Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
397
JPEG-Download
 

Calvin

397

er nach Nerac zur Königin Margaretha vonNavarra, Franz I. Schwester, dirnicht sowol aus entschiedener Neigung für die neue Lehre als au« Liebe für dieWissenschaften mehren Gelehrten, welcbe ihrer Meinungen wegen Frankreich ver-lassen sollte», eine Zuflucht gewährte. C. ward von ihr sehr wohl aufgenommenund lernte hier mehre Männer kennen , die in der Folge seiner Partei nützlich wur-den, kehrte nach Paris zurück, mußte aber 1534 aufs neue Frankreich verlassen.Jetzt ging er nach Basel, wo er als Glaubensbekenntniß der in Frankreich grausamVerfolgten und zum Scheiterhaufen Verurtheilten s. „Christi. Unterweisung"herausgab, in welcher er die Absicht hatte, sie von der aus politischen Gründenverbreiteten Verleumdung zu befreien, daß sie Aufrührer und Wiedertäufer seienund mit der lutherischen Lehre Nichts gemein hätten. Es würde sich nicht in derKürze darstellen lassen, wie er weiter ging als Luther in der Lehrevvm freien Wil-len , von der Zurechnung und dem Verdienst guter Werke; leichter lassen sich diekühnen Folgerungen angeben, die er aus seinen Lehren zog. Er bestritt nicht nurebenfalls die Dbei stelle des Papstes, sondern selbst das Ansehen der allgemeinenKiichenversammlungen; ein Bischof oder Priester ist ihm kein sichtbares Haupt derKirche; er läßt kein andres Gelübde zu als die Taufe, und keine Sacramenke alsdie Taufe und das Abendmahl; selbst diese betrachtet er nicht als unerläßlich noth-wendig zur Seligkeit. Die Messe ist ihm eine Entweihung, und die Verehrungder Heiligen ein Götzendienst. Dieses Werk: „Institut',» clirislian.'ic leligio-niG, erschien nachher französisch und wurde fast in jedem Jahre von ihm verbessertund vermehrt herausgegeben. Die vollständigste AuSg. besorgte Robertuü Sle-phanus 1559. Die vorangesetzte „Lraesatin ack (lstristi.iniznimun, lle^cni, guastioei liste,' pro ce»>1e.-sin>w ticlei nklortui", konnte indeß den Religionsverfol-gungen in Frankreich kein Ende machen, da Franz I. , von religiöser Schwärmereiweit entfernt, durch politische Rücksichten dazu gedrungen wurde. C. ging daraufnach Italien , uni dort seine Lehre zu predigen, fand bei der Herzogin Renata vonFrankreich, Tochter Ludwigs XII. und Gemahlin Heroules's von Este, die in derFolge sich zu seiner Lehre bekannte, günstige Aufnahme, mußte sich aber von Aosta ,wo man ihn entdeckte, durch schleunige Flucht retten und kam um die Mitte 1536wieder nach Paris . Da er jedoch hier nicht mit Sicherheit leben konnte, beschloßer nach Basel zu gehen und nahn: den Weg über Genf , wo seit einem Zahre durchei» förmliches Decret der Regierung die neue Lehre eingeführt worden, und Farelfür die Befestigung derselben thätig war. Mit diesem vereinigte sich C. und be-kam bald darauf den Auftrag, theologischen Unterricht zu ertheilen, dem ersuch ein-zig widmete, während er Farel die Kanzel überließ. Aber ein nicht minder eifriger,jedoch weniger geschickter Geistlicher, mit dem sie sich verbunden hatten, zog ihneneine Menge mächtiger Feinde zu, durch welche sie endlich gestürzt wurden. DerAnlaß dazu war folgender. Die genfer Kirche bediente sich beim Abendmahl desgesäuerten Brotes und hatte die Taufsteine aus den Kirchen entfernt; auch, außerdem Sonntag, alle Feste abgeschafft. Diese Neuerungen wurden von derlausannerSynode nicht gebilligt. Der Magistrat von Genf verlangte von Farel und Calvin ,daß sie sich nach dem Ausspruche derselben bequemen sollten, und gab ihnen, da siesich weigerten, den Befehl, die Stadt in drei Tagen zu verlassen. Dies geschah imApril 1538. Sie gingen nach Bern , und da die Bemühungen des berner Magi-strats und der Züricher Synode ihre Zurückberufung nicht bewirken konnten, begabsich C. nach Strasburg, wo Luther 'ü Lehre durch Bueer seit 10 Zähren Ein-gang gefunden hatte. Dieser nahm ihn sehr wohl auf und ließ ihn zum Professorder Theologie ernennen. Zugleich bekam er die Erlaubniß, eine französische Kirchezu errichten, welche durch die große Menge aus Frankreich Geflüchteter sehr bedeu-tend ward. Ungeachtet der großen Achtung, in der er hier stand, waren doch seineBlicke auf Genf gerichtet, dessen Einwohner er in 2 Schreiben ermähnte, der neuen