Brasilien (Geschichte von 1808 bis 1822) lüö
vollen Gebrauch seiner Kräfte sichert, sowie von jener Tolerant, welche allen Reli-gionsbekenntnissen Schutz und Gewissensfreiheit gewährt. Daskönigl. Decretvom16. Märt 1820, das die Llusiedelung der Fremden durch 1jährige Abgabenfreiheitbefördert, wird daber ohne jene Bedingungen nie die Erfolge hervorbringen, welchedie Colonisakion des rauhen und minder einladenden Nordamerika gebabt hat.
Die auswärtigen Verhältnisse Brasiliens waren dessenungeachtet nicht vondurchaus friedlicher Art. Spanien weigerte sich, nach dein Beschlusse des wienerCongresses, -Olivenza an Portugal zurückzugeben, deswegen ward von Brasilien dieBanda--Oriental mit ihrem Hauptorte Montevideo — ein vormaliger Bestandtbeilder span. Provinz Buenos-Aures — in Besitz genoiiiincn und gegen die Ansprücheder zur Unabhängigkeit gelangten Republik Buenos-Ai'res auf dieses Land mirNachdruck behauptet. Ein Aufstand in Pernambuco (April 1817), wo eine Par-tei die Fahne der Republik erhob, ward durch die in Brasilien stehenden portug.Truppen unterdrückt. Als aber in Portugal (August 1820) die Revolution aus-brach, welche die Aufstellung einer Verfassung beabsichtigte, so verlangten auch inund für Brasilien die portug. Truppen daselbst eine Verfassung. Don Pedro, derKronprinz, erklärte hierauf in seinem und seines Vaters Namen (26. Febr. 1821)die Annahme der portug. Verfassung. Nun ordnete der Konig Johann r l.(7.M,wz)die Wabl der Abgeordneten Brasiliens zu den in Lissabon versammelten Cortes anund wollte sich mit ihnen .'.ach Lissabon einschiffen. Da er aber der Bank die Vor-schüsse nicht erstatten konnte, so gab es in derselben blutige Auftritte. Der Königverwandelte daher die Bank in eine Natioualbank und wies ihr zur Deckung derentlehnten Summen die Verwaltung und den Verkauf der Diamanten an. Baldnachher sah sich der König genöthigt, die Versammlung der Wahlmänner, welchedie Annahme der span. Constitution verlangten, durch dasMilirair(21. u.22.'Apr.)auseinanderzusprengen. Dagegen wiederholte er die Bestätigung der (noch nichtvollendeten) portug. Verfassung und ernannte (22. Apr.) seinen Sohn Don Pe-dro zum Prinzen-Regeuten von Brasilien . Nun erst schiffte er sich (26.
,-Apr.) nach Portugal ein. Als aber die portug. Corteö auf die von den Brasstliern gefederte völlige Gleichstellung der bürgerlichen und politischen Verbalnüsseund auf eine gleiche Nakionali epräsentarion nicht eingehen wollten; als sie, ohnedie Ankunft der brasilischen 'Abgeordneten zu erwarten, die '.Artikel der Verfassung,welche Brasilien betrafen, entwarfen und die Zusatzartikel der brasilischen Abgeord-neten zurückwiesen; als erolich die portug. Cortes es aussprachen, das; Brasilien ,in Gouvernements getheilt, von Lissabon aus durch das-Lttaatsministerium regiert,lind der Prin;-Regent nach Europa zurückgerufen werden sollte: so entstanden dar-über (Der. 1821) inRio-Janeiro und in den einzelnen Theilen Brasiliens so heftigeBewegungen, daß man dein Priuzen-Regenken geradezu erklärte, seine Abreise wei dedie Verwandlung Brasiliens in eine unabhängige Republik bewirken. Der Prinzbeschloß hierauf in Brasilien zu bleiben und gab darüber (6. Jan. 1822) eine öffent-liche Erklärung an seine» Vater, an die Cortes in Portugal und au das Volk Bra-siliens. Die portug. Truppen wurden aus Brasilien entfernt; der Prinz-Regent nahm(13. Mai 1822) den Titel eines ewigen Vertheidigers von Brasilien an und rief in»Juni eine aus 100 Abgeordneten gebildete Nationalversannnlung Brasiliens zur'Ab-fassung einer besondern brasilischen Verfassung zusammen. Die Cortes in Lissabon dagegen erklärten dies (19. Sept. 1822) für ungültig und verlangten die Rückkehrdes Prinzeu-Regenren nach Europa unter dem angedrohten Verluste seines Thron-rechts. Unterdessen hatte aber die Nationalversammlung Brasiliens (I. Aug. 1822)die Trennung Brasiliens von Portugal ausgesprochen und (12.Öct.i denDon Pedro zum verfassungsmäßigen Kaiser Brasiliens ernannt. Der neue Kai-ser verband damit den Titel eines immerwährenden Vertheidigers von Brasilien .
Bald nach der Errichtung des Kaiserthums begann der Kampf der Monarchie