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Brandkugel Brandt (Sebastian)
Granate und Bombe unter diesem Ausdrucke verstehen, indem sie oft, besonderswenn sich Stücken geschmolzenen Zeugs, das aus Salpeter, Schwefel und Mehl-pulver besieht, in ihnen befinden, zu diesem Zwecke gebraucht werden; im engernSinne und gewöhnlich bedeutet das Wort: Brandkugeln (Carcassen); diese be-stehen aus zwei kreuzweise zusammengeschmiedeten eisernen Reifen; einem hohlenKugelsegment am Boden und einem um die Reifen dem letzter» parallel geleg-te» streifen Eisenblech. Dies Gestell wird in einen zwillichnen Sack gethanund mit einer Mischung sehr brennbarer Gegenstände, meist aus Pech, Kornpul-ver, Mehlpulvcr, Talg.und Werg bestehend, gefüllt. In ein oben angebrachtesMundloch kommt ein gewöhnlicher Granatenzünder, und die Brandkugel wird nunaus Mörsern oder auch aus Haubitzen von verschiedenem Ealiber geworfen. Brand-bomben find von den gewöhnlichen Bomben durch etwas geringere Eisenstärke und3 — 4 neben dem Mundloch eingeschnittene, diesem gleiche Öffnungen unterschie-de», durch welche letztere der Brandsatz, welcher dem oben angegebenen ähnlich ist,herauobrennt. Uneigentlich rechnet man auch die Leuchtkugeln zu den Brandge-schossen. Das Gestell zu denselben ist dem der Brandkugeln gleich. In sie, wieauch in die Brandkugeln, werden oder wurden wenigstens sonst Stücke von zer-schnittenen alten Musketenläufen gebracht, deren innere Mündung verstopft, dieäusiere aber offen war, und in die Schüsse geladen wurden, die, sobald das Feueran sie kam, losgingen und daher die Gegner hinderten, sich den Kugeln zu sehr zunahen und sie durch darüber geworfene Erde u. dgl. zu ersticken. Man nannte diesMordschläg e. Der Zweck der Leuchtkugeln ist, bei Nacht einen gewissen Um-kreis zu erleuchten; doch thun sie dies weit unvollkommener, als man meinen undwünschen möchte, da bei einer Belagerung außerhalb eines Umkreises von 100 bis200 schritten von der Leuchtkugel meist nicht zu unterscheiden ist, was man ei-gentlich vor sich hat. — Wollte man den Begriff von Brandgeschoß möglichstausdehnen, so würde man auch die Feucrpfeile, die, mit Werg umwickelt, in al-ten Zeiten brennend in eine Stadt, um diese zu entzünden, geschossen wurden, unddie Drandschwärmer, die man noch jetzt, um zu zünden, aus Musketen auf Stroh-dächer, in iLchcuern u. dgl. schießt, dazu rechnen. 32.
Brandkugcl, s. Brandgeschoß und Carcasse.
Brandsilber, das von allen unedel» Metallen geschiedene und imFeuer völlig gereinigte Silber.
Brandt (Sebastian), genannt Titio, geb. zu Strasburg 1453, starb da-selbst als Kanzler (Skadtsyndicus) 1520. Er hatte in Basel die Rechte studirt, da-selbst proinovirt und mehre Jahre mit vielem Beifall Vorlesungen über seineWissenschaft gehalten. Außer seinen juristischen Kenntnissen erwarb ihm auch seinDichtertalcnt grossen Ruf, und Kaiser Maximilian I. berief ihn mehrmals an sei-nen Hof. Vorzüglich hat seinen Ruf begründet das „Narrenschiff oder das Schiffaus Narragonien", welches die Laster und Thorheiten seiner Zeit schildert (zuerstgedr. Basel 1494, 4., viermal in Einem Jahre und seitdem oft wiederholt undin fast alle europ. Sprachen überseht). In Deutschland war eS wol ein Jahrhun-dert lang ein echtes Volksbuch, so bekannt und geehrt bei allen Classen, daß der be-rühmte deutsche Prediger Geiler von Kaisersberg zu Strasburg darüber öffentlicheKanzelreden hielt. Man findet in diesem Buche eine Reihe von Sittenlehren undSatyren über alle Arten von Lastern, Untugenden und Mißbrauchen im bürgerli-chen und häuslichen Leben, die als Narrheitcn betrachtet und in 113 Capitel ver-theilt sind, welche aber unter sich keinen Zusammenhang haben. Der Vertrag istim Ganzen wenig poetisch, oft gelehrt, doch fehlt es nicht an glücklichen und feinenWendungen, zuweilen ist er körnig und gedrungen, und das „Narrenschiff" bleibtmnner ein schätzbares Buch, voll gesunden Verstandes, tüchtiger Moral, gerader