253 Bruno der Große Bruno (Leonardo)
Wo findet sich endlich eine bessere Gelegenheit, sich von drückenden häuslichen Tor--gen, von lästigen Arbeiten u. s. fi eine Zeitlang zu befreien? Selbst die Vergnü-gungen in den Bädern haben ihren eignen Reiz; sie kommen des Jahrs nur einMal, sind nicht mit dem lästigen Zwange verbunden, der andre Vergnügungen stört,»nd vereinigen Vieles, was in andern -Orten zerstreut ist. Doch ist auch in Rück-sicht des Verhaltens in den Bädern Einiges zu bemerken. Die Zeit des Aufent-halts darf nicht zu kurz sein. Unter 3 Wochen kann sich Niemand bedeutende»Nutzen von der Cur versorechen. Die Badeärzte sehen es am liebsten, wenn dieKranken 4 bis 6 Wochen bleiben können. Vor einer gar zu strengen Diät brauchtsich Niemand zu fürchten. Die Badeärzte verordnen eine paffende Diät, überlas-sen dann die nähere Bestimmung derselben dem Kranken, der seine Natur selbstam besten kennen muß. Übrigens darf Niemand fürchten, das; alle jene Vortheilenur in großen Bädern den Badegäste» zu statten kämen. Die meisten sind in klei-nen und selbst in den »»berühmten Bädern auch zu genießen. Seitdem, zuerstdurch I). Erruve in Dresden , in mehren großen Städten die Mineralwasser künst-lich und befriedigend nachgemacht werden, wird das Reisen zu Bade - und Brun-nencure» zum Theil entbehrlich, oder man kann damit noch die Annehmlichkeitenverbinden, welche größere Städte darbieten. I I.
Bruno der Große, Erzbischofvon Köln und Herzog von Lothringen,dritter Sohn Heinrich des Voglers und Bruder Kaiser -Ottos I., hatte großenAntheil an den Begebenheiten seiner Zeit und übertraf alle damalige Bischöfe anFähigkeit und Einsichten. Ein zahlreiches Gefolge von Gelehrten aus allen Län-dern, selbst aus Griechenland , schloß sich stets an ihn an, und sinn schönes Vorbildwirkte, daß mehre Prälaten ihm ähnlich zu werden strebten, üw starb zu Rheimsden I I. Oct. 965. Man legte ihm Commentare über die 5 Bücher Mosis undeinige Lebensbeschreibungen von Heiligen bei.
B runo (der heilige). Unter Mehren , welche diesen Namen führen, istder berühmteste der Stifter des EarlhäusermönchsordenS, geb. zu Köln um 1030aus einem alten und edeln Geschlechte, das noch in der Mitte des 18. Jahrh, be-stand, wurde in der Schule der Collegialkirche St.-Cuniberr erzogen, bei welcher erauch in der Folge ein Kanonicat erhielt, und studirte dann zu Rheims, wo er sichso auszeichnete, daß ihm der käsige Bischof Gervais die Aufsicht über alle Schulen desSprengels übertrug. Bruno zog mehre ausgezeichnete Schüler, unter Andern Odo,den nachherigen Papst Urban II . Die Sittenlosigkeit dieser Zeit bewog ihn, dieEinsamkeit zu suchen; daher begab er sich mit 6 gleichgesinnten Freunden zu demh. Hugo, Bischof von Grenoble , und dieser führte sie selbst 1084 in die 4 stun-den von der Stadt entfernte Wüste, welche Charmeuse heißt, und von welcher derhier entstandene Orden feinen Namen erhielt. Hier in einem engen, von zweischroffen, mit Schnee und Dornen bedeckten Felsen überragten Thale war es, woBruno und seine Gefährten ein BethauS »nd kleine abgesonderte Zellen zu ihrenWohnungen erbauten und 1086 einen der strengsten Mönchsorden (s. d.) grün-deten. Unterdessen war Urban I I. Papst geworden und berief 1089 feinen vormal.Lehrer zu sich. B. gehorchte wider Willen, schlug aber jede geistliche Würde ausund erhielt 1094 die Erlaubniß, eine zweite Carthause in der Einsamkeit vondella Torre in Calabrien zu gründen. Hier lebte er nach voriger Weife, standseiner neuen Colonie mit gleicher Weisheit vor und starb in den Armen feinerSchüler 1101. Leo X. erlaubte 1514 den Carthäusern, ihm zu Ehren eine eigneMesse zu halten, und Gregor X V. dehnte 1623 dieselbe auf die ganze katbolischeKirche aus. Seitdem ward er in die Zahl der Heiligen versetzt. B. harre feinenSchülern keine besondern Gesetze gegeben; erst 1581 kam eine vollständige Regelfür die Carthäuser zu Stande, welche Znnocenz X I. bestätigte.
Bruno oder Bruni (Brunus, Leonardo) aus Arezzo , daher sein Bei-