238 Brüderschaften
ten, die die Anerkennung der Kirche nicht erlangten oder nicht suchten, den Charak-ter eines Separatismus annahmen, der sie in den Verdacht der Ketzerei brachte,z. B. die Deguinen und Begbarden, die Bruder und iLchwestern desfreien Geistes, die Apostelbrüder, die Geißler oder Flagellantenund Kreuzbrüder. (S. d. Art. und im Art. Orden die Franciscaner , de-ren dritter Orden ähnliche Erschemungcn ausweist.) Die Kirche hat sie längereoder kürzere Zeit geduldet, aber endlich doch als Ketzer verfolgt und unterdrückt.Selbst die alten Baucorporationen oder Brüderschaften der Bauleute undGewerben, von denen der Freimaurerorden seinen Ursprung herleitet, ließen bis-weilen Aunstgeheinmisse errathen, deren religiöser Gehalt auf eine eigenthümliche,in den Auge» der Kirebe verfängliche Gnosis und Symbolik hindeutete. (S. Frei-maurer.) Anders verhält es sich mit den unter kirchlicher Aufsicht entstandenenoder doch von der Kirche bestätigten frommen Brüderschaften, die keine Geheimnisse,sondern anerkannt löbliche Zwecke theils zu der wegen Mangel an Polizei undArmenanstalren nöthigen Aushulfe ter Reisendes, Schutzlose», Bedrängten, Kran-ken und Verlassenen, theils zur Befriedigung eignerBuß-und Andachtsbedürfnissehatten. Von dieser Art waren die Brückenbrüder sinnich,-»--.), welche
vom 13. bis in das In. Jahrh, im südlichen Frankreich blühten, Brücken, Fähren,Hospize und bessere Wege anlegten und unterhielten, über die Sicherheit der Heer-straßen wachten und durch 'Almosen und Schenkungen bedeutende Reichthümer er-langte», die, nachdem dieser aus Rittern, Mönchen und Arbeitern zusammengesetzteOrden unter üppigen Großmeistern seiner ersten Bestimmung ungetreu und vonPiuS I I. aufgehoben worden war, den Johannitern zufielen; ferner die ihnen ähn-lichen Ritterund Gesellen der h. Hermandad (s. d.) in Spanien , die Fami-liären und Kreuzträger im Dienste der spanischen Inquisition (s. d.)die Kalandsbrüder in Deutschland (s. d.)u.A.m. Die Bestimmung, Krankeund Gefangene zu besuchen, Almosen zu sammeln und auszutheilen, Missethäterzu trösten und auf den Richtplatz zu begleiten, Todte zu begraben und für Hinge-richtete oder aufgefundene Leichen >Leelenmessen zu veranstalten, wählten sich dieAlepianer (nach dem h. Alerius, ihrem Schutzheiligen), welche zu Anfang des14. Iahrb. in den Niederlanden meist aus den untern Volksclassen entstanden, miteinem weiblichen Zweige, den schwarzen Schwestern, vermehrt, sich bis in dieRheinlande verbreiteten und, obwol Laien, Häuser hatten und unter geistlicher Füh-rung 2 Provinzen ihres Ordens bildeten, übrigens nach ibren schlechten Wohnun-gen Celliren oder Cellbrüder, wegen ihrer leisen Klaggesänge (Lullen) beiBeerdigungen Lollharden oder Nollbrüder, wegen ihrer Mäßigkeit Ma-tema ns genannt wurden, und in Antwerpen, Utrecht und Köln in den noch jetztbestehenden Brüderschaften zur Leichenbestartung fortleben; die Brüder desTodes vorn Orten des h. Einsiedlers Paul, die 1620 zu Rouen gestiftet, schwarzwie die Alepianer gekleidet und durch einen Todtenkopf auf dem S kapulier ausge-zeichnet waren, aber von Urban VIII . schon wieder unterdrückt wurden; und jeneUnzahl von Büßern, d. h. Brüderschaften, die dergleichen Liebesdienste als Buß-übungen verrichten, in den Hauptstädten Italiens (in Rom allein über 100) nochbestehen und Laien von allen Ständen, auch vom höchsten Adel, in sich vereini-gen. Da giebt es noch jetzt graue (alte Erzbrüdcrschaft von der Kirchenfahne zuSt.-Lucia in Rom schon 1264, in Frankreich unter Heinrich III.), schwarze(Erzbrüderschaften der Barmherzigkeit und des Todes), rothe, blaue, grüne,violette Büßer, von jeder Farbe der Kutte mehre, die sich durch abstechendeFarben des Gürtels oder Mantels von einander unterscheiden; auch hat jede dieserBrüderschaften ihr eignes Schild mit kirchlichen Symbolen oder dem Bilde ihresSchutzheiligen auf der Schulter. Gleich sind sie einander in dem Schnitte ihrerKleidung, die aus einer Kulte und dem Bußsack besteht, der Kopsund Schultern