Buchhandel 275
der erste Buchhändler, brachte die von ihm gedruckten Bibeln zum Verkaufe nachFrankreich . Nach der weitern Ausbildung und Verbreitung der neuen Erfindungtraten andre betriebsame Leute hinzu, welche den Verkehr der Buchdrucker erleich-terten, indem sie die Verlagsbücher verschiedener Druckereien in die Stifter undKlosterschulen, damals dieHaupkpfieger der Wissenschaften, zum Verkaufe brach-ten. Dies Geschäft trieben besonder? die Abschreiber, welche jetzt ihre Nahrungverloren hatten. Schon gegen Ente des 15. Jahrh, gab es in Deutschland solcheBuchhändler, z. B. in Ulm, Nördlingcn, Augsburg . Später entstanden dieVeilagsbuchhändler, welche den Gelehrten Handschriften abkauften und dieselbenaus ihre Kosten drucken ließen. Der erste bis jetzt bekannte Buchhändler dieser Artwar floh. Dtto in Nürnberg , der 1516 auf seine Kosten Bücher drucken ließ, ohneeine Buebdruckerei zu besitzen, wie andre nürnbergische Buchhändler. Zu Leipzig ließen sich erst um 15 >5 2 Buchhändler, Steiger und Boskopf, neben den star-ken Handel treibenden Buchdruckern nieder. Die Bücher wurden nach Frankfurt a. M. zur Messe gebracht. S päter kam die Buchhändlermesse zu Leipzig in Aus-nahme, die 1661 schon von 19 fremde» Buchhändlern besucht ward, welche eineMittheilung der Büchercommission unterschrieben. Der leipziger Meßkatalog er-schien bereu? 1600. Die jetzigen Buchhändler theilen sich noch immer in 3 Classen:Buchdrucker, welche ihren Verlag selbst auf der Messe absehen (deren es aber ge-genwärtig im deutschen Buchhandel nicht viele mehr gibt, obgleich mch>v große Ver-lagsbuchhandlungen auch Bucbdruckercien besitzen, Verlagshändler, welche dieSchriften, die sie auf ihre Kosten haben drucken lassen, gewöhnlich nur an die ei-nen offenen Laden haltenden Buchhändler (sogen. Sortimentshändler, wogegenjene Nettohändlcr genannt werden) verkaufen, und Sortimentshändler,die in einem offenen Laden mit Büchern handeln, welche sie von den Verlegern be-ziehen. Die Letzter» haben in der Regel zugleich eignen Verlag, um dessen Artikelgegen fremde durch Tauschhandel umsetzen -u können, oder (da dieser Tauschhandelin den neuer» Zeiten wegen der vermehrten Verlogshandlungen nicht nicht so allge-mein stattfinden kann), um mir dem etwaigen Vortheil des Verlagshandels dendes S ortimentShandel? zu vci binden. Dieser Verkehr wird in Deutschland durchdie Büchermessen zu Leipzig unaemein befördert, jedoch wird gewöhnlich nur dieOste: messe von sämmtlichen Buchhändlern Deutschlands und einigen Buchhändlernder angrenzenden Länder, z. B. Frankreichs, der Schweiz, Dänemarks , Lieslands,Preußens besucht, um gegenseitig die Rechnungen abzuschließen und neue Verbin-dungen anzuknüpfen. Der deutsche Verleger gibt die bei ibm erschienenen Bücherzum Theil dem Sorkimentshändler ä >'>»nluü>>>. d. h. in Commission auf eine be-fummle Zeit, nach deren Ablauf dieser das Verkaufte bezahlt und das Nichtvcr-kaufte zurückgeben darf, welche Einrichtung zwar den Vertrieb der Bücher erleich-tert, jedoch nicht immer so vorkhesthaft für den Verleger ist als die Einrichtung imfranzösischen Buchhandel, wo der Sortimcntsbuc! Händler größtentheils gleich sei-nen muthmaßlichen Bedarf von einem Artikel auf bestimmte Rechnung m hmcnmuß, wie die? ehedem auch in Deutschland beinahe durchgängig der Fall war.Merkwürdig und in ihrer Art einzig ist die Einrichtung im deutschen Buchhandel,daß beinahe jede Buchhandlung des Zn- und Auslandes, welche entweder deutsche Bücker verlegt oder damit S ortimentSgcschäftc macht, in Leipzig ihren Commis-sivnrair hat, durch den der Verlag ausgeliefert und bezogen wird. ck. in Riga , derein cus den deutschen Buchhandel berechnetes Buch verlegt, hat I',. in Leipzig alsseinen Commissionnair, an den er Exemplare seines Buchs frei einsendet, um das-selbe als Neuigkeit an alle mit ihm in Verbindung stehende Sortimentshandlungcnvon Wien bis Hamburg, und von S rrasburg bis Königsberg , deren jede wiederihrer eignen Commissionnair in Leipzig hat, zu verschicken, wozu er ihm seine Ver-schont über die Zahl der Eremplare für Jeden mittheilt. 1l. gibt diese Neuigkeitö-
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