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Zweiter Band. Bo bis C.
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Bürgerschulen

Bürgerschulen sind bestimmt für Kinder aus dem Bürgerstande, die'darin eine ihrer wahrscheinlichen künftigen Bestimmung zum bürgerlichen Leben an-gemessene und zum Theil darauf vorbereitende Bildung erhalten sollen. Die Sorgefür eine allgemeine, nach den herrschenden Begriffen der Zeit nothwendige Bildungder Kinder ist zwar auch in diesen Schulen das .Hauptaugenmerk deü Unterrichtsund der Zucht; jedoch glaubt man es hier nicht wie in den Landschulen bei d 'n Ele-menten dieser Bildung bewenden lassen, sondern nach den hohem Federungen derstädtischen Bildung weiter gehen und den Unterricht auch auf solche Kenntnisse undFertigkeiten ausdehnen zu dürfe», welche vornehmlich den künftigen Fabrikanten,Künstler, Handels - und Geschäftsmann für sinne Berufsarbeiten brauchbarer ma-chen und auf eine seiner Wohlhabenheit und bürgerlichen ^Stellung angemesseneStufe der geistigen Entwickelung und Einsicht erheben kennen. Für ärmere Kin-der, von denen abzunehmen ist, daß sie meist in die Classe der Dienstboten, Hand-arbeiter und niedern Handwerker übergehe». und bei dem Drucke ihrer Verhältnisseoft Unterbrechungen und Verkürzungen ihrer L-rnzeit erleiden müssen, wurde, umsie nicht mit dem Entbehrlichem aufzuhalten, durch besondere diesen Umständen ge-mäß eingerichtete-Schulen gesorgt, welche niedere Bürgerschulen, oder, weil der Un-terricht darin meist unentgeltlich ertheilt wird, Freischulen heißen. Sonach gibt esüberhaupt 2 Gattungen von Bürgerschulen : diehöhern, welche es aus eine feinereBildung für das gesellschaftliche und Geschäftsleben anlegen, ohne die eigentlich ge-lehrten Kenntnisse einzumischen, und die niedern, welche sich mehr auf das Unent-behrliche einschränken, ohne darum hinter den weiter» Fortschritten der Städter ingemeinnützigen Sachkenntnissen uud Kunstfertigkeiten ganz zurückbleiben zu wollen.Daß die Idee der Errichtung solcher Scbule» eben nicht alt ist, beweisen die in meh-ren Mittelstädten noch ganz nach dem alten Schlendrian bestehenden Trivialschulen.Zin diesen letzter» war und ist ein wenig Latein beinahe das Einzige, was sie vongewöhnlichen Dorfschulen unterscheidet, denn darauf beschränkte sich sonst, d. h. bisin die Mitte des vorigen Jahrhunderts, der ganze Vorzug, den man dem nicht ge-lehrten Städter vor dem Landmann gestattete. Zwar hatte schon im 17. Jahrh.Amos ComenütS den Gedanken, denUnterricht in sogenannten Realien, z. D. Ge-schichte, Geographie, Naturkunde, Technologie u. s. w., mit dem damals vorherr-schenden Sprachunterrichte zu verbinden, und August Hermann Franke stiftete amEnde dieses Jahrh, zu Halle seine berühmten schulanstalten, unter denen die deut-schen oder Bürgerschulen das erste Beispiel eines wohlgeordneten VolkSunterrichtSauch in den sogenannten Realien und einer genauern Berücksichtigung der Bedürf-nisse des Bürgerstandes geben. Die Nachahmung derselben an andern Orten be-schränkte sich aber meiü nur auf eine für diesen Zweck verbesserte Einrichtung deruntern Classen lateinischer Schulen; die zu gleicher Zeit in den Städten bestehen-den deutschen Schulen (auch Viertel-, Winkel- und Klippschulen genannt) leistetennach wie vor wegen der Unfähigkeit ihrer Lehrer selten mehr als gemeine Dorfschu-len. Die 1747 von Hecker zu Berlin errichtete Realschule und die Normalschulender Äbte von Felbiger und von Schulenstein in den vstreich. Staaten kamen derzweckmäßigen Befriedigung dieses VolkSbedürftüsseS um Vieles näher, und die soge-nannten Philanthropen wußten ihre für Anstalten dieser Art am meisten geeignetenVorschläge laut genug vor die Ohren der Regierungen zu bringen, sodaß die Spre-cher und Verbesseren der Volksbildung in der neuesten Epoche der ErziebungSkunstbereits viele Empfänglichkeit und willige Hände tur Ausführung ihrer Ideen vor-fanden. Daher schreiben sich die gegen Ende des vorigen und im Anfange des jetzi-gen Jahrh, mit großcmEifer vorgenommenen Unigestaltungen des deutsche» Stadt-schulwesens, denen die theils aus den untern Classen der Gymnasien und Lnceen ge-bildeten und in der Abhängigkeit von diesen gelehrten Anstalten verbliebenen Bür-gerschulen für Knaben, theils die völlig neu errichteten und selbständig bestehenden