212 Brüh! (Fricdr. Aloysius, Graf v. — Hans Moritz, Graf v.)
schlecht gezogener Soldaten, die sich aus Mangel bei Pirna ergeben mußten. Unter-des, war B. mit dem Könige nach Polen geflüchtet. Man harte die Gemälde undPorzellane gerettet und dafür die Staatsarchive dem Sieger überlassen. Nicht min-der eitel als hcrrschsüchlig, hatte sich D. für einen 'Abkömmling des Grafen Brühl,Woiwoden von Posen, erklären lassen. Die Kaiserin Elisabeth hatte ihm denSt.-Andreaeorden verliehen, und Karl VI. ihn zum Reichsgrafen erhoben. Nachdem Tode der Königin, in der ihn) eine erbitterte Feindin starb, schenkte ihm derKönig die ganze Apanage derselben, um ihn für die in Sachsen erlittenen Verlustezu entschädigen. August war kaum in Dresden wieder angekommen, als er am5. LVt. 1763 starb. Schon am 28. dess. Mon. folgte ihm B„ der bereits seit eini-ger Zeit gegen s. Erschöpfung angekämpft hatte, um die Pflichten eines Günstlingsunausgesetzt zu erfüllen. Prinz Raver , der ihn persönlich haßte, ließ, als Admini-strator von Sachsen , die Brühl'schen Güter mir Beschlag belegen und eine Unter-suchung verhängen, die jedoch damit endigte, daß B.'s geflammtes Vermögen aufs. Nachkommen überging; und wirklich scheint er fl. anflehnltchen Reichthümer mehrder übergroßen Freigebigkeit s. Fürsten als unerlaubten Mitteln verdankt zu haben;auch ist es rübmend anzuerkennen, daß er mit s. Prachiliebe und s. Aufwande denKünsten und Wissenschaften wesentliche Vortbeile gewährt hat. Seine Bibliothekkaufte der Kurfürst für 60,000 Thlr. L. v. Iusti'S „Leben und Charakt. des Pre-mierminist. Grasen v. Brühl " (3 Bde., 1760— 6-l); „< .»>'»><;.-> (1763),
und die „Zuverläss. Lebensbcschr. des verst. ersten Ministers Gr. v. Brühl , unddes verst. Cabinetsmin. A. I. Fürsten v. Sulkowski "(Fkf. u. Lpz. 1766).— Vonseinen 4 lehnen erwähne» wir den ältesten :
Brühl (Friedrich Alorsius, Graf v.), geb. zu Dresden d. 31. Juli 1739.Seine Mutter, eine höchst würdige, einsichtsvolle und geistreiche Frau, erzog ihn mitmöglichster Sorgfalt und bewies dabei ebenso viel Klugbeik als eine ihrem Ge-schlechte sonst nicht gewöhnliche Strenge. B. studirte in Leipzig und Leyden undward bereits in seinem 19. I. polnischerKron-Generalfeldzeugmeister. Nachdem erEuropa durchreist balle, wohnte er im siebenjahr. Kriege einigen Feldzügen der Öst-reicher bei. Nach dem Tode'.Augusts III. verlor er s. Ämter in Polen und Sachsen ,jedoch söhnte er sich mit StanislauS aus und erhielt einige derselben zurück. SeinLieblingsaufenthalt war Pförken in der Niederlausitz , wo er in stiller Abgezoqenhcitfür die Wissenschaften und s. Freunde lebte. Bei einem Besuche, den er s. BruderKarl in Berlin machte, starb er daselbst d. 30. Jan. 1793. Natur und Ltudiumhalten ihn zu einem Ideale eines gebildeten Weltmannes erhoben. Er war einer derschönsten Männer und besaß dabei eine bewundernswürdige Leibesstärke. Die mei-sten europ. Sprachen schrieb und sprach er mit Grazie und Ausdruck. Von s. Ein-sichten in die schöne Literatur und Schauspielkunst zeugen s. schriftstellerischen Ar-beiten. Auf dem Basson war er Virtuose und spielte außerdem fast alle Instru-mente. Er zeichnete und malte mit Geschmack und Einsicht. In den mathematischenWissenschaften hatte er sich die ausgezeichnetsten Kenntnisse erworben, besonders inder Artillerie und der Lustfeuerwerkerei. Um sich von der erster» genaue Kenntniß zuverschaffen, arbeitete er zu Augsburg fast ein ganzes Jahr unerkannt in der Stück-gießerei. Leine Thätigkeit war außerordentlich. Dabei lebte er äußerst mäßig: eineTugend, die sich bei Charakteren seiner Art höehstselten findet. Eine sonderbare Ge-walt hatte er über den Lchlaf; mehreNächte konnte er ihn ganz entbehren und da-gegen wieder in Verrath schlafen. Die Kunst der Unterhaltung war sein Triumph.Leine Schauspiele, die eine Zeitlang mit Beifall aufden deutschen Bühnen gesehenwurden, sind in 5 Thln. erschienen (1785 — 90). Eins der besten ist die „Brand-schatziing", nach einer wahren Anekdote aus dem siebenjähr. Kriege. Auch übersetzteer Meißner'S „AlcibiadeS" ins Französ. — Hans Moritz, Gr. v. Brühl aufMartinskirchen, DruderSsohn des Ministers, geb. d. 20. Dec. 1736 zu Wiederau ,