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Buße (kath.)
wird, und jede Leistung für zugefügten Schaden. Dieser alte rechtliche Begriffentsprach nach derBußpraxis der altern christlichen Kirche auch der religiösen Buße,d. h. der Genugthuung, die der Sünder wegen seiner Vergehungen Gott und derKirche zu leisten hat. Nach protest. Ansicht wird sie nicht unter die Wacramentegerechnet, weil ihr die wesentlichen Merkmale derselben fehlen. Der protest. Lehr-begriff nimmt als Bestandtheile der Buße oder Bekehrung nur Reue »nd Glaubenan. Reue ist ihm die durch Erkenntniß der Sünden entstandene Betrübniß überden Verlust der göttlichen Gnade und die Geneigtheit zur Besserung, Glaube diezuversichtliche Erwartung, durch die versöhnende Kraft des Todes Jesu Vergebungder Sünden von Gott zu empfangen, und Beides wirkt nach diesem Lehrbegriffdie göttliche Gnade ohne eignes Verdienst des Menschen, weil er nur durch dasVerdienst Christi begnadigt und selig werden kann. Die letzte ganz biblische Be-stimmung leugnete zwar die kath. Kirche ebenso wenig als die Wirkungen der gött-lichen Gnade in dem Herzen des Bußfertigen, räumt aber doch in beiden Beziehun-gen der eignen Kraft und Würdigkeit des Menschen mehr ein, als die klaren AuS-sprüche der h. Schrift nach protest. Ansicht erlauben. Über die kirchlichen Buß-anstalten undBüßungen s.Kirchenzucht. 31.
Buße (LLacrament der Buße), die christliche Dußanstalt der kath. Kirche.Der Mensch soll vom Bösen zum Guten übergehen, dies ist die Aufgabe. Es sindalso 2 Fragen: die erste, wie die Bedingungen heißen, ohne die kein Übergang vomBösen zum Guten werden kann, und zweitens, wie die thätigen Principien hei-ßen, die diesen Übergang bewirken, oder mit andern Worten, zum ersten, was dengewünschten Übergang möglich, und zum andern, was ihn wirklich macht. Betrach-ten wir die erste Frage! — Der Übergang vom Bösen zum Guten ist nicht mög-lich ohne richtige Selbsterkenntniß des Menschen in Hinsicht auf das Böse, dasihm inwohnt und nicht inwohnen soll, und in Hinsicht auf das Gute, das ihmmangelt und nicht mangeln soll. Diese richtige Selbsterkenntnis ist nicht möglichohne die herrschende Gemürhsstimmung dcü Menschen, sich sehen zu wollen, wie erist, ohne Demuth. Also Selbsterkenntnis und Demuth sind die 2 Bedingungen,ohne die kein Übergang möglich ist. (Man vgl. dies trefflich ausgeführt in Sailer's„Moral", Bd. 1, S. 482 — 488.) — Wir kommen zur zweiten Frage, vondem wirklichen Übergänge vom Bösen zum Guten. Im Menschen, der böse ist,herrscht das Böse, und wo das Böse herrscht, da ist sittliche Unordnung, es herrscht,was dienen, und dient, was herrschen sollte. Dieser Mensch hat das eine Gesetz,keinen Augenblick länger in dieser Ünordnung zu verweilen, und alle ihm noch bei-wohnenden Kräfte dahin zu concentriren, daß in ihm die sittliche Unordnung geho-ben und die sittliche Ordnung wiederhergestellt werden möge; so gebietet es das Ge-setz derMoral, so foderl es die Stimme des Gewissens, welches als dasWortGot-tes in uns nicht nur das Böse vor der Handlung uns zu verbieten und in uns nachder Handlung zu verdammen, sondern auch die Nothwendigkeit der Rückkehr zuGott den Abgefallene» anS Herz zu legen hat. Erst dann ist also aus einem bösenein guter Mensch gemacht, wenn die sittliche Ordnung in ihm vollständig hergestelltist. Diesen Übergang kann man eine Revolution nennen, denn was bisher zu Un-terst war, kommt oben, und umgekehrt. Diese Revolution im Innern ist nothwen-dig mit einer Reformation im Äußern verknüpft, denn es kann in dem Menschenunmöglich eine so entscheidende Umänderung in Gesinnung und Zweck vorgehen,ohne daß dieselbe als ein lebendiges Princip auch eine Veränderung im Handeln, imganzen Sein hervorbringe. Unbegreifbar ist diese Umänderung, denn eben darum,weil das böse Princip im Menschen herrscht und seine Handlungen bestimmt, läßt sichnicht einsehen, wie das gutePrincip zur Herrschaft komme, es läßt sich — ebensowe-nig als zwischen Wachen und Schlaf — der Zwischenzustand zwischen der Gattungdes einen und des andern Princips, der Übergang von einem zum andern nicht be-