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Brasilien (Kaiserthum seit 1822)
mit der republikanischen Partei. Zu dieser gehörten viele Freimaurer. DonPedro, der sich kurz vorher zum Großmeister sämmtlicher Freimaurer in Brasilien erklärt hatte, befahl daher, alle Logen zuschließen, und der von ihm versprocheneCongreß, welcher eine Consiitution absoffen sollte, ward nicht berufen. Damalsbesaßen die beiden Bruder Andrade: Zofe Bonisacio, Minister des Auswärtigenund des Innern, und MartinF. Ribeiro, Finanzminister, vorzüglich der Erstere, dasganze Vertrauen des Kaiü-rs. Das Schwierigste war, seine Anerkennung in Eu-ropa zu bewirken. Denn Don Pedro hatte die neue Würde, in Folge des Grund-satzes von der Volkssouverainetät i» einer vom Mutterlande abgefallenen Eolonie,erhallen; auch handelte es sich darum, ob er nicht seinem Rechte auf die KronePortugals entsagen solle. Indeß hatte ihm sein Barer, als er am 26. Apr. 1821Brasilien verließ, Vollmacht gegeben, Alles zu thun, was nöthig sei, um diesenStaat dem Hause Braganza zu erhalten. Gleichwol konnte die Sendung des Ma-jors Lchaffer nach Wien die Anerkennung des neuen Kaisers bei seinem Schwieger-vater, dem Kaiser von Östreich, nicht bewirken. Unterdessen eroberten brasilische Trup-penMontevideo, das noch eine portug. Besatzung hatte, im Dec. 1823, worauf dieBanda Oriental unter dem Namen „Eisplatino" niit Brasilien verbundenwurde, sowie Bahia , das eine porrug. Besatzung unter dem General Madeira ver-theidigte. Lord Cochrane , brasil. Admiral, sperrte den Hafen seil dem 26. März 1823.Madeira, durch Hunger zur Übergabe genöthigt, segelte während der Verhandlungin der Nacht zum 2. Juli nach Europa , und die brasil. Truppen rückten ein. —Im Innern hatte Don Pedro 2 Parteien zu bekämpfe»: die altportugiesische,die schwächere, und die republikanische, die stärkere. Letztere war vorzüglich inPernambuco mächtig. Die Andrade suchten beide durch die Vorbereitung einerder britischen nachgebildeten freien Verfassung zu gewinnen; allein ihre durch Hin-dernisse aller Art und lauten Widerspruch gestörte Verwaltung nöthigte sie zu will-kürlichen Maßregeln und zu Verhaftungen. Sie behandelten die Unzufriedenenals Earbonari und erregten dadurch den Verdacht, daß der Kaiser nach einer un-umschränkten Gewalt sirebe. Endlich beriefen sie die CvrteS von Brasilien , derenSitzung der Kaiser am 3. Mai 1823 eröffnete. Don den 20 Mitgliedern, welcheunter 60 (statt 100) gegenwärtigen Mitgliedern die Opposition bildeten, warAranjo Lima der Beredteste. Die Minister sehten es durch, daß die geheimen Ge-sellschaften verboten wurden, was ihnen Gelegenheit gab, noch viele republikanischGesinnte verhaften zu lassen. Darüber nahm das öff.ntliche Mißvergnügen zu,und als der Kaiser, durch einen Sturz niit dem Pferde stark beschädigt, einen Mo-nat lang nicht öffentlich erschien, erhoben die Feinde der Minister um so kühner ihreStimme und erließen sogar drohende Vorstellungen an den Kaiser. Die Ver-hafteten wurden von dem obersten Gerichtshöfe freigesprochen, und der Kaiser fandsich bewogen, die beiden Andrade am 16. Juli 1823 zu entlassen. Nun erhieltD. Joag, de Carneiro Eampvs (ehemals Pros. der Mathematik am Evllegium zuLissabon ) die Leitung des Auswärtigen, und D. Man. Jacint. Figueroa da Gamadie der Finanzen: Anhänger der politischen Grundsätze von 1791.
Unterdessen war die königl. Gewalt in Lissabon im Mai 1823 wiederherge-stellt worden; allein die Drasilier erklärten sich nur um so lauter für eine freieVerfassung und für die Trennung von Portugal . Der Kaiser nahm daher denvom^König, seinem Vater, abgeschickten Commissair, den Grafen de Rio Mayor(6. Sept. 1823), nicht an, weil derselbe die Anerkennung der Unabhängigkeit Bra-siliens nicht zusichern konnte. In derselbe» Zeit genehmigte der Congreß eine An-leihe von 24 Million Pf. St. in London , die seitdem noch um 700,000 Pf. St.vermehrt worden ist, (Statt 100 wurden 75 baar bezahlt und mit 6 jährlich ver-zinst !) Endlich wurde der VerfaffungSentwurf vom 10. Aug. 1823, den die Na-tionalversammlung mit einigen Abänderungen angenommen hatte, dem Kaiser vor-