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Brüdergemeinde
biblischen Stellen, die sie mißverstanden, Christen keinem Gesetze mehr Unterthanund zur Freiheit der Kinder Gattes gelangt wäre». Diese Freiheit suchte» sie inder Absonderung vom herrschenden Kirche,uhume, hielten alle» äußern Gottesdienstfür überflüssig und geriethen dabei auf Schwärmereien, womit sie die Wahrbeitendes Christenthums wunderlich vermengten. Panibeistische Phantasien mischtensie in den Glauben; durch den Dünkel sittlicher Vollkommenheit verwirrten sie dieMoral, und weil sie sich einbildeten, alle sinnliche Triebe ersticken und jeder Ver-suchung Trotz bieten zu kennen, arteten ihre Tugendproben (z. B. gänzliche Ent-kleidungen im Umgänge beider Geschlechter, unschickliche Vertraulichkeiten) bald »ischamlose Unzucht aus, die ihnen den Spottnamen Schwestrones zuzog; Einigesollen sogar ihre Laster mit der Behauptung, daß körperliche Handlungen die LeeleNichts angingen, beschönigt haben. Die Svnode» zu Köln 1306 und zu Trier 1310 beschlossen ihren Untergang, und in den Verfolgungen, die nn» über sie er-gingen, wurden sie theils bekehrt, theils getödret oder zerstreut. Ihre Reste verlo-ren sich unter den Begharden und scheinen zum Theil nach Böhmen gekommen zusein, wo man während der Hnssitischen Unruhen ähnliche Separatisten entdeckte.(Vgl. Adamiten.)
Brüdergemeinde (evangelische) oder Brüderunität, die auch unterdein Namen der Herrnhuter bekannte RcligionSgesellschaft. Sie entstand ausNachkommen der in ihrem Vaterlande verfolgten böhmischen oder mährischen Brü-der (s. Böhmische Brüder), welche sich 1722, unter Begünstigung des Gra-fen Zinzendorf, auf dem Gebiete seines Ritterguts Berthelsdors in der Dberlausitz,an der Mittagsseile des Hutberges, anbauten und ihre Eolonie Herrn Hut (s. d.)nannten. Als mehre nachgekommen,' böhmische und mährische Auswanderer denDrt vergrößerten, und die Verschiedenheit derColonisten i» ihren Religionsbegriffendas Bedürfniß einer gemeinschaftlichen Übereinkunft über feste Regeln des Glau-bens und Lebens fühlbar machte, wurden, unter Leitung des schon früher von derIdee einer Gemeinde nach dein Muster der ersten apostolischen eingenommenenGrafen Zinzendorf , gewisse VereinignnSpunkte festgesetzt, in denen man die Un-terscheidungslehrcn der verschiedene» protestantischen Glaubensbekenntnisse, derenVerwandte sich hier versammelt hatten, unberührt ließ, nur die Grundwahrheitendes Christenthums als Glaubensartikel annahm, und eine nach den Latzungen deralten mährischen Brüderkirche geregelte Verfassung und Kirchenzncht einführte.Unter dem Namen eines freiwilligen Einverständnisses nahmen alle EinwohnerHerrnhntS 1727 diese Statuten an und bildeten so den ersten Ltamm der Brü-dergemeinde, als deren Stifter der von nun an ganz für sie lebende Zinzendorf (s. d.) anzusehen ist. Die Nachkommen jener Ausgewanderten, denen bald durchlandesberrliche Verbote untersagt wurde, noch mehre ibres Gleichen aus Böknnenund Mähren aufzunehmen, machen, wie leicht begreiflich, nur den kleinsten Theildieser jetzt so zahlreichen Gemeinde aus. Um daher den verschiedenen protestanti-schen Glaubensverwandten den Zutritt zu erleichtern und die Einigkeit zu erhalten,finden bei den Herrnhntern 3 Tropen oder Arten des LehrbegriffS stakt: der mäh-rische. zu dem die von jenen Auswanderern abstammenden, und alle, weder aus derlutherischen noch aus der reformirten Kirche beigetretene» Mitglieder gehören, derlutherische und der reformirte. Kinder folgen jederzeit dem Tropus ihrerAltern,und der Übertritt von einem znm andern ist weder erlaubt noch nöthig, da die Ver-schiedenheit dieser Tropen im Innern der Gemeinde verschwindet und alle Gliederin den Lieblingsvorstellungen und '.Ausdrücken ihres religiösen Gefühls, die als einErbtheil der eigenthümlichen Sinnesart des Stifters auf die Gemeinde übergegan-gen sind, in der Unterwürfigkeit gegen ihre Verfassung und in der Kinderzucht miteinander übereinstimmen. Doch wollen sie keineswegs für eine besondere Religions-partei gehalten sein, sondern setzen ihr Eigenthümliches nur in eine genauere Ver-