht die ge-,ringste Nahrung genossen und sich dadurch ein Fieber zugezogen, das ihn hin-raffte. Man kann B. Kühnheit in den Ansichten und Beharrlichkeit in de» Ent-schlüsse» nicht absprechen; aber diese Eigensebafte» wurden durch Ehrgeiz und Ei-telkeit, Rachsucht und kriechende Geschmeidigkeil befleckt. Dante weist ihm, alseinem Snnonisten, einen Platz in der Holle zwischen Nikolaus l>>. und Clemens V. an. B. stiftete 1300 das Secularjubiläum und bereicherte dabei, turcb häufigeErtheilung des Ablasses, seine Casse. Ihm gebührt übrigens der Ruhm einesfür seine Zeiten sehr gebildeten Mannes.
Bonn (Andreas), Anatom, geb. zu Amsterdam 1133, der Sohn einesApothekers, stutirte und promovirte zu Leyden . Als Inauguraldissertation schrieber die (von 2 berühmten Ärzten, Bichart und Wrisbcrg, in ihren Werken benutzte)herrliche Monographie „De eniillniiitatib»« ,rir,!>I>r.->n.'ni>,»". Der junge B.ging hierauf nach Paris , um die dortigen Praktiker und die Heilanstalten gründ-lich kennen zu lernen. Nach reichen Erfahrungen seiner Vorbereitungsperiode trarer 1111 in Amsterdam als Arzt auf und hielt Vorlesungen. Auf eigne Kostenließ er die 3 ersten Hefte des ,,'lbesauiui Ileivl-'nni, ossiiun n„>i bosoruin" inKupfer stechen. Sein langes Leben —,er starb 1318 — war ganz der leitendenMenschheit und der Bildung geschickter Ärzte und Wundärzte gewidmet. Als Vor-steher der Monnikhof'schen Stiftung zur Erforschung der besten Heilmetboden fürdie verschiedenen Brüche hat er sich ebenfalls grobe Verdienste erworben.
Bon», Kreisst. im preuß. Regierungsbezirk Kolli, früher die Refften; desKurf. von Koln, am linken Rheinufer, mit 1109 Häuf. (1 kaihol. und seit 18111 evangel. Kirche), 10,000 E„ worunter 200 Jude», welche m einer besondernGasse wohnen. B. war ehemals befestigt, die Werke wurden 1111 geschleift.Es befindet sich hier ein Dberbergamt. Das Lyceum entstand 18ü2 aus der 1111errichteten und 1180 zur Unwersität erklärten Akademie. (Über die ueuerrichiekeUniverk. s. d. folg. A.) Die Fabriken sind nicht bedeutend. Der Wandel ist zumgroßen Tbeile in den Händen der Juden. Nach dem schonen Lustscl,lasse Clemens-ruhe bei dem Doife Poppelsdorf führt eine 1200 Schrill lange vierfache Allee.
Bonn , Rhein-Universität, deren «tnftungsurkunde am 18. Ocr.1818 zu Aachen von dem Könige von Preußen vollzogen und die mir einem Ein-kommen von 80,000 Thlr. jährlich (davon 10,000 sur den botanischen Garten)dotirt wurde. Das ehemalige kurfürstl. Residenzschloß, der Universität geschenktund nut große» Kosten neu eingerichtet, durfte an Ausdehnung und Schönheitvon keuiem UniversitatSgebäude m Europa übertreffen werdet,. Es enthält sämmt-liche Auditorien, eine Bibliothek von mehr als 30,000 Banden, ein akademischesMuseum der Alterthümer, eine Sammlung der vorzüglichsten alten Bildwerke mGipsabgüssen, ein physikalisches Cabinct, klünsche Anstalten von seltener Größeund ausgezeichneter Einrichtung, und soll noch ein katholisches Seminarium nebst