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Brasilien (Geschichte von 1500 bis 1808)
ländereien, die an den großen Flüssen lagen, verschenkt worden. Die Besitzer die-ser Dotationen warben Abenteurer und kauften Negersklaven zu Tausenden, unter-jochten oder vertrieben aus ihren Districten und deren Hinterwäldern, so weit ihrArm reichte, die Ureinwohner und regierten dann ihre Herrschaften mit ziemlichunabhängiger Willkür. Ähnliche Dotationen hatten vom Könige die Missionen derJesuiten erhalten. Sie organisirten aus den bekehrten Heide» und deren Nach-kommen eine tapfere Landmiliz und trugen das Schwert und den Segen des Glau-bens immer weiter ins Innere. Ebenso unabhängig als die weltlichen Grund-herren, vereinten sie die bekehrten Wilden, als seßhafte Landlente, in Dörfern undKirchspielen an den Strömen. Auch brachte der berühmte Jesuit Vieyra die Cul-tur jener Gewürzpflanzen in Aufnahme, mit denen Holland bis dahin allein gehan-delt hatte. Als nun diese brasilischen Grundherren die oben erwähnte Abfindungs-summe für die Niederländer aus ihren Mitteln aufgebracht halten, so bestätigteund erweiterte die portug. Regierung ßnnmtliche Vorrechte der alten Plantagen-besitzer, mit Ausdehnung auf de» jetzigen und künftigen Besitzstand dieser edeln Ge-schlechter. Allein in der Folge vermehrte die Regierung ihre eignen Monopolienund schuf sich Regalien wider den Willen der alten und reichen Landherren; ja sieging so weit, die hohen Verwaltungsämter in der Colonie nicht, wie cS in den Pri-vilegien der Gutsherren lag, an Eingeborene und nicht einmal an die Nachkommender in Portugal gebliebenen befreundeten Geschlechter, sondern an edle Portugiesenohne historischen Namen z» verleihen, da doch die Colonie sehr wohl wußte, daß siesieb selbst, und nicht Portugal , vom Joche der Niederländer befreit hatte. Selbstvon 1808-—1821, so lange der Hof in Rio-Ianeiro residirte, dauerte der Vor-zug der geborenen Portugiesen vor den eingeborenen vornehmen Geschlechtern in denhohen Staatsämtern fort, und es wurde sogar das Abgabensrstem auf die Landes-producte Brasiliens und auf die Einfuhr der Dinge, die der brasilische Adel fürsich und seine Sklaven bedurfte, erhöht. Endlich erschwerte die Regierung dieVer-mehrung der Letzter», welche der reiche Gutsherr zur neuen Anlegung von Planta-gen nicht entbehren zu können glaubte. Auch war des Hofes fiscalischer Rechts-sah, daß Gold und Edelsteine in einem Boden, den der Vasall sein nannte, darum,daß er bisher die Bodencultur durch Goldwäsche und Nachgrabung um Diamantenversäumt hatte, bei etwaiger künftiger Entdeckung solcher Reichthümer, ein Kronen-gut oder wenigstens ein Gegenstand hoher Besteuerung sein sollte, den Vasallenanstößig. Die Krone hakte freilich in den alten Plantagenprivilegien an solcheBenutzungsmöglichkeit nicht gedacht und sich daher auch solche nicht vorbehalten.Selbst die Humanität der Regierung, das Schicksal der vorhandenen Sklavendurch Gesetze zu verbessern, war mißfällig, weil es eine Verletzung des wohlerwor-benen Eigenthums zu sein schien, hierin ohne Zustimmung der Herren zu verfügen.Außer Rio-Zaneiro, also im nördlichen, folglich fruchtbarern Theile, vermehrtesich durch Einwanderung in den großen Seestädten und deren Nachbarschaft dieZahl junger Kaufleute aus Staaten, wo man freisinniger dachte als in Brasilien ,und selbst ans Deutschland , sehr auffallend. Natürlich fühlten diese auf Gewinnrechnenden Ankömmlinge den Druck des schweren Abgabenftstems und des Mono-polwesens der Regierung. Um nun den Schleichhandel freier treiben zu können, leb-ten sie in einem öffentlichen Kriege mit der Regierung. Zu diesen Mißvergnügtenkamen noch die vielen entlassenen MilitairS, die aus Portugal eintrafen und vomHofe für ihre Anstrengungen belohnt zu werden hofften, bei der Armuth der Finan zenaberNichrsfandenalsDereitwilligkeit, ihnen Land abzutreten, dasfürdiese Kriegerkeinen Werth hatte. Noch schiffte aus Europa nach Babia und Pernambuco eineZahl Menseben, die eigenthumslos, aber nicht ganz ohne Kenntnisse, dort aufjcaemWege ihr Glück machen wollten. Endlich war in Brasilien die eingeborene niederePfarrgcistlichkeit sehr mißvergnügt, weil, selbst während der Hof in Brasilien resi-
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