Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
158
JPEG-Download
 

158

Brandes (Ernst) Brandgeschoß

backskrämerS, bis er endlich Bedienter bei einem vornehmen Herrn wurde, woraufer sich 1756 beim Schdnemann'schen Theater in Lübeck anstellen ließ. Seine er-sten Versuche fielen nicht glücklich aus. Nach einem Jahre entlassen, schrieb er diealtonacr Zeitung, wurde abermals Bedienter und trat endlich wieder beider Schuch'-schen Bühne in Stettin als Schauspieler auf, von welcher Zeit an er sich ganz demTheater widmete. Er spielte in München, Leipzig, Dresden, Hamburg, Gotha -c.,hielt sich zuletzt in Stettin und Berlin privatisircnd auf, wodurch er auch in engereVerbindung mit Lcsing kam, und starb in der letztgenannten Stadt am 10. Nov.1796. Er war nur mittelmäßiger Schauspieler, aber einer der fruchtbarstenSchau--und Lustspieldichter; auch schrieb er kurz vor seinem Tode eine sehr an-ziehende und belehrende Selbstbiographie. Seine Theaterstücke sind für den Zu-schauer berechnet und verrathen Charakterstudium und Bühnenkenntniß. Für dievorzüglichsten hält man: „Der geadelte Kaufmann" und der „Graf von Dls-bach". Das Melodrama „Ariadne auf Na.ros", welches er besonders für seineFrau, eine geschätzte Schauspielerin, geschrieben hatte, war der erste Versuch indiesem Fache, der auf dem deutschen Theater Glück machte. Seine Tochter,Charlotte Wilhelm ine (Minna) Franeisca Brandes, erste Sängerinbeim Hamburger Theater, geb. zu Berlin 1765, gleich groß als Sängerin undSchauspielerin, starb zu Hamburg 1788.

Brandes (Ernst), Gelehrter, Staatsmann und geistreicher deukscherSchriftsteller, geb. zu Hanover den 3. Det. 1758, bildete sich, bei glücklichen An-lagen und günstigen Glücksumständen sorgfältig erzogen, durch Reisen, durch dasLeben in der großen Welt, durch einen Geschäftskreis, der seinen Blick schärfte, unddurch eine vieljäbrige enge Verbindung mit den ausgezeichnetsten Kopsen Deutsch-lands. Don 1775— 78 studirte er zu Göttingen , dessen Wohlthäter er in derFolge ward, als chn die hanörersche Regierung zum CabinetSsecretair ernannte undihm die oberste Leitung der Universität anvertraute. Bei einer Reise (1780 und1781) durch Deutschland und Frankreich waren besonders die Theater zu Paris und Wien ein Gegenstand seiner Aufmerksamkeit, und er sprach sich darüber in denbekannten Bemerkungen über die londner, pariser und wiener Theater aus. Be-deutender» Einflull hatte auf ihn während des Winters 1781 — 85 sein Auf-enthalt in England, wo er nicht allein wichtige literarische und politische Verbin-dungen anknüpfte, sondern auch sich eine möglichst erschöpfende Kunde der briti-schen StaatSverfassung verschaffte, sowie denn auch diese Reise besonders dazu mit-wirkte, seinen Sinn für Politik auszubilden. Nachdem er mehre ansehnliche Po-sten bekleidet hatte, ward er zum Geh. CabinetSrath ernannt. Als 1803 dieFranzosen Hanover besetzten, war er einer der Abgeordneten, welche mit Montierunterhandelten, und blieb Mitglied des Gouvernements, bis eine RegicrungS-commission eintrat. B. hatte sich eine so allgemeine Achtung erworben, daß seinTod (den 13. Mai 1810) als ei» Verlust für den Staat betrauert wurde, obgleich erbei der Unabhängigkeit, die sein bedeutendes Vermögen ihm gewährte, von der west-fälische» Regierung keine Dienststelle angenommen hatte. Große Beobachtungs-gabe und Welt-und Menschenkenntniß waren ihm eigen und zeigten sich in allen s.Werken, von denen die wichtigsten sind : „Politische Betracht, über die franz. Re-volution" (Jena 1790); „Betracht, über einige bisherige Folgen der franz. Revo-lution in Rücksicht auf Deutschland " (Hanov. 1792); „Betracht, über das weibli-che Geschlecht" (Hanov. 1802); „Betracht, über den Zeitgeist in Deutschland "(Hanov. 1805); „Betracht, über den Einfluß und die Wirkungen des Zeitgeistesauf die hehern stände" als Fortfitz. des vorhergeh. Werks (Hanov. 1810).

Brandgeschoß, in der Artillerie die Gattung von Geschossen, welchebestimmt ist, Gebäude in Brand zu stecken und den Feind daraus zu vertreiben,oder ihm doch wesentlichen Lchaden zuzufügen. Zni Allgemeinen kann man jede