Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
188
JPEG-Download
 

188

Brcislak's System der Geologie

geistvollen Modificationen dem der gemäßigten Vulkanisiert an. Nach B. war diechaotische Masse, aus welcher sich die Erde, vorzüglich durch die Rotationsbewe-gung, gestaltete, durch den Därmestoff (nicht durch das Feuer in seiner jetzigenGestalt) flüssig, und erhärtete, indem der bisher freie Därmestoff in den gebunde-nen Zustand überging, in welchem er sich jetzt in den Körpern befindet und durchReibungen oder chemische Zersetzungen befreit werden kann. Nach dieser Gruntan.sicht führt B. sein System mit großem Scharfsinne, gestützt auf zahlreiche Beob-achtungen, durch; doch verleitete ihn nicht selten sein Feuereifer, in ähnliche Feh-ler zu verfallen, als die sind, welche er an den Neptunisten rügt. Er übersah, beider Erklärung des Baues des Erdkörpers, wie in diesem mehre mächtige Natur-kräfte sowol das Entstehe» bewirkten, als auch zu seiner fernern Ausbildung un-unterbrochen thätig sind. Das Bestreben, alle hierher gehörige Untersuchungen aufEin Princip zu leiten, veranlaßt die Aufstellung einer einzigen Urkrast, welche beidem Entstehen des Erdkörpers vorwaltend thätig war, und eines Urzustandes, auswelchem alle spätere Abänderungen entwickelt werden. Damit die Erde an den bei-den Polen sich abglätten, die Krystalle sich bilden und das Verwandte in den Ge-birgsschichten sich auffinden könne, wird der Urzustand des ErdkerperS als eine flüs-sige Masse angenommen. Nun kannte die ältere Chemie nur 2 Auflösungsmit-tel, das Feuer und das Wasser, und vernachlässigte dabei das auf der Oberflächeder Erde so thätige Gasförmige und das noch wirksamere Unwägbare, dessen Un-tersuchung in das Gebiet der höhern Chemie leitet. Es mußte deßhalb auch die flüs-sige Erdmasse entweder durch eine Operation des Feuers oder durch Auflösung in ei-nem wässerigen Stoffe entstanden sein. Zm ersten Falle bestand die Erdrinde ausSchlacken eines großen FcuermeereS, im zweiten aber aus mechanischen, höchstenschemischen Niederschlügen des großen UrmeerS. Zur ersten Hypothese bekennen sichgewöhnlich die südlichen Europäer, welche oft auf vulkanischem Boden wohnenoder solchen in der Nähe kaben; zu der Zweiten die nördlich wohnenden Naturfor-scher, welche das große Schauspiel der Fcuerberge nur aus Beschreibungen kennen.Beide Theile suchen in der Beobachtung der Erdschichten Allesauf, um ihre Meinungzu unterstützen. B.'S scharf beobachtendem Blicke konnte es nicht entgehen, daß dieNeptunisten viele Thatsachen der Erdoberfläche zur Sprache brachten, die dem vul-kanischen -Lüsterne nicht zusagten. Auch läßt er nach so fleißigen, eignen Beob-achtungen nicht erkennen, wie er es ahnet, daß die große Natur bei ihren Erzeug-nissen andern Gesetzen gefolgt sei, als ihr engbegrenzte Systeme vorschreiben. Deß-halb dachte er auf eine neue Entzifferung des großen Problems, welche zwischenFeuer und Wasser vermittelnd treten sollte. Diesem Svsteme nach ist B.'s Wär-mcstoff nur insoweit wirksam, daß die Erdmasse eine weiche, teigartige Beschaffen-heit annehmen kann, wozu ein geringerer Grad der Hitze, vielleicht noch unter demSiedepunkte, hinreichen soll. Dieser Wärmcstoff prädominirte bei der jetzigenGestaltung der Erde und ist noch jetzt bei den vulkanischen Erscheinungen überausthätig. — Nach B.'s Systeme befand sich dieser Wärmestoff im Urzustände derErde mit den übrige» Elementartheilen gemengt und trat aus einer Verbindung indie andre, so lange der chaotische Zustand dauerte („Geologie", nach v. Srrombeck'sÜbers, 1. T., §. 90); endlich verband er sich dauernder mit den Stoffen nähererVerwandtschaft aufs innigste, nahm einen bleibenden Zustand an, und die Erdekühlte sich allmählig ab, zuerst auf der Oberfläche, wo sich die Elemente der Ge-birgsmassen nach chemischen Verwandtschaften sammelten. Granit und ähnlicheGebirgSarten entstanden durch Krystallisation, der Urkalk durch Verbindung desElcmentarkalks mit der Kohlensäure, welche die Verbindung des KohlenstoffsMit dem Lauerstoffe erzeugt hatte. Wasser und Luft verbrauchten bei ihrem Ent-stehen vielen Wärmestoff; jenes, bei der Verbindung des Sauerstoffs mit demWasserstoffe, erschien zuerst in Dampfgestalt und dann bei fortschreitender Abkuh-