Braunschweig (Karl Wilhelm Ferdinand , Herzog v.) 175
die zwischen ihm und dem Könige entstand, bewogen, seinen Abschied zu nehmen.Seitdem lebre er in Braunschweig oder in der Nähe auf s. Lustschlosse Vecheldeund widmete s. Muße maurerischen Beschäftigungen; auch sorgte er für kett Unter-richt armer talentvoller Jünglinge. Jedes wissenschaftliche und künstlerische Stre-ben fand in ihm einen Beschützer; besonders Maler und Musiker. Dabei zeigte ereine unbegrenzte Wohlthätigkeit gegen Arme. Nur ließ er sich von gehaltlosenGünstlingen leiten und mißbrauchen; auch neigte er sich zu sehr zum Ausländi-sche», besonders zu den Franzosen , hin. Er starb am 3. April 1792, von allenMenschenfreunden, besonders von den Armen, beweint.
Braunschweig (Karl Wilhelm Ferdinand , Herzog v.), einerderver-dienstvollsten, aber am Ende seines thätigen Lebens einer der Unglücklichsten Fürstender neuern Zeit, war den 9. Oct. 1735 geb. und der älteste Sohn des regier. Her-zogs Karl von Braunschweig und einer Schwester Friedrichs des Großen. Mitseinem 7. Jahre wurde seine Erziehung dem Abt Jerusalem , damal. Hofpredigerzu Wolfenbüttel , übertragen; seit dem 12. besuchte er unter Ierusalem'S Leitungdas eben gestiftete (.'.„IW^iun, Nuroiiiiuni. Zum Führer hatte er den talentvollen,aber sehr unmoralischen Kammerherrn von Witterst Früh regte sich in ihm dieBegierde nach Ruhm, welche durch die Thaten Friedrichs II. immer lebendigerwurde. Der siebenjährige Krieg gab ihm die erste Gelegenheit, seine Talente zuentwickeln. Er führte die braunschw. Truppen zum Heere der verbündeten undbewies in der für sie unglücklichen Schlacht bei Hastenbeck, am 28. Juli 1757,nach Friedrichs II. Urtheil, daß ikn die Natur zum Helden bestimmt habe, indemer eine von den Franzosen im Mittelpunkte des verbündeten Heers genommeneBatterie wiedereroberte. Am 23. Juni 1758 entschied er den Sieg von Erefeld.An Allem, was die Armee unter seinem Oheim Ferdinand ausführte, nühmerdenthätigsten Antheil, und FriedrichsAchtung gegen ihn stieg immer höher, wie dessen„Gesch. des siebenjähr. Kriegs" und dessen „Ode aus den Erbprinzen von Braun-schweig" beweisen. Nach jenem Kriege vermählte sich der Prinz 17k l mit derPrinzessin von Wallis, Auguste. Da er frühzeitig die wahre Lage seines Vater-landes kennen gelernt und aus der steten Verlegenheit, in welcher sich sein Vaterbefunden, eine heilsame Lehre geschöpft hatte, so machte er sich, noch ehe er ZurRegierung kam, die größte Sparsamkeit zur Pflicht, und lebte, meistens von Ge-schäften entfernt, nur den Wissenschaften und Künsten. 1773 trat er in preuß.Kriegsdienste und ward General der Infanterie, hatte aber keine Gelegenheit, seinekriegerischen Anlagen vollkommen auszubilden. Nach seines Vaters Tode (1780)trat er die Regierung mit Ernst und Thätigkeit an. Zuerst auf die nothwendigeVerbesserung der Finanzen bedacht, beschränkte er seine Hofhaltung, vermindertedie Landesschulden, munterte den Ackerbau auf, beförderte die Freiheit des Han-dels, unternahm und unterstützte ansehnliche Bauten, und sorgte auch für dasöffentliche Vergnügen, indem er z. B. unentgeltlich italienische Opern, Redoutenu. dgl. geben ließ. Dennoch hatte er das Unglück, oft bei dem besten Willen denbeabsichtigten Endzweck entweder ganz zu verfehlen oder nur theilweile zu erreichen.Dies war der Fall bei der Verbesserung des öffentlichen Unterrichts und der Er-ziehung, zu welchem Zwecke er mit großen Kosten Gelehrte in seine Staaten zog,die, da jener Verbesserung unzählige Hindernisse in den Weg gelegt wurden, durchdie Gehalte, die sie zogen und für die-sie keine Geschäfte hatten, dem Staate zurLast sielen. 1787 Mußte er sich an die Spitze eines preuß. Heeres stellen, um denholländischen Erbstatthalter in seine Rechte wiedereinzusetzen. Die Leichtigkeit,mit welcher dieser Feldzug beendigt wurde, erwarb dem Herzoge vielleicht mehrRuhm, als er verdiente. Man erwartete dasselbe von ihm, als der franz. Revo-lutiorskrieg ausbrach. Der Herzog erhielt den Oberbefehl über das öflreich. undpreuß. Heer, und erließ den 15. Juli 1792 in Koblenz jenes Manifest, das ein