174 Braunschweig (L. E., Herz. v.) Braunschw.(Ferd., Herz.v.)
der jüngste Sohn des Herzogs Karl von Draunschweig, geb. zu Wolfenbüttel1752,wurde von dem Abt Jerusalem unterrichtet. Er studirte zu Skrasburgdie militairi-schen ». a. Wissenschaften, bereiste unter Lessing's Führung Italien und trat 1776,als Chef eines Infanterieregiments, zu Frankfurt a. d. O. in preuß. Kriegsdienste.In dieser Statt, die seit 1776, wo er aus dem baierischen Erbfolgekriege zurück-kam, sein beständiger Aufenthaltsort war, erwarb er sich durch eine seltene Her-zensgute, womit er einen durchdringenden Verstand und unermüdlichen Eifer fürdie Wissenschaften verband, die allgemeinste Verehrung. 1780 dankte es ihmFrankfurt fast allein, daß die Wasserflut den Damm nicht durchbrach, und dieVorstadt gerettet wurde. Gleiche Thätigkeit zeigte er bei den Feuersbrünsten,welche diese Stadt betrafen. Oft stieg er in Dachstuben hinaus, um Elende undKranke aufzusuchen; denn Menschenliebe war sein Leben. In ihrer Ausübungfand der etelmüthige Fürst seinen Tod, als er bei einer Überschwemmung am27. April 1785 den Vorstädtern auf einem Kahne zu Hülfe eilen wollte. Die ihmgestifteten Denkmäler bezeugen die Achtung, die er sich während seines kurzen Le-bens erworben halte.
Braunschweig (Ludwig Ernst, Herzog v?, dritter Sohn Herzogs Fer-dinand Albrecht v. Braunschweig-Lüneburg , ged. 1718, trat in kaiserl. Dienste,1750 als Feldmarschall in die der Republik Holland , war seit 1759, während 7Jahren, Generalcapitain der Union und adininistrirender Vormund des Erbstakt-halterS, und hatte der Republik indem langen Kriege der benachbarten See-undLandmächte seit 1751 die Neutralität erhalten. Zufolge der 1766 von dem Her-zoge beschworenen Consultationsacie hatten ihn die Generalstaaten nach der Voll-jährigkeit des Erbsiatthalters diesem als Rakhgeber zur Seite gesetzt. Aber es ge-lang der patriotischen Partei, gegen diesen Fürsten Verdacht bei teni Volke zu erre-gen, und man machte ihm selbst das Recht, s ine Ankläger vor Gericht zu ziehen,streitig. Endlich überredete man den Ei bstatthalter, daß, wenn der Herzog freiwilligsich in sein Gouvernement nach Herzogenbusch begäbe, alle Unruhen aufhören wür-den. Der Herzog gab nach und zog sich am 21. Mai 1772 dorthin zurück. Alleinwas er dem Erbstatthalter vorhergesagt hatte , traf nur zu bald ein : die Mißver-gnügten griffen nun diesen an, ohne darum den Herzog außer Acht zu lassen. Erstarb 1788. Schlözer hat in seiner meisterhaften Deriheidigungsschnft des Herzogsdie Sache vor den Richterstuhl des Publicums gebracht. Indeß bleibt so viel wahr,daß des Herzogs Hervorziehen des Adels und der Fürstensehne im Militair vor dengeborenen Holländern der wahre Grund des Hasses der Magistraturgeschlechter, dieer selten bei der Municipalregicrung anstellte (welche er als Sinecuren Höflingengab), gegen ihn war.
Brau „schweig (Ferdinand, Herzog v.), geb. am 11. Jan. 1721 zuBraunschweig, der vierte Sohn Herzogs Ferdinand Albrecht , wurde für den Miii-tairstand erzogen. In seinem 18. I. durchreiste er Deutschland, Holland, Frank-reich und Italien , und trat 1739 als Oberster und Chefeines Regiments in preuß.Dienste. Die schlesischen Kriege waren für ihn eine Schule, in welcher er sich ZumAnführer bildete. Nachdem er im Anfange des siebenjähr. Kriegs die Schlacht beiPrag zum Vortheil der Preußen entschieden und bei a. Gelegenheiten die glänzend-sten Proben seines Heldenmukhs und FeldherrnialenkS gegeben hatte, übertrug ihmder König gegen das Ende 1757 den Oberbefehl über das verbündete Heer in West-falen . Er entwickelte als Heerführer, stets einem ungleich starkem franz. Heere ge-genüber, den ganzen Reichthum seines Talent?. Sein trefflicher Rathgeber war dernachmalige Landdrost von Westfalen, der als Amtmann zu Rendsburg im dänischenStaatsdienste starb. Ferdinand vertrieb die Franzosen au? Niedersachscn, Hessen und Westfalen, und siegte in 2 großen Schlachten, bei Crefeld und Minden. (S.Siebenjähriger Krieg.) Nach dem Frieden wurde er durch eine Spannung,