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Zweiter Band. Bo bis C.
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118 Botanische Garten

werden. Man sucht in diesen Häusern die Temperatur über ,dem Re'aumur'schenGefrierpunkte zu erhalten und heizt daher entweder vermittelst Öfen oder auch durchEanäle nur dann, wenn das Quecksilber im Thermometer anfängt bis auf 50°Fahrenh. zu sinken. Daß die Gewächshäuser dieselbe südliche Feusterwand habenund noch mehr der frische» Lust genießen müssen als die Treibhäuser, versteht sichvon selbst. Hiernäebsi muß man die Pflanzen, die im Freie» fortkommen, nachihrem verschiedenen Standorte auch verschieden behandeln. Es müssen Wasser-becken und künstliche sümpfe für die dahin gehörigen Pflanzen angelegt werden.Alpengewächse zieht mau entweder zwischen Steinhaufen, die aufeinanderge-thürnit werden, oder in Töpfen, die man an die Nordseite der Gebäude und Wändestellt. Die übrigen Pflanzen, die nicht einen besonders ausgezeichneten Bodenlieben, werden auf Feldern, deren Erde locker und fruchtbar ist, auch von Zeit zuZeit gedüngt wird, so gepflanzt, daß die Sommergewachse und zweijährigen inbesondern Abtheilungen, die ausdauernden aber nach natürlicher Anordnung zustehen kommen. Bäume und Sträucher werden geiröhnlich nach den Gesetzen derschonen Gartenkunst in kleinen Lüsthainen und Gebüschen zusammengebracht.Die Wartung, das Bewässern, das Versetze», die 'Abnahme der Früchte und Sa-men und die Vermehrung aller dieser Gewächse sind Geschäfte des Gärtners undseiner Gehülfen, wobei der Aufseher diesen Beschäftigungen die gehörige Richtungzu geben und hauptsächlich für die genaueste Richtigkeit der Bestimmungen derPflanzen zu sorgen hat, Der beständige Abgang und Zuwachs des Vorraths anPflanzen macht, daß man in einer Reihe von fahren mehr Pflanzen beobachtenund sie genauer und mit mehr Muße untersuchen kaun, als wenn man die kost-spieligsten Reisen in fremde Weltiheile luuernommen hätte. Dazu kommen Ent-deckungen »euer Pflanzen, an denen es bei einem ausgebreiteten Verkehr niefehle» wird. Untersuchungen über den Bau der Pflanze», Versuche, die selbst aufdie Gewerbe des Lebens, auf die Landwirihschaft und auf andre Künste einen be-deutenden Einfluß haben, machen solche botanische Gärten auch für die Wohlfahrtdes -LtaalS ersprießlich.

Die erste Anlegung der botanischen Gärten verliert sich in das Mpthenalter.Hckate und Medea bauten in Kolchiscine Menge giftiger und nützlicher Gewächse,die uns die Prphiker in der Argoiiautenfahrt aufzählen. Weiter Garten war mit6 Klaftern hohen Mauern umgeben, und dreifache eherne Thore führten hinein.Historisch scheint Theophi ast der Erste gewesen zu sein, welcher einen Pflanzengar-w'> miterhielt und ihn seinen Schülern vermachte. Dann wetteiferten die Königettalus Philometor von Perganms lind Mühridates Eupator von Pontus in derAnlegung von Gärten, worin sie Gifte und Gegengifte zogen, Plinius erwähnteines botanischen Garten?, welchen Antonios Eastor, Schwiegersohn des KönigSDejotaruS, in Italien angelegt hatte. Für das Mütelalter wirkte Karl der Große wohlthätig , indem er die Anlegung von Gärteii bei den kaiserl. Pfalzen und Bur-gen verordnete lind sogar die Gewächse einzeln aufzählte, welche gezogen werdensollten. Zu Anfange des 14. Jahrh, legte Matthäus SvlvatieuS zu Salerno denersten eigentlich botanischen Garten an. Bald folgte die Republik Venedig , welche1333 einen öffentlichen medicinischen Garten einrichtete und die Pflanzen vonAniadei malen ließ. Diese Kunstwerke werden noch aufbewahrt. iLäeit Wieder-herstellung der Wissenschaften wurden die ersten botanische» Gärten, welche jedocharößkentheils nur offlcinelle Pflanzen enthielten, in Italien angelegt. HerzogÄlfons von Este ward der Stifter einer trefflichen Anstalt dieser Art in Ferrara ;dann folgten die Gärten in Padua, Pisa und Pavia. iLpäkerhin ahmte Mont-pellier in Frankreich zuerst dieses Beispiel nach. In Leyden ward der akademischeGarten erst 1517, der pariser erst 1033, und damals wurden auch die ersten bo-tanischen Gärteii in Deutschland und England eingerichtet. Jetzt sind die größten