Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Chor andeutet, zu dem sie gehören; feuerroth tragen es die jungen Mädchen, blaß-roth die ledigen Schwestern, blau die Ehefrauen und weiß die Witwe». Nochiniiner werden andre als unschuldige Gesellschaftsspiele nicht bei ihnen geduldet,Karten und Würfel sind nicht einmal in ihren GenieinlogiS (Gasthäusern) zu fin-den; auch Tanz und Romanenlesen gestatten sie nicht, wie überhaupt kein Vergnü-gen, das die Geschlechter, die selbst auf den Spaziergängen einander vermeidenmüssen, zusammenbringt. So wird das Erwachen der Geschlechrsliebe vor derEhe auf alle Weise verhütet, und selbst junge Leute, die man mit einander verheira-ten will,, sehen und sprechen sich in der Regel nicht eher als bei einer unter Auf-sicht der Ältesten veranstaltete» Zusammenkunft. Wer gegen die Gemeindeordnungund -Sittlichkeit fehlt, wird erst durch liebreiche Ermahnungen, und wo diese nichtfruchten, durch den Bann gezüchtigt, der in der Ausschließung vom Abendmahleund andern Zurücksetzungen besteht, oder endlich veranlaßt, aus der Gemeinde zutrete». Eins der wirksamsten Mittel, jede llnsirtlichkeir von ihnen abzuhalten, istdie anhaltende und angemessene Beschäftigung, die sie allen Gliedern ihrerGemeindezu gebe» wissen. Ihre Arbeitsamkeit und Gescbicklichkeit in Künsten und Hand-werken, die Ausbreitung und Lebhaftigkeit ihres Hantels sind rühmlich bekannt, undohne den Gewerbsteiß wäre es auch unbegreiflich, wie sie die bedeutenden Ausgabenfür ihre öffentlichen Anstalten und Unternehmungen bestreiken könnten. Die Sagevon einer Heilandscasse, in welche jedes Mitglied sein Vermögen werfen müsse, istgänzlich »»gegründet. Allerdings aber verwaltet die IlnüätSAtesten-Conferenzeine der ganzen Gesellschaft angehörende Casse, welche durch die Einkünfte von denGemeingütern, durch den Gewinn an 10 Procent von allen Handelsartikeln derGemeinde, durch jährliche Beiträge der Mitglieder und durch Vermäcbinisse erhal-ten wird. Die 'Abgaben jedes beitragenden Bruders mögen ini Durchschnitt jähr-lich gegen 10 Thaler betragen. Wenn man sie aber auch geringer anschlägt, somüssen die Einkünfte der Casse sehr bedeutend sein, da sieh gegenwärtig die Ge-sannmzahl der beuragsfahigen Mitglieder auf 100,000 belauft. Die Stimmealler Seelen der Brüdergemeinde wurde, mit Einschluß der Negergemeinden, schon1786 auf 500,000 geschätzt. So hat sich diese Gesellschaft, die 1727 nicht über3 bis 100 Seelen zählte, allmälig vergrößert und erweitert. In der Hberlansitzzeichnen sich die Gemeinorte Herrnhut, Nieskv bei Görlitz und Kleinwelke bei Bau-tzen, in Schlesien Gnadenfrei bei Schweidnitz, Gnadenberg bei Bunzlau , Neusalzund Gnadenfeld bei Kofel aus. Ansehnlich sind auch die Gemeinden zu Ncudie-tendorf bei Erfurt, zu Ebersdorf bei Lobenstein , zu ChristianSseld im Schloswig-schen und zu Zevst bei Utrecht . Außerdem gibt es geduldete Herrnhutergemeindenmit eignen Versammlungssälen in Basel, Amsterdam, Harlem, Kopenhagen ,Stockholm, Berlin, Neuwicd, wohin die 1758 vonHerrenhag und Marienborn imIsenburgischen vertriebene Gemeinte ging und ein besonderes Stadtviertel anbaute,in Petersburgund Moskau . In Nußland wurden sie 1764 privilegirt, und bau-ten den durch den Verkehr mir den Tataren und Kalmücken merkwürdigen Gemein-ort Sarepta im astrachanischen Gouvernement. Besonders aber haben sie inEngland Eingang gefunden, wo sie durch eine Parlamentsacte von 1749 als einealte bischöfliche Kirche anerkannt sind. Überall haben sie sich des Schlitzes derRegierungen würdig bewiesen. Sie gehören wegen ihrer Verträglichkeit, Erwerb-samkeit und Genügsamkeit zu den besten Staatsbürgern, beobachten überall dieLandesgesetze und tragen die bürgerlichen Lasten, obgleich sie in der Verwaltungihres Gemeinwesens und in ihrer kirchlichen Einrichtung unabhängig zu bleibenwünschen. Ihre Colonien außer Europa entstanden durch ihre Missionen; dennfortwährend haben sie das verdienstliche Geschäft der Heidenbekehrung mit demunverdrossensten und verständigsten Eifer betrieben. Ihre erste Mistig» nachSt.-Thomas ward von Zmzendorf 1732 unter Begünstigung der dänischen Re-