Breitkopf 191
daselbst den 11. Der. 1776. Nachdem er den alten Classikern ein unausgesetztesStudium gewidmet hatte, wandte er sich zur Philosophie, Literatur und Geschichte.Aus seiner Verbindung mit Bodmer (s. d.) gingen die bekannten Streitschriftengegen die leipziger Schule, d. h. gegen Gottsched, Schwalbe, Triller, Schönaich u. s. w., hervor. Unstreitig trug diese Verbindung mit Bodmer, dem er an Genie,wiewol nicht an Gelehrsamkeit, nachstand, zu dem Rufe bei, den auch er in jenemZeiträume sich erwarb. Übrigens war er weniger eitel und ruhmsüchtig als Jenerund kämpfte mehr für die Sache selbst, als für den Zweck, Aufsehen zu erregen.So sah es auch Breitiugcr ohne Neid und Eifersucht, das; ihm Bodmer fast immervorgezogen wurde. 1730 gab er seine „Bibel der Siebcnzig" in 4 Wuaribdn.,nach Grab'S Edition, heraus, welche er durch eine vatikanische und andre Hand-schriften verbesserte. Zm folg. I. ward er Professor an dem Gymnasium zu Zürich ,wo er seine Gedanken über die Verbesserung des Schulunterrichts in einer Dissert.:„Ue e« ijuost Iiiinilnil !„ -ilustio ^laonii.'itico", darlegte, und von den erstenMagistratSpersouen der Stadt unterstützt, die beabsichtigte Änderung in dem Gym-nasium bewirkte. Allenthalben, wo er Keime von Genie und Talent fand, unter-stützte und befeuerte er sie. Ebenso thätig verwandte er sich für die theologischenLehranstalten Zürichs und wurde Gründer der asketischen Gesellschaft, welche nochbesteht. Die vorzüglichsten -Lchriften Breitinger'S sind: „Kritische Dichtkunst",1740; mehre Schriften über schweizerische Alterthümer, und „Or.itiou» >».1,'wut-s". welche 1776 nach des VfS. Tode herauskamen. Auch hatte er wesent-lichen Antheil an der HerauSg. des ,/17,,^-nir. Ix-lvri".
Breitkop f(Iohann Gottlob Imma»uel),geb.d. 23.Nov.1719 inLeip-zig, wo s. Vater (Bernhard Christoph) in denis Jahre mit einem sehr geringen An-fang eine Schriftgießerei, Buchdruckerei und Buchhandlung angelegt hatte. Ungerngab dieser der Neigung des Sohnes nach, welcher sich den Wissenschaften widmen woll-te. Nach einigen Jahren s.akadem. Studie», in welchen er die Geschäftes. Vaters mitbetreiben helfen mußte, entschloß er sich auch noch Mathematik zu studiren, ohnedabei zu ahnen, zu welchen Erfindungen in s. Kunst ihn der praktische Theil jenerWissenschaft führen würde. Essielcn ihm die Werke Albrecht Dürer'S in die Hände,der bekanntlich die Figuren der Buchstaben mathematisch berechnet hat, um ihneneine schone Form zu geben. Hierauf fußend, machte er die Fortbildung und dasStudium der Buchdruckerkunst, deren gelehrtester Kenner er wurde, zum Hauptge-schäfte s. Lebens. Er sing eine allgemeineÄnderung mit den Schriften an und warddadurch der Wiederherstellet-des guten Geschmacks in typographischer Schönheit fürDeutschland . Als der Vorschlag wiederholt wurde, die deutsche Schrift, die manfür geschmacklos ansah, abzuschaffen und dafür die lateinische einzuführen, erklärteer sich mit Lebhaftigkeit dagegen und legte auf das thätigste Hand an die Verschö-nerung der deutschen Schrift, der er die gothischen Ecken möglichst zu benehmensuchte. Diese Arbeiten beschäftigten ihn bis an s. Tod, ohne daß ihn die Ergebnisseganz befriedigen konnten. Daß er neben s.Bemühungen um die Buchdruckerkunstauchnoch 1755 die Kunst, Notenmit beweglichen Typen zu drucken, aufdie Stufeder Vollkommenheit brachte, auf welcher sie jetzt steht, ist bekannt. Don wenigerpraktischem Nutzen sind s. Erfindungen, Landcharlen, sogar Bildnisse, und endlichchinesische Charaktere mit beweglichen Typen zusammenzusetzen. Obgleich ihmwegen der letzten: Erfindung der Papst Glück wünschen ließ und diepariser Akademieihm ihren Beifall bezeigte, so sind die von ihm dargestellten chinesischen Charakteredoch so mißgestaltet, daß kein Chinese sie wiedererkennen würde, weshalb auch niedavcn Gebrauch gemacht worden. Alle bisher aufgezählte Verbesserungen und Er-findungen beziehen sich aus die Typen. Er suchte aber auch die Metallmasse zu denTypen zu verbessern und ihr die möglichste Härte zu geben. Außerdem erfand ernicht lange vor s. Ende noch eine neue Methode, seinen Schmelzern und Gießern ihre