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Zweiter Band. Bo bis C.
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Broglio (Familie)

er seinen Vater, der eine Hutfabrik hatte, und kam unter Vormundschaft einesVerwandten. Der gelehrte Adrianus FuniuS wurde sein Lebrer in der latein.Sprache. Als Gilles Valkenier in seiner Vaterstadt Bürgermeister geworden war,soderke nach damaligem Brauch der Lehrer seine Zöglinge auf, ein latein. Gedichtauf diese Erhebung des Bürgermeisters zu entwerfen. Auf der Stelle dichtete diesB. mit so reiner Latinität und schöner GcLankenentwickelung, daß sein Gedicht demBürgermeister überreicht wurde. Der junge Dichter wollte nun Gelehrter werden,iizdeß sein Vormund ihn zum Apotheker bestimmte; er war gehorsam, fuhr aber fortzu dichten, und das Publicum munterte ihn durch Beifall auf. Nun wählte erstatt der Apothekerkunst den vaterländischen Kriegsdienst, linker dem berühmtenAdmiral de Ruyter schiffte er sich als Seesoldat 1574 auf einer Expedition nachden westind. Inseln ei». Im Sturm und Uugewiktcr stimmte der Dichter seineLeier. Auf der Höhe der Insel Dominika übersetzte er David's 44. Psalm in la-teinische Verse und dichtere seinen „Celadon, oder das Verlangen nach dein Vater:lande". Als er im Herbst des näml. Jahres nach Utrecht in Besatzung kam, gabihm dieses Winterquartier Gelegenheit, mit Gelehrten Bekanntschaften anzuknü-pfen. Hier gab er eine Sammlung von Gedichten (Utrecht 1684; Prachrausg.Amsterd. 1711, 4.) heraus und übersetzte Rapin's,,Vergleichung des Homer mitdem Virgil", erhielt bald nachher in Amsterdam eine -OfsicierSstclle und hatte Muße,der Musen zu pflegen. Er besorgte eine neue Ausg. von SarmazariuS'ö Gedichtenund PaleariuS'S Schriften, später neue Ausg. von Properz (Amsterd. 1762 und1726, 4.) und Tibull (Amsterd. 1708 u. 1727, 4.) mit gelehrten Anmerk., undbewies dadurch seine vielseitige gelehrte Bildung. Nach dem rySwicker Friedenerhielt er als Hauptmann s. Abschied. Er starb d. 15. Dec. 1707.

Broglio, auch Brog lie, Broglia, eine in den Iahrb. der franz. Kriegeund Diplomatik berühmte Familie, stammt aus Piemont . 1) Franeois Ma-rie, Herzog von B., Marschall von Frankreich, geb. zu Paris d. 11. Hau. 1671,gest. den 22. Mai 1745, nahm seit 1689 an allen Feldzügen in den Niederlanden ,in Deutschland und Italien ruhmvollen Antheil. Auch ward er in diplomat. Ge-schäften gebraucht. Er gjeg oiuch alleGrate, bis er 1734 Marschall von Frank-reich wurde. Im östr. Erbfolgckriege hatte er zuletzt den -Oberbefehl über dieArmeen von Baiern und Böhmen , führte aber das Heer auf die stanz. Grenzen zu-rück, wodurch er sich die Ungnade des Hofes zuzog. — 2) Victor Franko iS,Herzog v. B„ der älteste Sohn des Vorigen, ebenfalls Marschall von Frankreich,geb. d. 19. L)ct. 1718, begann seine Laufbahn in der Schlacht von Guastalla undParma (d. 19.Sept. 1734) und focht in allen Kriegen Frankreichs immer mutbvoll,wenn auch nicht immer glücklich. Im siebenjähr. Kriege kämpfte er unter d'EstrüeSbei Hastenbek und bei Roßbach unter Soubise. Als Oberbefehlshaber war er um soglücklicher bei Bergen. Der Kaiser ernannte ihn zur Belohnung für den hier er-kämpften Sieg zum Reichsfürsten. Mißhelligkeiten uviseßen ihm und dem von derPompadour begünstigten Soubise zogen ihm seine Aurückberufung und seine Ver-weisung ',u. 1789 ernannte ihn Ludwig X V !. beim AuSbrucbe der Revolution zumKriegsminister z er befehligte zugleich die Truppen, welche Paris im Zaun, balte»sollten. DcrAbfall der Nationaltruppen vereitelte alle Maßregeln, und B. wanderteaus. In dem Feldzuge 1792 befehligte er ohne Erfolg eine Abtheilung Ausgewan-derter. Nach Beendigung desselben zog er sich ganz zurück und starb 1804 in Mün-ster im 85 I. — 3) Elaude Victor, der dritte Sobn des Vorigen, ging da-gegen ganz in die Ideen ein, welche die Revolution herbeiführten. Er ward zumAbgeordneten des Adels von Kolmar bei den Generalständen ernannt. Nach derAuflösung der constituirenden Versammlung ward er als Marächal de Camp beider Rheinarmee angestellt, bei seiner Weigerung aber, die Decrete vom 16. Aug. an-zuerkennen, außer Thätigkeit gesetzt, später dieserhalb vor das RevolutioiiStribunal