Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
381
JPEG-Download
 

Calembourg Calender 381

Umweg gänzlich ersparen zu kennen. Bei widrigen Winden ziehen Dampfbote dieSchiffe, die den Canal passiren, vorwärts. Schon zeigt sich auch der Nutzendes Canals in landwirthschaftlicher Rücksicht, weil viele Ai beiter es bequem fanden,sich in kleinen Landstellen langsdem Canal, den sie selbst graben halfen, anzusiedeln,da die Zufuhr dort und die Abfuhr der Produkte über das Bedürfniß der cultiviren-den Familie leicht ist. Selbst die großen Landherren haben angefangen, längs demCanal und den 3 Seen, durch welche er läuft, bedeutende Landgüter in Culturzu setzen, wo nian vor 20 Jahren Nichts als Felsen, Moor und Haide sah. DerCanal wird künftig die Hauptwafferstraße zwischen Irland, Liverpool und der Ost-see werden. Durch den Canalbau kam in diese vormals durchaus arme und ödeGegend viel Geld in Umlauf, und er war es wiederum, der daSauffallende Wach-sen der schottischen Fischereien sehr beförderte. Freilich verbapd schon früher derglasgower, südlicher gelegene Canal das atlantische Meer und die Nordsee, aberweil man Geld sparen wollte und sich das Wachse» des schottischen Handels nichtso nahe dachte, als es die Zeiten rasch herbeiführte», wurde dieser glasgower Canalnicht rief und nicht breit genug angelegt, um grosse Seeschiffe aufnehmen zu können:ein Febler, den der neue caledonische Canal verbessert hat. 43.

Calembourg, eine Art Wortspiel, indem man einem Worte eine» an-dern Sinn als den gewöhnlichen gibt, den es aber haben kann, wenn man ohneRücksicht aus Grammatik oder Orthographie einige Buchstaben verändert, Hinweg-oder hinzuthut, ohne dass, dadurch die Aussprache geändert wird, also die Ähn-lichkeit des Klanges bleibt. Hierdurch unterscheidet sich ein Calembourg von demeigentlichen jt-u <Ie mal. Ein westfälischer GrafCalcmberg, der unter Ludwig XV. in Paris lebte, soll durch seine Sprachschnitzer die Gesellschaften belustigt und denMarquis Bicvre zur Einführung dieser neuen Art von Witz veranlasst haben. Alsein Beispiel führen wir Folgendes an: Ein Räuber federte einem Reisenden dieBörse ab, indem er ihm mit den Worten die Pistole auf die Brust setzte: „I,abeurse, ( 1,1 la lie". — „Oour l'avis (la vie)", erwiderte dieser trocken, „Isnic-illeur gue je puisse von? cleiincr, est ,Ie cznittei volle »ictier, sans guo!vons sei er zicuilu, et peur la bourse (den Haarbeutel) je n'en ,ii pas, zi.-ircegusje pei le »e o-No^an" (Haarknoten). überhaupt ist die franz.Sprache reich ander-gleichen Wortspielen, weil sie arm an Worten ist, diese folglich in mehren Bedeu-tungen genommen werden können.

Calender, die Eintheilung der Zeit in Jahre, Monate, Wochen undTage; insbesondere ein Verzeichniß dieser Eintheilung. Bei den alten Römernrief, wegen Mangels eines solchen Verzeichnisses, wie wir es haben, der Pontifez:marimus am ersten Tage des Monats den Monat mit den darin einfallenden Fe-sten und den Neumond aus (calare); daher O-vIk-iillne und Calender. Zu denersten Abtheilungen der Zeit gaben wiederkehrende Ereignisse der Natur Gelegen-heit. Der scheinbare tägliche Umlauf des ganzen gestirnten Himmels und mit ihmder Sonne ic.um die Erde, erzeugte die Eintheilung in Tage. Da sich aber dieZahl der Tage zu sehr vergrößerte, so fühlte man bald das Bedürfniss eines grö-sser» Zeitmaßes, welches mehre Tage in sich saßke. Dieses bot der Wechsel desMondes, dessen Erscheinungen man alle 29 — 30 Tage wiederkehren sah, dar, undes entstand die schon größere Zcitabtheilung in Monate. Allein nach Verlauf voneinem ziemlichen Zeitraume sah man auch diese zu sehr gehäuft, und man bedurfteeines noch größer» Maßes der Zeit. Dies fand man in dem scheinbaren jährlichenLaufe der Sonne um die Erde in der Ekliptik. Man hatte späterhin und nachmanchen vorangegangenen, unten näher zu erwähnenden, Irrthümern endlich dieErfahrung gemacht, daß sie nach etwas mehr als 365 Tagen diesen scheinbarenLaufvollende, und nannte diesen Zeitraum ei» Sonnenjahr oder bloß Jahr, welchesman wieder nach den vorigen Zeitmaßen, Monaten und Tagen, bestimmte. Da