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Burg
das Thor, waren schwierig und wohl zu versperren. Nicht selten hingen die eigent-lichen BurggebLude rhcilweise mit den Ringmauern zusammen und waren mehreStockwerke hoch. Wo das nicht der Fall war, hieß der Raum zwischen der Ring-mauer und den Gebäuden Zwinger , und machte hier und da auch wohl den Gar-ten aus. Im Innern der Burg fand man große Gesellschafts-, Wohn- undSchlafgemächcr für die Familie des Bewohners, für sein oft zahlreiches Gefolge,für seine Burgsreunde, die er gastfreundlich aufnahm, und eine Capelle zur An-dacht, mit Begräbnifihallen unter der heiligen Stätte. Oft fand man auch beson-dere Gemächer zum Ballschlagen oder Kegelspiel. Gemeiniglich waren alle Prunk-säle und sogar die gewöhnliche» Wohnzimmer gewölbt. Mit Fenstern war mansparsam, der runde» Trcppengänge waren desto mehr, und die Burgwache in derNähe der Zugbrücke . Die Waffenhalle war geschmückt mit den Bildern der Vor-fahren und mit ihren schweren Rüstungen und Waffen. Die groben Keller und Bö-den hatten immer reiche Vorrärhe auf lange Frist im Fall einer Belagerung. Einoder mehre Verließe fand man zur Aufbewahrung der Gefangenen und viel Stall-raum für Rosse, Hrmde, Falken und Zuchtvieh, ingleichcn einen oder mehr Brunnen.Zur Zeit einer Fehde flüchtete der geängsiigte Hörige nach der Burg niit Familie,Gesinde, Vieh und aller Habe, die er zu retten vermochte. — Fragt man, wie be-schäftigten sich die Edeln, welche oft nicht lesen oder schreiben konnten, auf ihren Bur-gen, wenn die Waffen ruhten? Nach den Chroniken ihrer frommen Kapläne, dieihre Tafel-, Trink-, Berakhfchlagungs- und GebetSgenosscn waren, las der Kaplanfrüh der Familie, dem Gefolge und dem Gesinde die Messe, dann jagte man mit dengastfreundlich beherbergten Rittern, schmausete beim Becherklang »ach vollbrachterJagd. trank zur Nackt und rubele von den Arbeiten des Tages aus. Zu jedemgroßen Festabend suchte man den Lehnsherrn, em Kloster oder Äbte und Bischöfemit guter Tafel auf, feierte dort die Morgenandacht und die besondere Weihe desTages, schmausete und half nach dieser Mühwaltung die Geschäfte des geistlichenoder weltlichen Herrn besorgen, die beim klingenden Becher beredet und dann vomGeheimschreiber, Canzler oder Notar zu Papiere gebracht, vorgelesen und mit denSiegelringen der Anwesenden, zum Beweise der geschehenen Verhandlung, vollzo-gen wurden. Ballschlagen, Kegel-, Würfel- und Schachspiel beschäftigte die müßi-gen Abende. (Nur das Alter dispensiere den Rittersmann, an solchen Ehrentagenseines Heiligen oder seines Lehnsherr» gebührend zu erscheinen, um Demjenigen zudienen, dessen Mimsierial man war und dessen Schutz und Beistand man einmalzu bedürfen ahnen durfte.) Hier erinnerten sich die alten Herren ihrer ritterlichenThaten; hier sahen sich die Iungfrauen und Jünglinge; hier beredeten die Lehnsher-ren, die Beichtvätcr und Kirchenprälaten die Heirathen der vornehmen Geschlechter;hier versöhnte man Feindschaften oder säete den Keim zu neuen; hier beschloß mandie künftigen Turniere, wählte dieKampfrichter und die edeln Jungfrauen, die denSiegern des Tages den Dank austheilten; hier an heiliger Stätte suchte der Va-sall um neue Lehen an und federte der Lehnherr zu Beweisen der Treue auf. Nachsolchen geistlichen und weltlichen Ehrentagen eilten die Ritter der Felsenburg ihrerAhnen wieder m, um die Vollziehung des Beschlossenen zu betreiben, die Knappenzu Ernst und Scherz in den Waffen zu üben und des Himmels Segen zu den Un-ternehmungen zu erflehen, welche das Kirchen - oder Lehenthum beschlossen hatte.Nach vollbrachter Ehrenthat pflegten eben diese Ritter mit ihren Genossen an ge-weiheter Stätte, die auch ihren Ahnen bereits theuer war, dem Höchsten Dank, unddem Heiligen, der geholfen haben sollte, fromme Gelübde darzubringen oder solchesofort zu vollziehen. — Was ließ aber jene Ritterburgen allmälig, wo eS nicht schondurch Feindesgewalt oder eigne Nachlässigkeit geschah, so gänzlich in Verfall gera-then? Diese Frage löset die veränderte Natur des RittcrstandeS. Als er aufhörte,die Hauptwehr seines Volkes zu sein, und als die Enkel Prülaturen, Hofpfründen