Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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CalixtuS (Georg)

dann in Hofland, England und Frankreich verweilte, um die verschiedenen Reli-gionsparieien und die größten Gelehrten seiner Zeit aus lebendiger Anschauungkeimen zu leinen, war 1613 wieder in Helmstädt und gründete seinen Rukm alsTheolog besonders durch den schnellen Sieg, den er 1611 bei einem ReligionSge-sprach auf dem Schlosse Hemelschenburg über den Jesuiten Turrianus gewann.Noch in tems. I. wurde er Professor der Theologie, bald daraufAbt von Königs-lütter und Kirchenralh, und blieb bis an s. Tod 19. März 1656) der thätigste undbeliebteste Lehrer zu Helmstädt. Der Geist dieser Universität war schon darumfreier als die Denkart der wiktenberger, weil sie die Eoncordienformel nicht ange-nommen hatte, und die eidliche Verpflichtung der dastgen Doetoren der Theolo-gie zur Beförderung des Kirchenfriekens ward auch für C. ein Antrieb, Verei.nigungspunktksüralle Religionsparteien aufzusuchen. Doch sein Genie, die Tiefeseiner exegetischen, patnstischen und kirchenhistorischen Kenntnisse und der aus seinenReisen gewonnene höhere Standpunkt des Urtheils überWelt-und Menschenlebengab ihm schon an und für sich Beruf zu kühnern Forschungen, Hellern Ansichtenund billigerm Verfahren gegen Andersdenkende, als die Engherzigkeit der Theologenseiner Zeit vertragen mochte. Obgleich seine Abhandlungen über das Ansehe» derheilige» Schrift, die Transsubstantiation, die Priesterehe, den päpstlichen Primat,das Abendmahl unter Einer Gestaltn, a. m., selbst nach dem Urtheile gelehrterKatholiken, zu dem Gründlichsten und Treffendsten gehören, was je von Protestan-ten gegen die UnterscheidungSlchren desKatholiciSmuS geschrieben würden ist, wagtedennoch Bischer, ein Prediger zu Hanover, ihn 1539 in einer Schmähschrift desKrypropapismuS anzuklagen, weil seine Ausdrücke und Behauptungen hier und dader katholischen Lehre günstig schienen; und daß er in seiner Moraltheologie und ineinem besondern Werke über die Toleranz gegen die Reformirken auch diesen Ge-rechtigkeit widerfahren ließ, ja sogar in einigen Punkten sich ihnen näherte, wurdeihm von den Anhängern des Buchstabens derConcordienformel als die ärgsteKetze-rei ausgelegt. Vergebens bemühte er sich, die lutherischen Zeloten in seinen Ver-theidigungsschriften zu bedeuten, daß die Meinungen theologischer Schulen, welchedie Reformirken und Lutheraner trennen, geringeres Gewicht hätte» als die Grund-lehren des Glaubens, in denen sie einig sind, und daß die ältesten christlichen Glau-bensbekenntnisse allen Religionsparkeien gemein wären. Dazu kam, daß er inspätern Disputationen die TriniiätSlchre im alten Testament weniger deutlich fin-den wollte als im neuen, die Nothwendigkeit guter Werke zur Seligkeit wenigstensanerkannte und 1616 auf dem Religionsgespräch zu Thor», zu dem der reformirteKurfürst von Brandenburg ihn als Friedensvermiitler sandte, mit den reformirte»Tbeologen vertraulicher umging als mit den lutherischen, die ihn auch dort an-feindeten. L>o brach denn der Verdacht und Groll derselben wider ihn in denStreitigkeiten los, die nach der ihm Schuld gegebenen Religionsmengerei die syn-kretistischen heißen und die lutherische Kirche noch lange nach seinem Tode bewegten.(Dergl. Synkretismus.) Die heftigsten unter seinen Gegnern, der Oberhof-prediger Jak. Welker in Dresden und die Professoren Ioh. Hülsemann in Leipzig und Äbrah. Ealov in Wittenberg , begnügten sich nicht, ihm in ihren Schriften diegehässigsten Ketzereien aufzubürden, sie bestimmten auch den Kurfürsten JohannGeorg l. von Sachsen zu feindseligen Schritten gegen die helmstädiischen Theolo-gen bei dem Herzog von Braunschweig . Doch dieser schützte seinen Calixtus, unddie evangelischen Reichsfürstcn drangen selbst auf dem Reichstag zu Regensburg 1655 in Johann Georg, seinen Theologen Ruhe zu gebieten, was dieser nun auchthat. So blieb Calixms bis an seinen Tod wenigstens in seinen Amtsverhältnissen»»gekränkt, die unparteiische Anerkennung seiner Verdienste aber der Nachweltvorbehalten. Die Streitigkeiten, in die er verwickelt wurde, hielten ihn zwarzum Nachtheil der Wissenschaft ab, seine neuen Zdeen und historischen Entdeck»»-