Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
210
JPEG-Download
 

210

Bricnne

Brieftaube

Richtet gesiimmclten Musterbriefe u. a. berühmt. In der engt. Literatur sind dieBriefe von James Howel, Sir William Temple , Addison, Pope, Swift, Boling-bi oke, der Ladn Montague, Poiuk (Sterne), Ehesterfield und Gray; in der italien .die des Manuzio, Ludovico Dolce , des EardinalS Bembo, Bcntivoglio, BeruardoTasso, die von Lud. Dolce und Annibale Caro gesammelten, die des Piekro Arckino,Lllgarotti lind Gasparo Gozzi berühmt. Auch die Deutschen besitzen ausgezeichneteMuster, wie Lcssing'S, Winckelmann'S, Klopstock'S , Wieland'S, Gellert'S, Weiße'S,Iacobi'S, Garve'S, Abbt'S, Sturz'S, Gleim'S, Dürger'S, Lichtenberg'S, Johannv. Vcüller'S, Matthisson's u. A. Briefe. Wie Bolmgbroke den Brief auch zu Be-handlung wissenschaftlicher Gegenstände (z. B. über das Studium der Geschichte),und Richardson ihn auf den Roman anwendete, so haben die Deutsche » auch indiesen Gattungen Muster: Mendelson'S, Iacobi'S, Herder'S, Johann v. Müller'S,I. Ge. Müller'S didaktische Briese, und Ge.Forster'ü „Briefwechsel" (Lpz. 1829,2 Bde.). 41.

Brieftaube,Briestaubenpost. Die Brieftaube, Pavcdette,t'.n-liiiiib.i l >!»-!!.,, i:>. ist im Oiucnte zu Hause, und daber der Gebrauch, durch tergl.Tauben Briefe bestellen zu lassen, vornehmlich dem Morgcnlande eigen. Die zu die-sem Dienste erkoreneil Taube» beißen im Arabischen Hamahn, haben einen buntenFete, ring um den Hals, rothe Füße mit Flaumen, sind von der Größe eines Reb-hubns und nisten in der Rübe von Menschen. Im Lande Irak , d. h. Ehaldäa, Ba-bylonien und Assvrien, lasse» sich die weißen Tauben an: leichtesten dazu abrichten.Für die erste Posttaube im Allgemeinen gilt die, welche Noah fliegen ließ, und dieibin das Olblatt zurückbrachte. Eine eigentliche Bricftaubenpost legte der SultanNureddin Mahmud (st. 111 t) an. In nocb größere Aiisnahme brachte sie der KhakisAbined Alraser-Lidiv-Allah von Bagdad (st. 1225). Damals kostete ein woblabge-ricbteteS Paar solcher Tauben 1000 Dinare, d. i. arabische Dukaten. Diese Flug-post erbielt sich bis 1258, wo Bagdad von den Mongolen erobert und zerstört wurde.Jetzt halten sich nur noch bisweilen einzelne Große im Orient dergl. Tauben. DieAbrichtilng derselben kostet Zeit lind Geduld. Sobald die Jungen — am liebstenwählt man Männchen und Weibchen — Federn bekommen, sucht man sie mög-lichst zahm zu machen und an einander zu gewöhnen, thut sie dann in einen unbe-deckten Käsig und läßt sie an den Ort schaffen, wohin sie gewöhn! - Botschaftenbringen sollen. Wenn man die eine dann nach einiger Zeit, in der man mit ihnengespielt und getändelt hat, abstbickt, so eilt sie gewiß bald zu der andern zurück, mitder sie gepaart ist. Das Brieschen wird auf das feinste Seidenpapier, auch biswei-len auf eine eigne 'Art, Vozelpapier genannt, geschrieben, der Länge nach unter einenFlügel gelegt und mit einer Stecknadel (die Spitze nicht nach dem Körper z») aneiner Feder befestigt. Es versteht sich von selbst, daß vom Briefe Nichts herabhän-gen darf, damit sich der Wind nicht darin sammle, die Flügel ermüde und so dieTaube nöthige, sich zu setzen. Eine solche Taube kann an einem Tage wol 1000Parasangen, über 600 deutsche Meilen, zurückleaen. Auch in Ägupten gab es 1150solche Brieftaubenposte», zu deren Behuf in Thürmen, die man von Strecke zuStrecke der öffentlichen Sicherheit wegen erbaut hatte, eigne Briesiaubenhäuserangelegt waren. Doch nicht allein bei den Morgenländern finden wir diesen Ge-braucb, sondern auch bei andern Völkern. So sandte schon DeciuS Brutus, nachdes ältern Plinius Erzählung, seine Depeschen aus Modena durch Tauben, und inneuerer Zeit bedienten sich die Belagerten im niederländischen Kriege, zu Harlem1513 und zu Leyden 1511, dieser Taubenpost. 22.

Brien » e (Cardinal de Lonuliie v.), s. Lomßnie.

Drienne, Städtchen im Aube-Depart. (Ober-Ebampagne), besteht ausBrienne-la-Ville und Brienne-le-Chüteau, welche zusammen 285 H. und 3200 §.zählen, mit Fabriken und Weinbau. In der ehemaligen Militair-Adelsschule zu