241
schnell ärztliche Hülfe für mehr als 20,000 verwundete Krieger und jede Bequem-lichkeit herbeischaffte. Seine Abhandlung: „Über die Natur des Miasma derHospnalsieber" krönte 181 l die harlemer Akademie. Die Universität Levden ver-dankt ihm die treffliche Anordnung ikrer naturgefchichtlichen Sammlung, und daßihr 'Alles zurückgegeben wurde, was 1795 von dorr nach Paris gewandert war. B.hat s. Beobachtungen über eine innere, den Fjscken eigenthümliche Organisation, diederen Fähigkeit zu schwimmen mehr als der Schwan; und die Scbwimmfedern be-fördert, in den Sammlungen des niederländ. NationalinsiitutS niedergelegt. Erstarb »n 56. I. seines Alters ani 21. Juli 1819, von Allen betrauert, die seinenCharakter wie seine großen Kenntniffe zn würdigen verstanden halten.
B r ü h l (Heinrich, Graf v.), Minister Augusts UI., KönigS von Polen undKurfürsten von Sachsen , warben 13. Aug. 1700 auf seinem väterl. Stammhaus«Ganglof-Sömmern in Thüringen geb. Sein Vater, sachsen.weißenfels. Geh.-Rath,war unbegütert und außer Stand, seine 5 Kinder auszustatten. Heinrich trat daherals Page in die Dienste der Herzogin Elisabeth. Sein heiteres Wesen und die An-muth seiner Sitten gewannen ihm die Gunst dieser Fürstin und bald darauf auchAugusts I I. In der Folge ernannte ihn der König ;um Kammerherrn und ließ sichvon ihm auf allen Reisen begleiten. B. benutzte die Gnade seines Herrn zu seinemVortheil und hatte bereits mehre wichtige Ämter erlangt, als der Kenig am l. Febr.1733 zu Warschau starb. Durch ei» eignes Glück war die polnische Krone sammtden übrigen Reichskleinodien der Obhut B?S anvertrautt ohne Säumen reiste ernach Dresden, überbrachte sie dem neuen Kurfürsten, August III. , und war sehrthätig, ihm den Thron zu sichern. Seitdem hörte das Glück nicht auf, den Grafenzu begünstigen, und er selbst verstand meisterhaft, dasselbe sich unterzuordnen. Klugund gewandt, beherrschte er seinen Herrn; zugleich entfernte er Alle, die es hättenversuchen können, ein gleiches Ansehen um einen gleichen Preis zu erkaufen. Erwurde 1733 (12. März) zum Kammerpräsidenten und Minister der einheimischenAngelegenheiten ernannt, dann 1712 zum General der Infanterie. August I I I.hatte seine Gunst dem Grafen Sulkowski geschenkt; D„ der sich noch nicht mäch-tig genug glaubte, um ihn zu verdrängen, ward der Freund seines Nebenbuhlersund theilte das Ministerium mit ihm. Inzwischen vermählte er sich mit der GräfinKollowrath, einer Favorit« der Königin, und so gelang es ihm, durch die Königinzu bewirken, daß Sulkowski entfernt ward. Jetzt befand er sieb, zum Premier-minister in den letzten Monaten 17 18 ernannt, allein im Vertrauen Augusts, undmit bewundernswürdiger Geschicklichkeit war er unablässig bemüht, Alle von demKönige abzuhalten, die sich ihm nähern wollten. Kein Lakai trat ohne B.'S Geneh-migung in des Königs Dienste; begab sich derselbe in die Capelle, so wurde» zuvoralle Wege von Zuschauern und Begegnenden frei gemacht. August verlangte vonseinem Minister einen glänzenden Aufwand, und B. erfüllte diesen Wunsch imweitesten Umfange. Er hielt 200 Domestiken und bezahlte seine Garde besser alsder König; seine Tafel war die köstlichste, und seine Garderobe die glänzendste.„Bruhl", sagt Friedrich II. , „war der Mann dieses IahrbundertS, der die mei-sten Kleider, Uhren, -Lpitzen, Stiefeln, Schuhe und Pantoffeln hatte. Cäsar würdeihn zu jenen schön frischten und parfumirten Köpfen gezählt haben, die er nichtfürchtete". August I I I. war nicht Cäsar, und B. galt Alles bei diesem schwachenRegenten. Nie wurde ein Fürst sklavischer bedient, immer befand sich B. i» sei-nem Gefolge, ganze Tage in seiner Nähe, ohne ein Wort zu sprechen, währendder geschästslose Fürst rauchend umherschlenderte und die Augen auf ihn warf, ohneihn zusehen. „Bruhl, habe ich Geld?" — „Ja, -Lire." — Das war bestän-dig seine Antwort. Aber um diese Antwort geben zu können, wurden die Cassenerschöpft und das Land mit Schulden belastet. Dagegen hatte man das Heer ver-mindert, und als der siebenjährige Krieg auöbrach, hatte Sachsen nur 17,000 M.
Loliversativiis »Lexico». Bd. ll. 16