Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
303
JPEG-Download
 

308

Burg

währt es nach oben, gegen ein leidenschaftliches, zur Willkühr geneigtes Ministe-rium , keine Kraft des gesetzmäßigen Widerstandes. Das Collegialsystem hingegenbringt häufig große Langsamkeit, Förmlichkeit und Halbheit in die Verwaltung.Den» indem der Beschluß aus den Abstimmungen mehrer coordinirten Beamtengebildet werden soll, wird derselbe oft aus einer Combination verschiedenartigerGrundsätze, einer Mischung abweichender Systeme bestehen, welche nur nachtheiligwirken kann. Wenn das Collegialsystem in einem großen Staate angewendet wird,so entstehen daraus so ansehnliche und mächtige Corporalionen (z. B. die Parla-menten im alten Frankreich >, und diese halten das Interesse ihres Corps (den b^pritein mit solcher Beharrlichkeit fest, daß sie die Operationen der Regierung

aus bloßem Oppositionsgeiste hindern und in der AuSfübrung lahmen. Das hacdie Erfahrung noch jederzeit bewiesen. Daher war die Verwaltung in den meistenStaaten von jeher bureauniäßig eingerichtet. In England stehen die Sheriffs ander Spitze der Grafschaften, und besonders alle Ministerien arbeiten in Bureaus.Allein nicht nur ist die Preßfreiheit eine unbestechliche Controle, sondern die Gc-meindevcrfassung hat eine solche Kraft in den einzelnen (Gemeinten, in den Graf-schaften durch die O.uartalsessionen der Friedensrichter und die große Jury, endlichin der großen Reichsgemeinde, dem Parlament, daß man die Nachtheile des Bu-reausystemü nicht einmal bei den Gerichten stark empfindet. In Frankreich warenvor der Revolution zwar manche Verwaltungszweige collegialisch eingerichtet, wiedas Steuerwesen in den llnurx M-i ->üll-» und den <llun >>l>rr,-i -le-i aonipw!,, auchdie Rechtspflege in den höher» Instanzen. Allein die Provinzialverwalkung wardoch ganz bureauniäßig organisirt, indem an ihrer Spitze die Intendanten mit sehrgroßer Amtsgewalt standen. Die Revolution suchte zwar an ihre Stelle eine kol-legiale Selbstverwaltung der Departements zu stellen, allein dies gelang nicht undhatte eine fast gänzliche Aushebung des Zusammenhangs in der allgemeinen Staats-verwaltung zur Folge. Napoleon stellte daher mit sehr richtigem Blick die alteEinrichtung wieder her, indem er statt der Intendanten Präfecten einsetzte, denenjedoch Präsecturräthe und DepartementScollegien zur Seite standen. Diese sindin der neuern Zeit noch unbedeutender geworden als sie unter Napoleon waren, undFrankreich wird jetzt mehr als je oder als irgend ein andres Land bureauniäßig be-herrscht. In Deutschland ist stets eine zweckmäßige Verbindung beider Systemevorherrschend gewesen. Die Gerichte, wenigstens die höher», haben, wie eS durch-aus nothwendig scheint, eine kollegiale Einrichtung z die untern Stellen der Admi-nistration sind meist bureauniäßig organisirt, ebenso auch die Ministerialdeparte-mentS. Aber in der Mitte stehen zur Aufrechthaltung und Ausbildung der Grund;sitze Behörden mit kollegialer Verfassung. Hier und da wird aber auch bei ihnendas Dureausystem mit der Collegialcinrichkung combinirt, indem gewisse Geschäfteeinzelnen Räthen überlassen werden, sodaß sie solche für sich allein besorgen, aberdoch dem Ganzen des CollegiumS davon Rechcnscbaft ablegen müssen. 37.

B u r g (Ritterburg). Die Burg war im Mittelalter dieWohnung desRit-ters und die Residenz seines Fürsten. Nur dem Manne, der eine Autorität imStaate ausübte, war es gestattet eine Burg zu bauen, die ihm und seinen Hörigenin der Periode der Fehde Schutz gewährte. Fast alle Burgen lagen auf felsigenBergen, stolz und wen umher das Land überschauend. Eine Ringmauer, tiefundfest, feindlichen Gewalten zu trotzen, zur Vertheidigung eingerichtet und mitS cknesscharten versehen, umschloß gewöhnlich einen Raum, dessen Größe von derOrtlichkeit oder auch von der Macht und dem Reichthum des Besitzers abhing. Wokein schroffer Abbang die Annäherung erschwerte, pflegte noch ein meistentheils trocke-ner Grabe» vor der Ringmauer angelegt zu werden, über welchen Zugbrücken führ-ten. Auch Thürme, in der Mauerlinie oder hervorspringend, verstärkten die Ver-theidigung ; auf dem höchsten hauscte der Burgwächter. Alle Zugänge, besonders