382
Calender
nun wegen des wichtigen Einflusses, den der Lauf der Sonne in der Ekliptik undihre damit zusammenhängende Entfernung von unserm Scheitel auf die Erde unddie Geschäfte ihrer Bewohner in allen Gegenden halte, dieser Umstand die Aufmerk-samkeit der Letzter» natürlich auf sich ziehen mußte, so kam es, daß alle bekanntenVölker von einiger Cultur das Jahr, als das größte Zeitmaß, angenommen haben.Wahrscheinlich haben sich zuerst die Phönizier, dann die Ägypter, dann die Griechendieser Zeitrechnung bedient, von welchen sie zu andern Völkern fortgepflanzt wurde.Die Bestimmung des Jahres nach Monaten und Tagen konnte aber anfangs nichtsehr genau sein, denn dieses federte lange und aufmerksame Beobachtung. DerCalender der ältesten Völker konnte daher nur sehr unvollkommen sein. Indeßwar es für diese genug, die ökonomischen Geschäfte danach einzurichten. DenLauf der Sonne mit dem des Mondes in Übereinstimmung zu bringen, bemühtensich zuerst die Griechen. Sie rechneten 122 Umdrehungen des Mondes um dieErde aufein Sonnenjahr, und, um die Theilung der Monate zu vermeiden, lie-ßen sieein Äahr zu 12 Monaren mit einem zu 13 Monaten abwechseln. Solon, derdie Mängel dieser Eimheilung einsah, bestimmte den Monat auf 29J Teige undließ auf gleiche Weise Monate von 29 und 30 Tagen abwechseln. Dadurch wur-den die Zeiträume der Monate mit der angenommenen Zeit des Jahres aber immernoch nicht in genaue Übereinstimmung gebracht, und es mußten bald neue Unord-nungen entstehen. Ungeachtet von Zeit zu Zeit Vorschläge zur Verbesserung ge-than wurden, so gelang es doch erst Mcton und Enctemon dadurch, daß sie einenZeitraum von 19 fahren angaben, binnen welcher Zeit die Neumonde wieder aufdie vorigen Tage des Jahres zurückkommen findet» 19 Sonnenjahre ziemlich genau236 Lunationen ausmachen^ (s. Cyclus), die Sache der Richtigkeit näher zubringen. Diese Zeitrechnung, welche die Griechen 133 v. Chr. annahmen, fandso großen Beifall, daß sie mit goldenen Buchstaben in eine zu Athen errichtete Ta-fel eingegraben wurde; daher man diejenige Zahl, welche angibt, wie viele Jahrein der laufenden 19jähr. Periode verflossen sind, die güldene Zahl nannte. Alleindie 19jährige Periode war noch um 6 Stunden zu lang. Diesem Mangel suchteKalippuS, 102 Jahre später, abzuhelfen, wiewol er es noch nicht dahin brachte,daß der Ansang der Jahreszeiten auf einem bestimmten Tage des Jahres blieb.Bei den Römern führte ihr erster König Romulus ein Jahr von 10 Abtheilungenoder Monaten ein, wovon 1, nämlich März, Mai, Quintilis und October 31Tage, die übrigen, April, Juni, Sertil, September, November und Decembernur 30 Tage hatten. Da er einsah, daß diese Rechnung nicht ausreichte, soschaltete er zur Ergänzung des Jahres noch so viel Tage ein, als bis zu Anfangedes folg. I. nöthig waren. Sein Nachfolger, Numa Pompilius , schaffte dieseRechnung ab, fügte noch 50 Tage hinzu, schnitt von den 6 Monaten, welche 30Tage hatten, weil er die gerade Zahl für unglücklich hielt, einen ab, und bildete ausden 5K Tagen 2 neue Monate, jeden zu 28 Tagen, welche er Januar und Februarnannte. So bekam das Jahr 12 Monate und 350 Tage; und um es mit demLaufe der Sonne in Übereinstimmung zu bringen, bediente man sich der Einschal-tungen nach Art der Griechen. Die letzter» waren aber den Priestern überlassen;und weil diese nach den Bedürfnissen des SraatS oder ihren Privatvoriheilen damitsehr willkürlich verfuhren, so verursachten sie bald Mißvergnügen lind Störungen.Dessenungeachtet dauerte diese Einrichtung bis gegen das Ende der republikanischenVerfassung fort. Der Calender der Römer hatte eine ganz eigne Einrichtung.Sie gaben nämlich 3 gewissen Tage» des Monats eigne Namen : der erste Taghieß bei ihnen allemal Calendä; in den 4 Monaten März, Mai, Quintilis (Ju-lius) und October hieß der 7., in den übrigen der 5. Tag Nonä, und in jenen4 Monaten der 15., in den übrigen der 13. Tag JduS. Nach diesen bestimmtensie die übrigen auf folgende Art: sie zählten die Tage von den obengenaimten rück-