Botzcn Bouchardon 12?
Botzen (volrano), Stakt in Tirol, am Zusammenfluß der Eisack undEtsch , mit 1000 H., 8100 E. und 4 Messen. Bedeutender war hier der Waa-renverkehr, so lange B. und Tirol außer der östr. Zolllinie lagen, und der Handel mitder Schweiz und Italien frei war. Diese vormals noch wichtigern Handelsvortheilegaben jene Füsse der Stadt ebenso wenig, als Leipzig d ie Pleiße und die Elchr;desto mehr aber die selbst jetzt noch nicht ganz aufgehobenen Privilegien der vorikial.Landesherren, der Bischöfe von Trient , und daß wegen des Zugs der Gebirge, so-wie des Laufs der Flüsse in den Thälern Tirols, die Hauptfahrstraßen »ach Deutsch-land, Italien und der Schweiz sich hier durchschneiden. Der große Schleichhandelüber den Comer -Lee, also aus der Schweiz in die Lombardei , schadet dem botznerMeßhandel sebr. B. liegt in einem Gebirgskessel. Daher empfindet man dort,weil sich das Thal gerade südlich nach Italien abdacht, n» Lommer eine fast uner-trägliche Hitze, bisweilen sogar den Sirocco. Dagegen gedeihen hier aber auch dieedle'm Früchte DberiralienS (.Vxrnnii) unter dem Schutze einiger Wüiterbekeckunga» der Morgenseile der Berge. Der Herbst ist hier die schönste Jahreszeit; immermilde , dauert er in der Regel ebenso lange, als der Winter kurz zu sei» pflegt. Ander Lehne der Berge um Botzen wächst eine vorzügliche Lorke rothen Weins. ImThäte gedeiht der Maulbeerbaum; daher findet man hier die beste Leidenzucht inden deutschen Erblanden des osir. Kaiserstaats.
B o uca nier, s. Flibustier.
Bouchardon <Edme), geb. 1698 zu Chaumonten Bassigni, kcbSohneines Bildhauers und Architekten, lernte anfangs zeichnen und malen. Erver-ferkigte mehre Copien, ohne jedoch seine Studien nach der Natur zu unterbrechen.Um sich der Bildhauerei zu widmen, ging er »ach Paris , wo er in die Schule desjünger» Coustou trat. Bald gewann er den großen Preis und ward k.Pensionnairm Rom . Hier studirte er seine Kunst theils nach den Werken des Alterthums,theils nach Rafael und Domenichino. Er verfertigte mehre Büsten und solltedas Grabmal Clemens's XI. ausführen; aber die Befehle des Königs riefen ihn1732 nacb Paris zurück. Hier verfertigte er u. A. eine große Gruppe aus Stein,die einen Athleten, der einen Bären bändigt, vorstellte, und welche lange in denGärten von Grosbois stand; ferner nahm er Theil an der Restauration der Fon-taine Neptuns zu Versailles . 1736 folgte er Chauffourier als Zeichner der Aka-demie der schöneit Künste. Er übernahm die Statuen, welche die Kirche vonSt.-Sulpice verzieren sollten, 10 an der Zahl. Auch sieht man in dieser Kirchevon ihm das Grabmal der Herzogin LauraguaiS. Der Lpringbrunnen in derLiraße Grenelle, welchen 1739 die Lkadt Paris anlegen ließ, ist ganz sein Werklind wird für fein Meisterstück gehalten. Ein erwachsener Amor, den er für denKönig arbeitete, fand wenig Beifall. Zu dem ,/lä-nlß «les gienos gi-nßes",welchen Mariette 1750 herausgab, fertigte B. die Zeichnungen, nach welchendie Kupferstiche gemacht wurden. Endlich übertrug man ihm die Ausführungdes größten Denkmals der damaligen Zeit, der Statue Ludwigs X V. zu Pferde,welche die Stadt Paris errichten ließ. Er arbeitete mit unglaublichem Fleiße12 Jahre an diesem Werke, lind lieferte besonders in dem Pferde ein Muster derVollkommenheit, das man Allem an die Leite setzen kann, was das AlterthumTreffliches auszuweisen hat. Er starb 1762. Ihm gebührt der Ruhm einesgroßen und genauen Zeichners; seine Compositionen tragen den Charakter einfacherGröße; er wußte mehr Geist und Ausdruck in seine Zeichnungen zu legen als inden Marmor. Man möchte im Allgemeine» seinen Bildhauerarbeiten mehr Feuerwünschen. Leine zu Rom gemachten Zeichnungen sind kräftig lind kühn; späteriiabi» er eine geziertere und feinere Manier an, um sich dem Zeitgeschmack anzu-passen. Von seinen Schülern ist Louis-Claude Basse bekannt, welcher 1772 starb.B.'s Leben hat Caylus geschrieben.