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Zweiter Band. Bo bis C.
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Brasilien (Geschichte von 1808 bis 1822 )

dirte, vornehme Portugiesen dortdie wichtigste» Kirchenänuer erhielten. Dies Llllesmußte, ebne daß man deniokratische T keorien den Brastlianern zutraut, den Wunschnach Unabhängigkeit in der Brust des Brasilianers ebenso sehr aufregen als den Haßgegen die geborenen Portugiesen verstärken. Aus beiden entwickelte die neuesteZeit einen mehrjährigen Parteienkampf, dessen Ergebniß das neue Kaisei thun war.

Esbegann nämlich mir der Verlegung der portug. Regierung nachBrasilien vom 19. Jan. 1808 an, als diekönigl. Familie in Bahia landete, undvon wo sie im März 1808 ihren Eitzund die Regierung nach Rio-Ianeiro verlegte,bis znr Abreise des Königs Johann VI. nach Lissabon , die am 26. April 1821 er-folgte, für Brasilien ein neues politizches Leben. Sebon am 28. j)an. 1808 wurde»die gestimmten Häfen Brasiliens der unbedingten Einfuhr von allen befreundetenund neutralen Schiffen, sowie der Ausfuhr der brasilischen Erzeugnisse gegen Erle-gung eines bestimmten Zolles, mit alleiniger Ausnahme des Brastlienholzes, eröffnet.Run trat Brasilien auch mit Deutschland m eine unmittelbare Verbindung, welcheanf Aiib,»,, Bildung und Handel gleicb vortbeilhaft einwirkte. Der mit Englandzu Rio-Zaneiro am 19. Febr . 1810 abgeschlossene Bundes-und HandelSverwagerlaubte den Briten, sogar Kriegsschiffe in den Häfen von Brasilien bauen undausbessern zu können; und der damalige Prinz-Regent von Portugal versprach,die Inguisikio» nie in Brasilien einzuführen, auch zur Abschaffung des Sklaven-baudels kräftig mitzuwirken, mit Ausnahme der portug. Besitzung in Afrika . Hier-aus gestatt-te das Deerct vom 18. Nov. 1811 allen Völkern die feie Schiffsahrtvon und nach Brasilien. Nun sprach der Prinz-Regent 1815 Brasiliens Selb-ständigkeit und gleichmäßige Berechtigung mit Portugal aus. Er erhob dasselbeden 16. Dec. 1815 zum Königreiche. Endlich ward durch die Vermahlung desKronprinzen (nunmehrigen Kaisers) von Brasilien,Don Pedro, mit der ErzherzoginLeopoldine, Franz I. von Ostreich Tochter, 6. Nov. 181' (gest. den 10. Dec. 1826),Deutschland , auch in Hufficht auf Wissenschaft und Handel, mit Braglien m viel-fache Berührung gebracht. Die Regierungin Rio-Ianeiro gestattete jetzt den Nach-forschungen einen freien Weg; so durfte der Engländer Mawe die Diamantgruben,so der Herr von Escbwege (nachmalsBegründer der nassen Pochwerke und Aufseherdes MmeraliencabinekS in Rio ) zu Villarica die Gebirge von Minas-GeraeS unter-suchen, und das neueste Werk über Brasilien von Martins und Spip enthält ähn-liche Beweise, wie eifrig selbst ein königl. Minister, Conde da Barca, solche wissen-schaftliche Untersuchungen beförderte. Da Brasilien nach seinem Boden undKlima der Hauptstapelort aller Colomalwaaren werden kann, so haldie Regierungdie 'Ansiedelung der Fremden seit 1809 sehr begünstigt und zum Anbau von Zucker,Caffee , Baumwolle w., sowie von Weizen, Reis und Mais, die hier jährlich 2Ernten geben, den Fremden große Strecken Landes (Or-mwi ü,-,), von einer Legoa(22,500F.) Breite lind 3 Legoas Tiefe, gegen geringe Kosten überlassen. Eächicei-zer und Deutsche (wie Freyreiß, Baron v. d. Busche und Paycke aus äMnburg)gründeten daher große Niederlassungen. Herr von Langsdorf in Rio-Ianeiro istdabei vorzüglich thätig gewesen, und seine „Bemerkungen über Brasilien" (Hei-delb. 1821) enthalten für auswandernde Deutsche viel Belehrendes. Nach ihmbeträgt der Ertrag des WelschkornS gewöhnlich 130 Mal, und der des Reises 80Mal die Aussaat. Der Eaffeebanm, welcher im Durchschnitt jährlich 1PPfundBobnen in Westindien gibt, liefert in Brasilien wenigstens 2 — 3, und nicht sel-ten 5— 6 Pfund. Allein der Mangel an Industrie machte damals den Lebens-unterhalt in der Hauptstadt und in deren Umgebungen äußerst kostbar, sowie dergänzliche Mangel an Heerstraßen und Transportmitteln den im Innern des Lan-des erzeugten Producren fast allen Werth benahm. Ohne bedeutende Geldmittelkann dalv'r kein Fremder das ihm geschenkte Land anbauen, und noch immer istBrasilien lveit entfernt von jener Gleichheit der Rechte, welche einem Jeden den