310 Byron (George Noöl Gerden, Lord )
in England mancherlei Gerüchte; der Lord selbst bekennt in seinem berühmten „Lebe-wohl" (I il,ra x<.g!): das er zwar die Schuld der Trennung trage, daß aberSchmerz und Reue ihn der Verzeihung wo! hätten werth machen dürfen. ZärtlicheLiebe für seine (Gattin und sein Kind spricht aucb mit ungewöhnlicher Wahrheit ausden Anfangs-und Schlußstanzen der zweiten Abtheilung von „Childe Harold ".Hierauf trat Lord B. seine zweite Reise an, welche durch die Niederlande, denRhein herauf, dann durch die Schweiz nach Italien ging, und deren Beschreibungdie beiden letzten Gesänge von „Childe Harald" gewidmet sind, in denen er geradezudie Masse seines Helden ablegt und sich selbst als den abenteuerlichen Reisendendarstellt. Dann lebte der Lord in einer einsamen Abtei bei Venedig , sowie in eini-gen benachbarten Küstenortcn des adriatischenMeereS, auch bewohnte er eine Zeit-lang eine Insel im Archipelagus. Von Venedig ließ er sich alle Morgen nach demFelllande übersetzen und tummelte wilde Rosse. 1818 wiederholte er sein Wage-stück im Schwimmen, indem er bei einer Schwimmparne in dem englischen Canal1 Stund n, und 20 Minute» mit Schwimmkissen im Wasser blieb. Später lebteer zu Ravenna. Hier stand er mit der schonen Gräfin Guiccioli in einem sehrvertrauten Verhältnisse. Als deren Vater und Bruder, die Grasen Gamba, we-gen carbonariscber Umtriebe aus Ravenna verbannt wurden, nahm Lord B. dieganze Familie gleichsam unter seinen Schutz und ging mit ihr nach Pisa , wohinauch die Gräfin, welcbe sich von ihrem Gemahl getrennt hakte, sich begab. Alsdie Gamba auch in Psia nicht mehr geduldet wurden, führte B. sie »ach Ge-nua , wo Alle wie zu einer Familie vereinigt lebten, bis das Schicksal terGrieche»den Lord nach Missolunghi zog. Lord B. wollte sein Leben in Griechenland beschließen. „Denn", schrieb er in eins seiner Bücber, „wenn Alles, was manüber mich gesagt hat, wahr ist, so bin ich nicht würdig, England miede, :us he»;wenn aber Alles bloß Verleumdung gewesen, so ist England unwürdig, micb wie-derzusehen". Der große Dichter starb in Missolunghi , nachdem er der -rsdacheder Griechen (s. d.) große Opfer gebracht harre, an einem Entzündungssieberden19. Apr. 1824. Des Spiridion Trikupi Trauerrede auf ihn ist daselbst im Druckerschienen. Ganz Griechenland trauerte um ihn 21 Tage und bewahrte sein Herzin einem Mausoleum zu Missolunghi . Der junge Graf Perer Gamba war ihmdahin gefolgt und führte jetzt die irdischen Überreste seines großmüthigen Freundesnach Enaland, wo er die „Vwiaiivr, m' I.. 1Ki>nG sixt juuiiwv i<> tsiee.l:"aus seinem Tagebuche (London 1825) herausgab. Lord B. hinterließ eine Tochterund eine Halbschwester, Mistreß Ligh. Sein Cousin, der Schiffscapitain AnsonD., erbte die Titel des Lords. Die jährlichen Einkünfte desselben (7000 Ps. St.)fielen an seine Witwe. Sein Körper wurde in der Abtei Newstcad beigesetzt.
Seit seiner zweiten Abreise aus England hat Lord D. die beiden letzten Ge-sänge von „Childe Harold ", das dramatische Gedicht „Manfred", „sssie >>nx>ucrcss t.siilsin,", die venetianische Novelle „Beppo", den ersten Versuch in leichtemStyle, „Mazeppa", das Trauerspiel „äsixiiu, Istlstul. Dogrot'ä cmw> ", den be-rüchtigten „Don Juan", von dem bis jetzt in 2 Abth. 5 Gesänge erschiene» sind,3 dramatische Dichtungen: „Cain", „LardanapaluS" und „Die beiden FoS-cari", und die prosaische Gespenstergeschichte „I'sic van,,,,," und kleinere Ge-dichte bekanntgemacht. — Lord B.'S Dichterruf ist nicht nur in seinem Vater-lande, sondern auch über das Ausland, namentlich Deutschland und Frankreich ,verbreitet. Franzosen und Deutsche besitzen Übersetzungen von fast allen seinenWerken, von manchen mehre. Von deutschen Übersetzern nenne» w r Arthurvon Nordstern, AdolfWagner, Theodor Hell , Breuer, Karoline Pichle,, die,Frei-frau v. Hohenhause» w. Über allen Gebilden Lord B.'S schwebt ein trüber,drückender Himmel, der keine Aussicht nach einem heitern, hellen Jenseit? gestattet.Unter diesem Himmel mag immerhin ein glänzender Luftkreis mit Sonne, Mond