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Bürger (Gottfried August)
Bürger (Gottfried August), der deutsche Dolksdichter, geb. am 1. Jan. 1718zu WolmerSwende im Halbei städtische», wo sei» Vater Prediger war, starb d. 18.Juri. 179-1 zu Göttingen . Bis in se»>10.Iahrler»teerweiterNichtSalsLefenundSchreiben; doch äußerte steh eine Art poetischer Stimmung in ihm. Als Knabesuchte er die Einsamkeit und liebte die schauerlichen Gefühle, welcheDämmerung,finstere Wälder und menschenleere Örter einzuflößen pflegen ; er fing auch an, ohneAnleitung und ohne ein andres Muster, als ihm das Gesangbuch darbot, Verse zumachen, die wenigstens im Versmaße richtig waren. Latein lernte er sehr schwer. 1760kam er nach Aschersleben aus die Schule. Ermachre ein Epigramm auf den unge-heuern Haarbeutel eineS Primaners, bekam derbe Schläge dafür und wurde aufda« Hallische Pädagogium gebracht. Hier ward seine Freundschaft mir Göckingk begründet. 1764 bezog er die Universität Halle, um Theologie zu studiren. ErkennMit Klotz in genaue Verbindung, die auf B.'s lebbatre Phantasie und rege Sinn-lichkeit großen Einfluß hatte. 1768 ging er von Halle »ach Göttingen , um die Theo-logie mit den Rechten zu vertausche». Allein auch hier gerieth er in dem Hause, wor-in Klotz'« Schwiegermutter wohnte, in Verbindungen, die weder aufsein Studirennoch auf seine Sitten voriheilhaft wirken konnten. Sein Großvater, der ihn zeit-her allein unterstützt hatte, zog daher seine Hand von ihm ab. Ohne die Verbindungmit jenen ausgezeichneten Jünglingen, die damals in Göttingen studieren, mitBoie,Hölty, Miller, Voß, den beide» Stolberg, C.F.Cramer, Leisewitz , wäre er wahr-scheinlich verloren gewesen. Boie besonders munterte ihn aufund führte ihn insPu-blieum ein. Gemeinschaftlich mit seinen Freunden studiere er nun die besten Musterder Alten und Neuen, der Franzosen , Engländer, Italiener und Spanier, beson-ders Shakspeare und die alten engl. und schottischen Volkslieder. Perey'S „lie-liaü.-,", welche nachher so sehr auf seinen Geist wirkten, winden sein Handbuch.Seine Gedichte machte» Aufsehen. 1772 brachte es Boie dahin, daß die Herren vonUslar ihm die Stelle ihres Iustizbeamten in Alten- Gleichen übertrugen, ein gerin-ges Amrchen, das nur als Rettung vor der dringendsten Noth angesehen wurde.Der Großvater, als er hörte, daß sein Enkel ein Amt erhalten hatte, sehnte sich wie-der mit ihm aus und schoß eine Summe vor, um seine Schulden zu bezahle» unddie erfoderliche Eaution zu machen. Durch einen Freund verlor B. dieses Geld: einUnglück, welches der Hauptgrund zu der Zerrüttung seiner ökonomischen Umständewar, die bis zu seinem Tote fortdauerte und auch auf seinen poetischen Charakter sogroßen Einfluß hatte. Er heirathete 1774 die Tochter eines benachbarten Beamten,Namens Leonhardt, lind auch diese Heirath wurde für ihn eine O.uelle namenloserLeiden. „Schon als ich mit ihr vor den Altar trat", schreibt er selbst, „trug ich denZunder zu der glühendsten Leidenschaft für ikie Schwester, die damals kaum 14 —15, Jahr alt war, in meinem Herzen. Ich fühlte Das, allein ich hielte« für einenFieberanfall, der sich bald geben würde. Es wäre meine Pflicht gewesen, noch vordem Altare zurückzutreten. Mein Fieber legte sich nicht, sondern wurde immer hef-tiger, immer unauslöschlicher. In eben dem Maße, als ich liebte, wurde ich wiedergeliebt. O ich würde ein Buch schreiben müssen, wenn ich viele der grausamstenKämpfe zwischen Liebe und Pflicht erzählen wollte. Wäre die mir Angetrauete einWeib gemeinen Schlages, wäre sie minder großmüthig gewesen, so wäre ich langstzu Grunde gegangen. Wa« die weltlichen Gesetze nicht gestattet haben würde», dasglaubten 3 Personen sich zu ihrer eignen Rettung vom Verderben selbst gestattenzu dürfen. Die Angetrauete entschloß sich, mein Weib öffentlich und vor der Wellnur zu heißen, und die andre es zusein. 1784 verlor ich meine Frau. 1785, hei-rakbete ich öffentlich und förmlich die Einzige, höchst Gefeicrte meines Herzens;allein nach kurzem Besitze verlor ich sie schon im nächsten Jahre. Was ihr Besitz, ihrVerlust nur war, sagen meine Freuden - und Trauerlieder". Nicht« beugte ihn inder That so tief, als dieser Verlust seiner Mollp. Er hatte überdies durch eine un-