Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Byron (Georg Noöl Gordon, Lord )

und Sternen sich bewegen; wir sehen dennoch das Alles weit darüberhin umschlie-ßende Düster durchdämmern. Für jenen düstern Geist Hot B. selbst das oft ge-brauchte Wort ^looin^ zur feststehenden Bezeichnung gestempelt. UnheilbarerSchmerz starr verzweifelndes Leiden, Lebensüberdruß und Menfchenhaß, ohneSehnsucht und Hoffnung auf ein besseres Dasein und ein erhöbetes, geläutertesMenschengeschlecht, sprechen lins klagend oder verspottend aus allen Gedichten desLords an; daneben aber flanuuende Begeisterung für die Herrlichkeit der Borwelt,FrciheitSwonne und Tyrannenhaß, gigantischer Trotz aus Menschenkraft; und imAugenblicke Alles wieder hinfchnielzend in zättlichen Zamnier, in Neuster nachverlorenem, unwiederbringlich verlorenem Liebeoglück. Die Phantasie dieses Dich-,ters ist uneifchöp stich >n lebendiger Malerei der Außenwelt: die Gletscher der Alpenund die Rosengärten des Priems, das Schlachtfeld von Waterloo und die Ruinenvon Athen weif; er gleich anschaulich und ansprechend vor unsere Augen zu stellenund an nmer Herz zu legen ; aber am liebsten und längsten weilt seine Bluse aufScenen des Grauens und des Jammers, aufLeichenbergen, in den Kammern derQual, in den Kerkern der Unschuld, in den Zellen einsamer Verzweiflung. Treffendsagt der Dichter Moore von B.'S Bluse, sie wohne gern unter Ruinen der Her-,zen, an P> .en, welche das Feuer des Gefühls zerstert hat, wie der Kasianienbaui»,der auf vulkanischem Boden wächst, dort zu gedeihen, wo der Brand der Leidemschaff seine Spur gelassen hat. Weniger stark ist der Lord in der Schilderung vonCharakteren. Pbschon alle seine Helden sich in den wesentlichsten Zügen gleichenund nur in zufälligen Äußerlichkeiten, nach Alter, Klima und Sitte verschieden sind,so ist es dem Dichter dock nicht gelungen, diesen einen Charakter sicher und vollstän-dig zu zeichnen. Er will uns seine Helden durch Beschreibungen und Reflexionendarstellen, wie Gegenden und Kunstwerke; er laßt sie zu wenig Hanteln und ;» vielsprechen. Dazu komiüt, daß er seinen eignen persönlichen Charakter, sein Gefühlund seinen Glauben überall in das Leben und Handeln, sowie in die Reden sei-ner Helden einmischt. Das Beiwort glo,»»v paßt auch für seine Helden, fürden Giaour, den Corsaren, den Renegaten Alp, den Lara, den Manfred rc.;alle elend, verworfen, hoffnungslos, aber alle aufgeschwollen von eitlem Mcn-schentrotz gegen Gott und die Natur; dabei ein düsterer, geheimnisvoller Hinter-grund, der unaussprechliche Laster und Gräuel mit ihren folternden Strafen ver-schleimt. Die unaufhörliche Klage über die Verworfenheit des Menschengeschlechts,über das der Dichter sich nur zu erheben scheint, um sich nachher auch mit zu ver-werfen und die ganze Brüt desto tiefer zu erniedrigen; der oft bis zum Ekel ausge-sprochene Ekel an dem Leben; die höhnende Resignation auf Loh» und Strafeeiner Ewigkeit; endlich der unablässig nach Seufzern und Thränen ringende Jam-mer nur einen unsäglichen Verlust: diese stehenden Gefühle und Maximen derPoesie B.'S müssen allmälig sehr verdächtig werden und a» der Kraft ihres Ein-drucks verlieren, besonders wenn man damit das Leben des Lords und seine letz-ten frivolen Dichtungen, namentlich den „Don Juan", vergleicht, den ein Mannohne Lebenslust wol schwerlich geschrieben haben möchte. B.'S Heldinnen sindnoch charakterloser und einförmiger als die Heiden. Von allen erhalten wirlange, blühende Beschreibungen, denen öfters ein üppiger Reiz beigemischt ist;aber alle diese Beschreibungen geben nur das schwankende Bild einer schwachen,zarten Schönheit; und in ihrem Charakter und Schicksal kommen sie fast alledarin uberein, daß sie liebet,, liebend fallen und von der Verzweiflung beweintwerden. — Der poetische Styl des Lords ist glänzend, prachtvoll, blendend; ersticht nach grellen Gegensatze», liebt das Helldunkel, und Malerei und Declama-tion leisten ihm mehr Dienste, als die echte Poesie erheischt. Durch Überspan-nung und Überfüllung in einige» Lieblingsstellen werden manche andre zu kargausgestatüt, und dadurch leidet die Einheit und Vollendung des Ganzen. Auch