Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
322
JPEG-Download
 

322 Bursche Burschenschaft

Mäler der Sultane, welche hier refidirten und starben. Im nahen Gebirge Eskische-hir gräbt man Meerschaum durch 300 Arbeiter. Der gewonnene Meerschaumwird hierzu Pfeifenköpfen gebohrt, welche nach allen christlichen Staaten in Mengeausgeführt und dort nach der Mode der einzelnen Absahplätze bearbeitet werden.

Durs ch e, die gemeinschaftl. Benennung, welche auf Universitäten studi-rende Jünglinge einander beilegen, stammt von Uni-mlez oder Uur.-i-nii, wie inden mittlern Zeiten die Studirenden, von den gemeinschaftlichen Gebäuden, Lursuo,worin sie zusammenlebten, genannt wurden, ab.

Burschenschaft . , Wenn eineMasse jlingerMännervon gemeinschaft-licher Bildung und zu gemeinschaftlichen Zwecken in einem Orte vereint ist, so kannes nicht fehlen, sie müssen irgend eine organische Form ihres DeisammenlebenS erwäh-len, wenn sie ihnen nicht aufeine zweckmäßige Weise von der Regierung gegeben wer-de» kann. I» den ältern Zeiten fand sich diese Form in den Rationen vor, in welchedie Studirenden getheilt waren, deren jede ihre Vorsteher hatte, und welche sichwieder zu einem Ganzen vereinigten, sodaß auch der Rcctor der Universität vonihnen erwählt wurde. Später wurde diese Einrichtung aufgehoben, und die Disci-plin sollte ganz allein von dem Collegium der ordentlichen Professoren ausgeübt wer-den. Von dieser Zeit an hat man immer mit dem CorporationSgeiste der Studi-renden zu kämpfen gehabt, aber ihn nie ganz verbannen können, weil er zu tief inder menschlichen Natur liegt, und in den Verhältnisse» der Studirenden zu vielVeranlassungen, ihn zu wecken und zu nähren, enthalten sind. Bis inS 17. Jahrh,hatte man mit den Resten des Nationalismus und dem damit verbundenen Pen-nalismus zu thu»; dann aber verschwand er von selbst, und die Orden traten anseine Stelle. Das Studeutenleben ist jederzeit euu Abspiegelung des öffentlichenLebens überhaupt gewesen, und die Tendenzen, vernünftige und thörichte, der älternGenerationen haben sich mit großer Schnelligkeit den jüngern Zeitgenossen mitge-theilt. Gegen Ende des 17. Jahrh, fing das Oi denswesen, öffentliches und gehei-mes, an, die ältere Welt sehr ernsthaft zu beschäftigen, und bald ging es von da aufdie Universitäten über. Man hielt Logen, Ordensclubbs und Feste, man hatte ge-heime Erkennungszeichen und Symbole, und nicht nur das akademische Leben standunter dem Einflüsse dieser Verbindungen, sondern man suchte auch häufig, jedoch imDurchschnitt vergeblich, ihnen eine über die Universitätsjahre hinauSreichende Dauerund Wirksamkeit zu geben. Nach und nach traten die Orden auch aus den verschie-denen Universitäten in Verbindung, und einige, der Faßbinder-, Schwert-, Con-cordien- und Lilienorden waren um die Mitte des vorigen Jahrh, ziemlich durchganz Deutschland verbreitet. Von Zeit zu Zeit ergingen strenge Untersuchungengegen sie; sie wurden unterdrückt, aber nur um bald, höchstens mit verändertenNamen, wieder aufzuwachen. Neben ihnen bestanden schon große, fest zusammen-haltende Verbindungen nacb den verschiedenen Ländern und Hauptgegenden Deutsch-lands mit Senioren u. a. Beamten. Au Ende des vorigen Jahrh, hatten sich diesewieder mehr verloren, und an die Stelle der obengen. vier Orden waren die Ami-cisten, Unlüsten, Constantisten und Schwarze getreten. Mehre Ursachen aber wirk-ten nun zusammen, den Geist der Ordensverbindungen außer den Universitäten inengere Schranken zu banne», und so verloren sich die Studentenorden fast von selbst,wurden aber durch sogen. Landsmannschaften (Krümchen) ersetzt, deren Zweck vor-nehmlich darauf gerichtet war, eine gemeinschaftliche Regel für das Beisammen-leben der Studirenden (den sogen. Comment, dieGesehe deS DuellirenS, der Trink-gelage, des Verhaltens zu den Professoren, Hauswirthen n. dgl.) aufrechrzuhalten.Das Rohe und Ungereimte, welches in diesen Regeln vielfältig enthalten war, fandimmer schon unter den Studirenden selbst zahlreiche Gegner; allein das Zusam-menhalten und planmäßige Handeln der Landsmannschaften gab ihnen über dieUn-vcrbundenen einen solchen Vortheil, daß sie sich einer Art von Herrschaft derselben